Sprachatlas von Oberösterreich (SAO)

Der Sprachatlas von Oberösterreich (SAO) ist das Herzstück des Arbeitsbereichs OÖ. Sprachforschung. Mit ihm werden die Dialekte Oberösterreichs und seiner unmittelbaren Nachbargebiete dokumentiert.

Der SAO stellt die – sprachgeografisch variierenden – sprachlichen Formen in 223 Orten in und um Oberösterreich in Form von Karten und begleitenden Erläuterungen vor. Vorgesehen sind fünf Kartenbände mit insgesamt etwa 1000 Sprachkarten, dazu fünf Begleitbände, ein Einführungsband zum Gesamtwerk und auch ein Abschlussband, in dem in allgemein verständlicher Form die Ergebnisse des wissenschaftlichen Großunternehmens, das zur Gänze vom Land Oberösterreich finanziert wird, präsentiert werden sollen.

Zielsetzung

Der Sprachatlas von Oberösterreich (SAO) versteht sich primär als Teil der wissenschaftlichen Landeskunde Oberösterreichs und will das Wissen über die sprachlichen Grundlagen des Landes erweitern und vertiefen, dieses Wissen der Landesbevölkerung vermitteln und in allgemein verständlicher Weise zugänglich machen und letztlich die Wertschätzung der Dialekte des Landes als Teil oberösterreichischer Geschichte und Kultur verstärken.

Die Geschichte bzw. Vorgeschichte des SAO im engeren Sinne beginnt 1987 mit dem Auftrag des damaligen Landeshauptmannes von Oberösterreich, Dr. Josef Ratzenböck, an das Adalbert-Stifter-Institut des Landes Oberösterreich in Linz, eine Dialektaufnahme des Landes Oberösterreich durchzuführen. Das Adalbert-Stifter-Institut hat dafür und für die weitere Erforschung der Sprache Oberösterreichs die Institutsabteilung OÖ. Dialekt-Archiv, nunmehr „Einrichtung OÖ. Sprachforschung“, gegründet. Der SAO wird zur Gänze vom Land Oberösterreich finanziert.

Der SAO ist natürlich auch Teil der deutschen Dialektforschung insgesamt und in diesem Zusammenhang ein Baustein in der Erhebung und Dokumentation der deutschen und insbesondere der bairischen Dialekte in Form von Sprachatlanten. Räumlich unmittelbar benachbarte Sprachatlanten bzw. Forschungsprojekte im Hinblick auf solche Sprachatlanten sind der Sprachatlas von Niederbayern (SNIB) und der Sprachatlas von Oberbayern (SOB), beide an der Universität Passau zu Hause, und der Atlas der historischen deutschen Mundarten in der Tschechischen Republik (ADT), ein gemeinschaftliches Forschungsunternehmen an den Universitäten Brünn, Regensburg und Wien. Für die angrenzenden österreichischen Bundesländer Salzburg, Steiermark und Niederösterreich existieren leider keine solchen Unternehmen, doch sind die an Oberösterreich grenzenden Gebiete dieser Länder im SAO zum Teil miterfasst.

Erhebung

Die Dialektaufnahme des Landes Oberösterreich erbrachte in den Jahren ab 1988 insgesamt 170 Ortsaufnahmen in Oberösterreich und in den angrenzenden Gebieten Nieder- und Oberbayerns, Salzburgs, der Steiermark, Niederösterreichs und Südböhmens, dazu in von Oberösterreich aus besiedelten Dörfern in Rumänien (Siebenbürgen) und in der Ukraine (Karpato-Ukraine). Zusammen mit schon früher von der Universität Wien aus durchgeführten Aufnahmen vor allem in Salzburg und unter Einbeziehung von insgesamt 33 Aufnahmen, die innerhalb der Schwesterunternehmen Sprachatlas von Niederbayern (SNIB) und Sprachatlas von Oberbayern (SOB) gemacht und dem SAO zur Verfügung gestellt wurden, ergibt sich ein Netz von 223 Orten, deren Dialekte im oberösterreichischen Sprachatlas dargestellt werden.

Bei den einzelnen Ortsaufnahmen wurde von den Interviewern („Exploratoren“) pro Ort bei jeweils etwa fünf bis zehn Auskunftspersonen oder Informanten („Gewährspersonen“), d.h. Personen, die den bodenständigen Ortsdialekt sprechen, ein Exemplar des etwa 2000, zum Teil vielfach aufgegliederte Fragen umfassenden Fragenkatalogs („Fragebuch“) abgefragt. Die Antworten wurden handschriftlich in einer Lautschrift („Transkription“) notiert und stellen das Ausgangsmaterial für die Atlaspublikation dar. Zusätzlich zu den schriftlichen Aufnahmen wurden Tonaufnahmen erstellt, die uns bei der Bearbeitung der Daten wertvolle Dienste leisten, um Unklarheiten und Unsicherheiten in der Interpretation der Aufzeichnungen beseitigen zu können. Fehlendes und Zweifelhaftes im Material wird auch laufend durch Nacherhebungen ergänzt. Wir hängen der Idee an, einen Sprachatlas zu machen, der darstellen soll, wie die Sprachlandschaft Oberösterreich tatsächlich aussieht bzw. wie wir sie verstehen und erkennen, und sind in diesem Sinne auch bestrebt, z.B. „Exploratorengrenzen“, d.s. Grenzlinien zwischen nur scheinbar unterschiedlichen sprachlichen Formen aufgrund unterschiedlicher Transkriptionsgewohnheiten der Exploratoren, auszuschalten. Zur laufenden diesbezüglichen Verbesserung des Datenmaterials trägt auch die Tonaufnahme-Enquete OöTon bei.

Darstellung

Die grundlegende Darstellungsform, d.h. Publikation der von uns mit bestem Wissen und Gewissen interpretierten Daten, ist das SAO-Kartenwerk. Es soll in fünf Bänden eine repräsentative Auswahl aus den erhobenen Sprachdaten dokumentieren. Die Bände I und II sind der Lautgeografie gewidmet, Band III der Grammatik, die Bände IV und V der Wortgeografie.

Es liegt in der Natur der Sache, dass nur geografisch relevante, also innerhalb des Bearbeitungsgebietes sich voneinander unterscheidende, unterschiedliche Räume bildende Erscheinungen kartografisch dargestellt werden. Eine ergänzende und umfassende Darstellung aller lautlichen, grammatischen und lexikalischen Entwicklungen inklusive jener, die im ganzen Raume einheitlich sind, sollen Begleitbände zu den Kartenbänden enthalten. Bis zum Erscheinen dieser Begleitbände dienen ausführliche Begleitschreiben, die die Bezieher und Bezieherinnen des Atlasses mit jeder Lieferung erhalten, zur ersten fachlichen und sachlichen Kommentierung der Sprachkarten.

Die Einzelkarten bestehen aus der eigentlichen Sprachkarte und der Legende, wobei die Karte eine Symbolkarte ist, d.h. , dass sprachliche Formen durch auf den Ortspunkten platzierte Symbole wiedergegeben werden und diese Symbole im Idealfall klar erkennbare Flächen bzw. Verbreitungsgebiete der unterschiedlichen sprachlichen Formen ergeben. Die Symbole sind in der Legende erklärt, wobei – im Falle der Lautkarten – dort die entsprechenden Lautungen in Lautschrift angegeben sind. Diese Lautschrift richtig lesen zu können bedarf natürlich weiterer Erläuterungen. Der Einführungsband zum Gesamtwerk, der 2020 erscheint, wird solche enthalten. Ab diesem Zeitpunkt wird auch hier eine eigene Seite zur Transkription des SAO zu finden sein, verbunden mit Ton-Files, auf denen die wichtigsten lautlichen Beispiele aufgesprochen sind, so dass Benutzer und Benutzerinnen des SAO-Kartenwerkes dann – in Verbindung mit dem Einführungsband – die entsprechenden lautlichen Eindrücke zu „offenem“ und „geschlossenem“ e, zu „zentralisiertem“ ou usw. gewinnen können.

Als Abschluss des Gesamtwerkes ist nach fünf Kartenbänden mit Begleitbänden und Einführungsband ein zusammenfassender Band zur Dialektgeografie Oberösterreichs und seiner Nachbarregionen vorgesehen, der die zuvor auf etwa 1000 Karten präsentierten Sprachdaten und die nicht kartografisch dargestellten sprachlichen Gegebenheiten in allgemein verständlicher Weise erläutern soll. Das Gesamtwerk SAO sollte im Jahr 2022 fertiggestellt sein.

Der SAO kann direkt beim Adalbert-Stifter-Institut bestellt werden. Er kostet € 20,– pro Kartenlieferung. Einführungsband, Begleitbände und Abschlussband sind für die Bezieher des Kartenwerks kostenlos bzw. in diesem inbegriffen.