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StifterHaus außer Haus im Musikpavillon

TANJA MALJARTSCHUK: Blauwal der Erinnerung. Roman

Lesung und Gespräch mit der Autorin

Moderation: STEFAN GMÜNDER

Musikpavillon im Donaupark, Nähe Brucknerhaus

TANJA MALJARTSCHUK, 1983 in Iwano-Frankiwsk, Ukraine, geboren, studierte Philologie an der Universität Iwano-Frankiwsk und arbeitete nach dem Studium als Journalistin in Kiew. 2009 erschien auf Deutsch ihr Erzählband „Neunprozentiger Haushaltsessig“, 2013 ihr Roman „Biografie eines zufälligen Wunders“, 2014 „Von Hasen und anderen Europäern“, 2019 ihr Roman „Blauwal der Erinnerung“. 2018 erhielt Tanja Maljartschuk den Ingeborg-Bachmann-Preis. Die Autorin schreibt regelmäßig Kolumnen und lebt in Wien.

Zum Buch:
Der Roman der Bachmann-Preisträgerin Tanja Maljartschuk handelt vom vergessenen ukrainischen Volkshelden Wjatscheslaw Lypynskyj, dessen Leben auf kunstvolle Weise mit dem der Ich-Erzählerin verknüpft wird: Sie sucht in dessen Vergangenheit nach Spuren, um besser mit ihrer eigenen Gegenwart zurechtzukommen. Eine Frau leidet, nach unglücklichen Beziehungen aus der Bahn geworfen, unter Panikattacken und verlässt monatelang
die Wohnung nicht. Sie findet Orientierung und Halt in einer historischen Figur, die für die Geschichte der Ukraine eine große Rolle spielte: Wjatscheslaw Lypynskyj. Der leidenschaftliche Geschichtsphilosoph und Politiker entstammte einer polnischen Adelsfamilie, die in der Westukraine lebte. Schon früh identifizierte er sich mit der Ukraine und bestand auf der ukrainischen Form seines Namens. Nach dem Studium befasste er sich politisch und historisch mit dem zwischen Polen und Russland zerrissenen Land und forderte wie besessen seine staatliche Unabhängigkeit. Ein Kampf, der ihn durch verschiedene Länder führte und persönliche Opfer kostete. Ähnlich kränklich wie diese historische Figur und – wie er – auf der Suche nach Zugehörigkeit, folgt die Erzählerin diesem stolzen, kompromisslosen, hypochondrischen Mann, um durch die Erinnerung dersowjetischen Entwurzelung zu trotzen. (Verlagstext)

STEFAN GMÜNDER, geboren 1965 in Bern, Literaturkritiker und Autor. Seit 1996 Literaturredakteur der österreichischen Tageszeitung „Der Standard“, seit 2021 Redakteur der Literaturzeitschrift „Volltext“. 2021 Staatspreis für Literaturkritik.