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Drucker in Linz

Die Anfänge des Buchdrucks in Linz liegen im frühen 17. Jh. als Johann Planck 1615 eine erste Druckerei einrichtete. Sein Wirken und jenes seiner unmittelbaren Nachfolger überschatteten schwierige finanzielle Umstände. Erst ab dem letzten Drittel des 17. Jhs. florierte das Druckgeschäft in Linz unter Caspar Freyschmid, während dessen Tätigkeit auch zwei weitere, gegeneinander konkurrierende Druckereien in Linz eröffnet wurden.

1615 bekam Linz mit der Einrichtung der Druckerei von Johann Planck als letzte der Hauptstädte der österreichischen Erblande eine Offizin (dies der historische Begriff für die Druckwerkstatt). Planck, der in Erfurt "die löbliche freye Truckherey khunst erlernet" hatte, kam - wohl auf Initiative von Johannes Kepler - in die Stadt, zu Recht vermutend, dass in "Linz ein Truckherey wol zu gebrauchen wehre". Die Stände erteilten ihm eine Druckereikonzession und bald darauf auch das Recht, im Landhaus eine Buchhandlung einzurichten. Planck wirkte in der Stadt von 1615 bis 1627, aus seiner Offizin in der Lederergasse sind 72 Drucke belegt, darunter das erste in Linz gedruckte Buch überhaupt, Keplers Nova stereometria doliorum vinariorum. Kepler und Hieronymus Megiser gaben die Drucklegung von mehreren Werken bei Planck in Auftrag, dennoch war er genötigt, immer wieder Darlehen aufzunehmen. Nach einem Offizinbrand in Zusammenhang mit dem Bauernkrieg 1626, bei dem der "Druck zerstöhret worden" war, verließ Planck im darauf folgenden Jahr Linz.

Auch die unmittelbaren Nachfolger von Planck hatten mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen: Zunächst ging 1628-34 der Bayer Crispinus Voytlender der Druckkunst in beständigen finanziellen Nöten nach; seine Stellung als Landschaftsbuchdrucker übernahm 1634-38 Johann Paltauf, der seinerseits so große Schulden anhäufte, dass seine Druckerei zeitweise beschlagnahmt wurde. Er focht 1637 einen gerichtlichen Streit mit dem Welser Drucker Gregor Kürner aus, welcher die Arretierung Paltaufs forderte. Da die Stände mit Paltauf unzufrieden waren, übertrugen sie per Bescheid die Stellung des Landschaftsbuchdruckers auf Gregor Kürner, der das Amt von 1638 bis zu seinem Tod 1641 ausübte. Nach seinem Tod übernahm seine Frau Maria Kürner die Offizin und leitete diese über acht Jahre (1641-49). Obgleich sie ohne Bestallung als Landschaftsdruckerin tätig war, bekam sie von den Ständen eine regelmäßige jährliche Rekompens, die ihr auch ermöglichte, ihre sechs Kinder zu versorgen. Nach ihrem Tod 1649 konnte ihr Sohn Ulrich die Offizin übernehmen, die er bis 1670 führte. Ihm wurde als erstem Linzer Landschaftsdrucker seit 1662 eine ständige Bestallung bewilligt. Als Ulrich Kürner starb, übernahm - wie schon eine Generation zuvor - auch hier die Ehefrau die Geschäfte: Maria Elisabeth Kürner leitete die Offizin, bis sie im folgenden Jahr 1671 den bekannten Drucker Kaspar Freyschmid ehelichte, der zuvor in Jena, Weimar und Rudolfstadt tätig gewesen war. Freyschmid führte die Druckerei äußerst erfolgreich für 37 Jahre bis 1708 und war für einige Jahre auch bestallter Landschaftsbuchdrucker. Das von ihm begonnene Geschäftsbuch der Druckerei - das Register der getruckten Sachen - verzeichnet Aufträge über sieben Generationen von 1688 bis 1872 und bildet damit die umfangreichste Wissensquelle zum Linzer Druckwesen.

Neben der von Freyschmid geführten Offizin existierte in Linz seit 1674 eine zweite Druckerei als Konkurrenzunternehmen, die von Johann Jakob Mayr begründet wurde. Der aus Kempten stammende Mayr bekam um 1680 die Funktion des Landschaftsdruckers übertragen. Eine dritte Druckerei wurde 1701 vom Steyrer Franz Zachäus Auinger eröffnet, der gleichzeitig auch das Recht erwarb, die Linzer Zeitung zu drucken.
Während die Mayrsche Druckerei zunächst Johann Rädlmayr (1683-1720) übernahm, gefolgt von Johann Michael Feichtinger (1721-68), Maria Katharina Feichtinger (1768-93) und Josef Feichtinger (1793-1815), wurde die Kürner-Freyschmidsche Offizin von Kaspar Leidenmayr (1709-45), Johann Michael Pramsteidl (1745-90), Ignaz Ziernwald (1790-1819), Johann Huemer (1819-45) und Franziska Huemer (seit 1845, ab 1856 gemeinsam mit Hermann Danner) weitergeführt und 1872 vom Katholischen Preßverein der Diözese Linz erworben, welcher seinerseits 1945 in "Oberösterreichischer Landesverlag" umbenannt wurde.

Manuel Schwembacher

 

Benzing, Josef: Die Buchdrucker des 16. und 17. Jahrhunderts im deutschen Sprachgebiet. 2. verb. und erg. Aufl. Wiesbaden 1982. - Klier, Karl M.: Der graphische Schmuck der älteren Linzer Liedflugblätter. In: Historisches Jahrbuch der Stadt Linz 1959. Linz 1959, 416-430. - Krackowizer, Ferdinand: Der erste Buchdrucker Hans Planck und seine Nachfolger im XVII. Jahrhundert. Bausteine zur Kultur- und Literaturgeschichte von Österreich ob der Enns. In: Archiv für die Geschichte der Diözese Linz. III. Jg. Linz 1906, 134-189. - Lang, Helmut W.: Die Buchdrucker des 15. bis 17. Jahrhunderts in Österreich. Mit einer Bibliographie zur Geschichte des österreichischen Buchdrucks bis 1700. Bibliotheca Bibliographica Aureliana XLIII. Baden-Baden 1972. - Litschel, Rudolf Walter: Johann Planck, der erste Linzer Buchdrucker. In: Tradition als Verpflichtung. 350 Jahre Druckereigeschichte von Johann Planck zum Oberösterreichischen Landesverlag. Hg. zum 100jährigen Jubiläum des Katholischen Preßvereins der Diözese Linz. Linz 1972, 41-52. - Ders.: Die Nachfolger Johann Plancks. In: Tradition als Verpflichtung, a. a. O., 55-59. - Schiffmann, Konrad: Johannes Kepler und sein Drucker Johann Planck in Linz. In: Gutenberg-Jahrbuch 1938, 179-182. - Schmidt, Leopold: Linzer Flugblattlieder des 17. und 18. Jahrhunderts. In: Jahrbuch der Stadt Linz 1951. Linz 1952, 82-127.