Karl Emmerich Baumgärtel

Geb. 18.1.1889 in Mauer bei Wien; gest. 27.8.1958 in Linz.
Zunächst sozialdemokratisch, dann nationalsozialistisch engagierter Journalist und Lyriker.

Baumgärtels Vater war Beamter der Staatsbahndirektion Linz, seine Mutter stammte aus dem Innviertel. Nach der Matura am Linzer Staatsgymnasium studierte er Philosophie in Graz (Zur Psychologie des Glaubens, 1910), 1910-14 folgte ein Jus-Studium in Wien (ohne Abschluss). Zu Beginn des Ersten Weltkrieges wieder in Linz, stand er von November 1917 bis Ende 1918 im Kriegseinsatz. Beeinflusst von seinem Bruder Emil (1885-1939), einem nachmaligen Politiker, schloss er sich der Sozialdemokratischen Partei an und war 1918/19 im Linzer Garnisonsoldatenrat aktiv. 1920-25 beim österreichischen Bundesheer, danach im Magistrat Linz, ab 1927 freier Schriftsteller (u. a. Harah, 1929, Das Mitleidspiel, 1933) und Beiträger für verschiedene Printmedien.

Literarische Anfänge datieren aus der Schulzeit (Das Spiel vom alten und vom jungen Jahr 1905/06), in Leipzig erschienen die Gedichte Korona MCMXIII (1916) sowie Naturmärchen (1917). In der Folge entstanden u. a. Post festum (1919), Die frühen Lieder (1921) und Sommer (1925); weitgehend autobiografisch sind Die Gedichte eines Knaben (1926) und Lieder eines Arbeitslosen (1927). In der lokalen Literaturszene kaum beachtet, erhielt er 1921 in Berlin den Lyrikpreis des Bundes für freie Kunst. Nach einem kurzen Intermezzo in Wien fungierte er in den 1930er-Jahren als Oberösterreich-Korrespondent der Wiener Neuesten Nachrichten, um 1933 schloss er sich dem einflussreichen Nationalsozialisten Anton Fellner an. In dessen Windschatten machte er nach dem "Anschluss" 1938 Karriere im Pressebereich, avancierte zum Hauptstellenleiter im Gaupresseamt und war u. a. maßgeblich verantwortlich für die amtliche Tageszeitung Volksstimme (ab 1943 Oberdonau-Zeitung); 1943 übernahm er zusätzlich die Stelle des Pressereferenten im Reichspropagandaamt.
1938-45 veröffentlichte Baumgärtel, mittlerweile NSDAP-Mitglied, im Jahrbuch Stillere Heimat und in der Zeitschrift Oberdonau Lyrik, u. a. das Führergedicht Kindheit in Braunau am Inn, sowie Bekenntnis 1943 und den Zyklus Maja. Darüber hinaus spezialisierte er sich auf kunsthistorische Artikel wie z. B. Künstler sehen die Heimat des Führers. 1943 erhielt er den mit 1000 RM dotierten Kulturpreis der Stadt Linz.
Nach dem Krieg verhaftet und angeklagt, im August 1947 entlassen, wurde Baumgärtel im Jänner 1952 endgültig freigesprochen. Er konnte aber nicht mehr wirklich Fuß fassen, wurde delogiert und lebte bis zu seinem Todin einer Baracke beim alten Linzer Hafen. Für Das goldene Jahr (1952) erhielt er 1953 - unter geänderten politischen Vorzeichen - abermals den Kulturpreis der Stadt Linz. Die nach ihm benannte Straße in Linz-Katzbach wurde 2001 aufgrund seiner NS-Vergangenheit in Emil-Baumgärtel-Straße umbenannt.

Karin Gradwohl-Schlacher

 

Koronoa MCMXIII. Leipzig 1916. - Naturmärchen. Mit Bildern von Sepp Thalmann. Steyr 1917. - Die frühen Lieder. Linz 1921. - Sommer. Gedichte. Heilbronn/Neckar 1925. - Die Gedichte des Knaben. Heilbronn/Neckar 1926. - Gustav Streicher. 1873-1915. Linz 1926. - Lieder eines Arbeitslosen. Mit achtundzwanzig handkolor. Holzschnitten von Franz Katzer. Wien 1927. - Maja. Ein Zyklus. Wien 1943. - Winter. Ein Zyklus. o. O. 1944. - Künstler sehen die Heimat des Führers. In Kunst dem Volk. Sonderheft 20, April 1943. - Das goldene Jahr. Gedichte. Linz 1952. - Schicksalsgemeinschaft mit einer Stadt. In: Jahrbuch der Stadt Linz 1952, 545.

Baur, Uwe; Gradwohl-Schlacher, Karin: Literatur in Österreich 1938-1945. Handbuch eines literarischen Systems. Bd 3: Oberösterreich. Wien u. a. 2014, 129-135. - Bundesarchiv Berlin, NSDAP-Parteikorrespondenz (ad K. E. Baumgärtel) - Gustenau, Michaela Jutta: Die nationalsozialistische Presse und ihre Journalisten in Oberösterreich 1933-1945. Diss. Universität Wien 1990. - Klaffenböck, Arnold: Literatur im Reichsgau Oberdonau 1938-1945. In: Birgit Kirchmayr (Hg.): "Kulturhauptstadt des Führers". Kunst und Nationalsozialismus in Linz und Oberösterreich. Weitra 2008 (= Kataloge der Oberösterreichischen Landesmuseen 78), 161-184. - Österreichisches Staatsarchiv/Archiv der Republik, Gauakt 193.950) - Stillere Heimat. Jahrbuch der Gauhauptstadt Linz. Wien u. a. 1941-1944. - Strallhofer-Mitterbauer, Helga: NS-Literaturpreise für österreichische Autoren. Eine Dokumentation. Wien u. a. 1994. - Wacha, Georg: Karl Emmerich Baumgärtel (1887-1958). Ein politischer Bohemien und seine Dichtkunst. In: Oberösterreicher. Lebensbilder zur Geschichte Oberösterreichs. Hg. Oberösterreichisches Landesarchiv. Bd 8. Linz 1994, 75-88.