Linzer Vorträge zur deutschen Sprache (38)

DIETER W. HALWACHS: Romani: eine indoarische Sprache Europas

Romani – im Deutschen häufiger Romanes – ist die Sprache der Roma, Sinti, Calê und anderer Bevölkerungsgruppen, die pejorativ als Zigeuner bezeichnet werden und seit dem Mittelalter in Europa leben. In Österreich ist das Romani in mehreren Dialekten präsent, die zusammen mit denen benachbarter Länder im Rahmen des seit Anfang der 1990er Jahre laufenden [romani] PROJEKTS an der Karl Franzens Universität Graz dokumentiert werden.

Das Romani ist ein heterogener, durch verschiedenste Kontaktsprachen geprägter – erwachsene Roma sind immer mehrsprachig – Dialektcluster ohne homogenisierenden Standard, hat aber auch einen gemeinsamen Kern, der SprecherInnen unterschiedlicher Dialekte oft zumindest rudimentäre Verständigung erlaubt. Grund hierfür sind gemeinsame Strukturen und ein Basisvokabular, das sich aus Wörtern des Indoarischen, Iranischen, Armenischen und Byzantinisch-Griechischen zusammensetzt. Der Vortrag präsentiert das Romani sowohl strukturell als auch sozio-historisch/kulturell/politisch als einzige indoarische und vermutlich auch zahlenmäßig größte Minderheitensprache Europas.

DIETER W. HALWACHS, Soziolinguist an der Universität Graz; Leiter des Forschungsbereichs Plurilingualismus am treffpunkt sprachen/ Zentrum für Sprache, Plurilingualismus und Fachdidaktik; der Forschungsbereich versteht sich als gesellschaftspolitisches Projekt auf soziolinguistischer Basis mit dem Ziel sozialen Zusammenhalt und Menschenrechte durch eine Politik der Pluralität zu ermöglichen; Expertentätigkeit für Europarat, Europäische Union, UNESCO; Koordinator diverser Projekte zu Minderheitensprachen, in erster Linie zum Romani, und vor allem urbaner  Mehrsprachigkeit; Forschungsinteressen: Sprachpolitik, Minderheitenlinguistik, bedrohte Sprachen, Sprachkontakt, ...