Grundbücher der österreichischen Literatur seit 1945
Dienstag, 10. Mai 2016
Linz, StifterHaus, Adalbert-Stifter-Platz 1, 19:30 Uhr

GERHARD FRITSCH: Fasching (Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, 1967)
Kommentierte Lesung: ROLAND KOBERG
Referat: KLAUS AMANN
Moderation: KLAUS KASTBERGER

Eine Kooperation der Alten Schmiede, Wien
und des StifterHauses

„Der Roman ,Fasching’ (1967) von Gerhard Fritsch (1924-1969) erzählt die Geschichte des Deserteurs Felix Golub, der in einer steirischen Kleinstadt von einer Baronin versteckt und, als Dienstmädchen verkleidet, zu ihrem Liebhaber gemacht wird. Gänzlich ungeplant gelingt es ihm, den Ort vor der Zerstörung zu bewahren, was ihm die Bewohner danken, indem sie ihn bei den Sowjets denunzieren, die ihn nach Sibirien verschleppen. Als er nach zehnjähriger Kriegsgefangenschaft im Jahr des Staatsvertrags in den Ort zurückkehrt, in dem gerade Fasching gefeiert wird, schlägt ihm blanker Hass entgegen. Zur Erinnerung an seine ‚Heldentat‘ wird er abermals als Frau verkleidet und zur Faschingsprinzessin gekürt. Der Roman zielt ins Mark der Zweiten Republik. Das friedliche Bild einer zivilen Gesellschaft erweist sich als Maskerade, hinter der die alten Fratzen lauern. Die Protagonisten und Honoratioren von einst und jetzt haben zwar ihre Uniformen gegen das Trachtengewand ausgewechselt, sie sind jedoch geblieben, was sie waren. ‚Vergangenheitsbewältigung‘ auf österreichisch - zwanzig Jahre vor Waldheim. Das Buch war ein absoluter Misserfolg.” (Klaus Amann)

GERHARD FRITSCH, geboren 1924, veröffentlichte ab 1947 Gedichte und Kurzgeschichten, 1952 erschien sein erstes Buch „Zwischen Kirkenes und Bari”; ab 1959 lebte er, nach seiner Zeit als Bibliothekar der Wiener Städtischen Büchereien, als freier Schriftsteller und Redakteur der wichtigsten österreichischen Literaturzeitschriften (er druckte Texte u. a. von Thomas Bernhard, Peter Handke, der Wiener Gruppe, Ernst Jandl und Friederike Mayröcker), Herausgeber einschneidender Anthologien („Aufforderung zum Misstrauen”, 1967) und Außenlektor österreichischer Verlage sowie Jurymitglied diverser Literaturpreise.

KLAUS AMANN, geboren 1949, studierte Germanistik und Anglistik, em. Professor für Geschichte und Theorie des Literarischen Lebens an der Universität Klagenfurt und von 1994-2014 Leiter des Robert Musil-Instituts für Literaturforschung der Universität Klagenfurt sowie des Kärntner Literaturarchivs.

ROLAND KOBERG, geboren 1967 in Linz, Studium der Germanistik in Wien.
Theaterkritiker und Kulturredakteur bei der Wochenzeitung „Falter”. 1995 Wechsel zur „Zeit” nach Hamburg, dann als Theaterredakteur zur „Berliner Zeitung”. Seit 2001 Dramaturg, anfangs am Deutschen Theater Berlin, ab 2009 am Schauspielhaus Zürich, ab 2013 in Zürich, Düsseldorf und Graz.

 Zurück
IMPRESSUM © 2016 Adalbert-Stifter-Institut des Landes Oberösterreich / StifterHaus – Literatur und Sprache in OÖ.
Stichwörter zur oberösterreichischen Literaturgeschichte

Stichwörter zur oberösterreichischen Literaturgeschichte

weiter >>
(Nach)SommerTag<br />20 Jahre StifterHaus neu * Der Film

(Nach)SommerTag
20 Jahre StifterHaus neu * Der Film

weiter >>