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Hans Reinthaler

© Anton Reinthaler

auch: Johannes Reinthaler
Geb. 19.5.1900 in Offenhausen, OÖ; gest. 10.3.1964 in Wien.
Katholisch geprägter Lyriker, Dramatiker und Mundartdichter, der auch im Dritten Reich publizierte; nach dem Krieg Funktionär der Innviertler Künstlergilde.

Hans Reinthaler wuchs in einer Kleinbauernfamilie im Hausruckviertel auf, einer seiner Brüder war der Maler Franz Reinthaler (1901-1969). Um die Matura ablegen zu können, trat er 15-jährig als Novize in das Franziskanerkloster Pupping ein. Nach Bozen versetzt, maturierte er 1920 in italienischer Sprache, löste sich aber vom Orden und verzichtete damit auf das Philosophiestudium in Rom. Er absolvierte einen Bankkurs und fand 1922 eine Anstellung im Büro eines Linzer Kohlengroßhändlers, der ihn in seine Wiener Niederlassung übernahm, wo Reinthaler bis zu seiner Pensionierung verblieb. Nebenbei schrieb er Lyrik in heimatlicher Mundart, über Karl Mayer-Freinberg fand er Zugang zur Literaturszene.

Katholisch geprägt, trat der Autor 1934 der Vaterländischen Front bei, war 1936-38 Bundessekretär des Österreichischen Jungvolks, stellte das Liederbuch Wenn des Jungvolks Fahnen wehen (1937) zusammen, welches 1953 in der DDR verboten wurde, und edierte Das Krippenspiel (1937) in der Reihe Jungvolkspiele. Darüber hinaus veröffentlichte er Träumerlings wundersame Reise (1933) und Herz und Hoamat 1937. Die ständestaatliche Betätigung bildete im Dritten Reich kein Hindernis für seine Karriere: Für die nach einer dänischen Volkssage gestaltete dramatische Ballade Die Fremde erhielt er 1941 einen Anerkennungspreis im Rahmen des Gaukulturpreises (Uraufführung 23. März 1941 in Linz) und 1943 den mit 10.000 Reichsmark dotierten Gaukulturpreis Oberdonau. Reinthaler war Vorstandsmitglied der Wiener Anzengruber-Gesellschaft, Die Fremde fand Aufnahme in Förderungslisten des NS-Regimes. Für seine kranke Tochter entstand der bibliografisch nicht nachweisbare Lyrikband Das kleine Leben (1941, auch: Meinem Kind ein Wiegenlied). Im Jahrbuch Stillere Heimat (1943) wird der Privatdruck Ein Wiegenlied (1942) erwähnt, ferner ist hier Das Bauernspiel abgedruckt.
1941 zur Wehrmacht einberufen, stand Reinthaler bis 1945 im Kriegseinsatz. Mit einem Ausschnitt aus dem Zyklus Der unbekannte Soldat gewann er 1942 den ersten Preis in der Kategorie Gedichte eines vom Wehrkreiskommando VII ausgelobten künstlerischen Wettbewerbs; das nie aufgeführte Spiel vom unbekannten Soldaten (1951) rekurriert auf diese Vorlage. In der Nachkriegszeit schrieb er Hörspiele (u. a. Mutterlegenden 1946), publizierte u. a. Heimkehr (1946, vier Gedichte vertont von Ernst Tittel) und brachte das Legendenspiel Bauer, Tod und Teufel (vormals Das Bauernspiel) 1947 in Linz auf die Bühne. Ausgezeichnet mit der Stelzhamer-Plakette des Landes Oberösterreich, engagierte sich Reinthaler in der Innviertler Künstlergilde; kurz vor seinem Tod erschien Da Zaubabrunn (1963), postum Märzngsang. Gedichte in der Mundart des Hausruckviertels (1968).

Karin Gradwohl-Schlacher

 

Träumerlings wundersame Reise. Ein Märchen. Mit Bildern von Ernst Schwartz. Salzburg 1933. - Das Krippenspiel. Wien 1937. - Herz und Hoamat. Lieder in oberösterreichischer Mundart. Wien u. a. 1937. - Wenn des Jungvolks Fahnen wehen... Lieder der Bewegung. Wien 1937. - Die Fremde. Eine dramatische Ballade. Brünn u.a. 1941. - Ein Wiegenlied. Privatdruck 1942. - Selbstbekenntnis. In: Oberdonau 2 (1942), H. 2, 20-21. - Das Bauernspiel. Dramatische Legende. Wien 1944. - Heimkehr. Gedichte. Wien 1946. - Da Zaubabrunn. Wels 1963. - Märzngsang. Gedichte in der Mundart des Hausruckviertels. Linz 1968.

Baur, Uwe Baur; Gradwohl-Schlacher, Karin: Literatur in Österreich 1938-1945. Handbuch eines literarischen Systems. Bd. 3: Oberösterreich. Wien u.a. 2014, 342-347. - Bundesarchiv Berlin, RKK/RSK-Personalakt Hans Reinthaler. - Hauer, Johannes: Am Quell der Muttersprache. Österreichische Mundartdichtung der Gegenwart. Graz u. a. 1955. - Ders.: Die Mundartdichtung in Oberösterreich. Ein bio-bibliographischer Abriß. In: Mitteilungen der Mundartfreunde Österreichs 31 (1977) H. 3-4, 89-90- Österreichisches Staatsarchiv/Archiv der Republik, Gauakt 193.950). - Pazelt, Ulrike: Die oberösterreichischen Mundartdichter des zwanzigsten Jahrhunderts. Diss. Universität Wien 1966. - Soldat im Donauland. [Zeitschrift.] Hg. unter Mitwirkung des Wehrkreiskommandos VII. Berlin Juni 1942. - Stillere Heimat. Jahrbuch der Gauhauptstadt Linz. Wien u. a. 1941-1944. - Strallhofer-Mitterbauer, Helga: NS-Literaturpreise für österreichische Autoren. Eine Dokumentation. Wien u. a. 1994. - Tinhof, Julia: "Ihr Jungen schließt die Reihen gut, ein Toter führt uns an". Propaganda im Austrofaschismus. Schwerpunktthema: Kinder und Jugendliche. Dipl.-Arb. Universität Wien 2009.