Grundbücher der österreichischen Literatur seit 1945
Dienstag, 18. Oktober 2016
Linz, StifterHaus, Adalbert-Stifter-Platz 1, 19:30 Uhr

REINHARD P. GRUBER: Aus dem Leben Hödlmosers. Ein steirischer Roman mit Regie (Residenz Verlag, Salzburg, 1973)
Lesung mit dem Autor
Referat: GERHARD FUCHS
Moderation: KLAUS KASTBERGER

Ein Gemeinschaftsprojekt der Alten Schmiede, Wien
und des StifterHauses

„Einen ,Pop-Roman mit Gamsbart, eine Philosophie-Parodie im Steireranzug’ kündigt der Droschl Verlag 1999 bei der Wiederauflage im Rahmen der Werkausgabe an - und in der Tat: Reinhard P. Grubers ,Aus dem Leben Hödlmosers. Ein steirischer Roman mit Regie’ hat das Zeug zum Kultbuch. Insbesondere dessen erster, lapidar ,Steirer’ genannter Teil zeigt die sprachliche Genese eines in sich geschlossenen, scheinbar naturgegebenen Weltbildes, in dem durch kurzschlüssige Scheinsyllogismen ein territorialer Heimatbegriff herbeigesprochen und im Mythos bewahrt wird. Gruber führt die ,Naturalisierung’ des historisch Gewordenen in reduktionistischen Heimatkonzepten, insbesondere in der Blut-und-Boden-Ideologie des Nationalsozialismus mit ihrer Identifikation von Landschaft und Charakter, sprachsatirisch ad absurdum und ironisiert die zugrundeliegende Geisteshaltung, indem er Klischees traditioneller Heimatroman-Heftln vom Wildern bis zum Weibern in seinen ,Regieanweisungen’ sprachlich mit Versatzstücken anderer Sprachspiele - etwa dem Wissenschaftsjargon der Frankfurter Schule oder den Fachsprachen der Juristen, Psychologen und Theologen - konfrontiert und so die scheinbar naturwüchsige Verbindung von Rausch und Blutrausch, Gemütlichkeit und Gewalt als sozial und sprachlich konstruierte sichtbar macht. Über die Folie des Anti-Heimatromans hinausgehend erzeugt die Diskrepanz von Ausdruck und Inhalt aber vor allem Komik. Franz Josef Hödlmoser stellt - ähnlich wie Artmanns ,ringlgschbüübsizza’ in ,blauboad’ - in grotesker Übersteigerung bei gleichzeitiger Verharmlosung einen (nicht nur steirischen) Typus mit Wiedererkennungswert dar, dessen gewalttätige Schwäche dem Lachen und darin Sich-Selbst-Verlachen als Mittel der Subversion ausgesetzt wird.” (Daniela Bartens)

REINHARD P. GRUBER, geboren 1947 in Fohnsdorf. Studium der Theologie in Wien, 1974 - 1977 Kulturjournalist in Graz, seither freier Schriftsteller; lebt bei Stainz in der Weststeiermark. 2002 Würdigungspreis für Literatur der Republik Österreich. Romane, Essays, Theaterstücke, Hörspiele, Drehbücher. 1997 - 2005 8-bändige Werkausgabe (unvollständig).

DANIELA BARTENS, geboren 1962 in Graz, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Franz-Nabl-Institut für Literaturforschung (Universität Graz). Zahlreiche Publikationen zur österreichischen Gegenwartsliteratur, Herausgeberin (gemeinsam mit Gerhard Fuchs) des „Dossier-Bands” über Reinhard P. Gruber (Droschl, 2011); bearbeitet den Vorlass des Autors.
 Zurück
IMPRESSUM © 2016 Adalbert-Stifter-Institut des Landes Oberösterreich / StifterHaus – Literatur und Sprache in OÖ.
Stichwörter zur oberösterreichischen Literaturgeschichte

Stichwörter zur oberösterreichischen Literaturgeschichte

weiter >>
(Nach)SommerTag<br />20 Jahre StifterHaus neu * Der Film

(Nach)SommerTag
20 Jahre StifterHaus neu * Der Film

weiter >>