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Edith Kneifl

© Rainer Wölzl

Geb. am 1.1.1954 in Wels.
Als eine der erfolgreichsten Kriminalautorinnen Österreichs wurden ihre durch komplexe Spannung und präzise aufgebaute Psychologie gekennzeichneten Romane in mehrere Sprachen übersetzt.

Edith Kneifl ist in Lenzing aufgewachsen. Nach der Matura in Vöcklabruck studierte sie ab 1973 in Wien Psychologie und Ethnologie und promovierte 1980. Ein Jahr lang arbeitete sie bei der interministeriellen Arbeitsgruppe zur Behandlung frauenspezifischer Angelegenheiten im Bereich des Unterrichtswesens, engagierte sich als Organisatorin bei "Künstler für den Frieden" und war im Österreichischen Dokumentations- und Informationszentrum journalistisch tätig. Seit 1986 lebt sie als Psychoanalytikerin und Kriminalautorin in Wien. Sie ist u. a. Mitglied der "Autorengruppe deutschsprachiger Kriminalliteratur - Das Syndikat."
Nach Veröffentlichungen in Anthologien publizierte Kneifl 1991 ihren ersten Kriminalroman Zwischen zwei Nächten. Dieses Debut wurde als bester deutschsprachiger Krimi des Jahres mit dem Friedrich-Glauser-Preis 1992 ausgezeichnet. Erstmals wurde dabei ein Buch aus Österreich bedacht, und mit Kneifl zum ersten Mal einer Frau dieser Preis zuerkannt. Kneifl veröffentlichte bisher fünfzehn Kriminalromane, ist in einigen Frauen-Kriminalanthologien vertreten und verfasste rund sechzig Erzählungen, Essays und Hörbücher sowie zwei Drehbücher für Film und Fernsehen.

Kneifl ignoriert die tradierten Regeln, die man als Kriminalautorin angeblich zu beachten habe, bewusst. Sie stellt vielmehr ihre eigenen Gesetze auf und lässt bisweilen Geschehnisse unaufgeklärt im Raum stehen. Ihre Protagonistinnen sind kämpferisch, emanzipiert und versuchen aus ihrer jeweiligen Situation auszubrechen. Ihre in der Regel weiblichen Hauptfiguren sind keine Heldinnen, die Autorin lässt ihre weiblichen Charaktere zumeist scheitern und begleitet sie auf diesem Weg mit viel Sympathie und Humor. In ihren Kriminalromanen verfolgt Kneifl unter anderem die Intention, sich am Puls der Zeit zu bewegen, Themen aufzugreifen, die sie als aktuell betrachtet; so etwa webt sie in ihre Handlungen Beziehungskonstellationen oder den schleichenden Alkoholismus ein, ohne diese Bereiche jedoch vordergründig zu thematisieren.
Die Schauplätze ihrer Bücher sind breit gefächert, einmal wählte sie bisher ihre oberösterreichische Heimat als Kulisse eines Romans: In Glücklich, wer vergisst (2009) lässt sie ihre Figuren rund um den Attersee ihr Unwesen treiben und konfrontiert ihre LeserInnen in der idyllischen Landschaft mit unerwarteten Abgründen. 

Auszeichnungen u. a.: Theodor-Körner-Preis für Literatur 1988, Friedrich-Glauser-Preis 1992, Romy für den besten Fernsehfilm des Jahres Taxi für eine Leiche (nach Edith Kneifls Roman Ende der Vorstellung) 2003.

Silvana Steinbacher

 

Zwischen zwei Nächten. Roman. Wien 1991. - Tatort Couch. In: Nina Schindker (Hg.): Das Mordsbuch. Berlin 1997. - Allein in der Nacht. Roman. München 1999. - Siesta. Erzählung. In: Petra Neumann (Hg.): Magie des Augenblicks. München 1999. - [zus. mit Milan Dor:] Triestiner Morgen. Drehbuch. Wien 1999/2000. - Kinder der Medusa. Roman. München 2004. - Geheimes Venedig. Roman. Salzburg 2007. - Der Tod ist eine Wienerin. Hörbuch. Hamburg 2007. - Gnadenlos. 21 Kriminalgeschichten. Wien 2008. - Glücklich, wer vergisst. Roman. Innsbruck 2009. - Schön tot. Roman. Innsbruck 2010. - Stadt der Schmerzen. Ein Florenz-Krimi. Innsbruck 2011. - Tatort Kaffeehaus. 13 Kriminalgeschichten aus Wien. Hg. von Edith Kneifl. Wien 2011. - Tatort Beisl. 13 Kriminalgeschichten aus Wien. Hg. von Edith Kneifl. Wien 2011. - Zwischen zwei Nächten. Kriminalroman. Innsbruck 2011. - Der Tod fährt Riesenrad. Ein historischer Wien-Krimi. Innsbruck 2012. - Tatort Würstelstand. 13 Kriminalgeschichten aus Wien. Hg. von Edith Kneifl. Wien 2013. - Blutiger Sand. Kriminalroman. Innsbruck 2013. - (Gemeins. mit Stefan M. Gergely:) Satansbraut. Ein Waldviertel-Krimi. Innsbruck 2014. - Endstation Donau. Ein Wien-Krimi. Innsbruck, Wien 2014. - Totentanz im Stephansdom. Innsbruck 2015. - Taxi für eine Leiche. Ein Wien-Krimi. Innsbruck, Wien 2015. - Tot bist du mir lieber. Die Drei vom Naschmarkt ermitteln. Innsbruck 2016. - Tatort Hofburg. 13 Kriminalgeschichten aus Wien. Hg. von Edith Kneifl. Wien 2016.

Agazzi, Elena: Psychologie und Verbrechen. Der Begriff der ‚schwarzen Seele‛ in Edith Kneifl's Krimis. In: Sandro M. Moraldo (Hg.): Mord als kreativer Prozeß - Zum Kriminalroman der Gegenwart in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Heidelberg 2005. - Saletta, Ester: Topographie und Topologie in Edith Kneifls Kriminalromanen. [Vortrag an der Universität Trento 19.5.2011]. - Steinbacher, Silvana: Am Computer morde ich wild drauflos. Edith Kneifl über scheiternde Heldinnen, die Verweigerung von Standards und die herausfordernde Fauna im Salzkammergut. In: Dies.: Zaungast. Begegnungen mit oberösterreichischen Autorinnen und Autoren. Klagenfurt 2008, 262-275.