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Egmont Colerus

Foto: © ÖNB Wien

auch: Egmont Colerus von Geldern
Geb. 12.5.1888 in Linz; gest. 8.4.1939 in Wien.
Der Beamte war als Autor von Gesellschaftsromanen, historisch-biografischen Stoffen und Sachbüchern tätig.

Als Sohn von Sophie (geb. Reyl-Hanisch) und des k.u.k.-Offiziers Egmond Colerus von Geldern, dessen Vorfahren aus Livland (Lettland) stammten, wuchs Egmont Colerus die ersten vier Lebensjahre in der Mozartstraße 21 in Linz auf. Nachdem sein Vater den Dienstort wechselte, besuchte er die Volksschule in Preßburg und das Piaristengymnasium in Krems. Nach der Matura 1906 übersiedelte die Familie nach Wien, wo Colerus - entgegen seinem ursprünglichen Wunsch, Schiffsbauingenieur zu werden - Jus studierte und 1912 in den Staatsdienst trat. 1915 erfolgte die Einberufung zum Landsturm, wenig später zog er sich eine lebensbedrohliche Ruhr-Infektion zu, von der er sich nur langsam erholte, ehe er ab 1922 im Bundesamt für Statistik zu arbeiten begann. Seit 1917 war er mit Blanca Nagy verheiratet, mit der er eine Tochter (Monica, geb. 1930) hatte.

Colerus' erste literarische Texte entstanden bereits während des Ersten Weltkriegs, etwa die auf gesellschaftliche Fragen reflektierenden, vom Expressionismus beeinflussten Romane Antarktis (1920), Sodom (1920) und Der dritte Weg (1921). In Wieder wandert Behemoth (1924) oder Matthias Werner oder Die Zeitkrankheit (1932) setzt er sich mit aktuellen weltanschaulichen Strömungen wie Kapitalismus und Sozialismus auf psychologisierende Weise auseinander. Wiederholt stehen die Grundfragen zwischen materieller und metaphysischer Weltsicht sowie das Zusammenleben der Geschlechter im Zentrum. Der Roman Die neue Rasse (1928) etwa diagnostiziert die "furchtbare Krise der Erotik" - so die Buchankündigung des Verlags (vgl. Hainz 2009, 31) -; auch das Thema Selbstmord wird immer wieder verhandelt. "Colerus behandelte in seinen Romanen in impressionistischer, teilweise auch expressionistischer Manier vielfältige Problemstellungen der Zwischenkriegszeit, [...] wobei er den Menschen teils naiv wider die Institution gestellt zeichnet [...]." (Ebd., 30) Dass das neben seiner Tätigkeit als Beamter großteils im angesehenen Paul Zsolnay Verlag erschienene Werk zu den damals durchaus bekannteren zählte und auch übersetzt wurde, verdankte er vor allem seinen historisch-biografischen Romanen wie Pythagoras (1924), Zwei Welten. Ein Marco-Polo-Roman (1926) oder Leibniz (1934). Während seine Dramen (Politik, Uraufführung 1928 am Wiener Burgtheater; Zweikampf, Uraufführung 1935 in Bremen) nur wenig Beachtung fanden, waren seine vielfach publizierten Sachbücher, in denen er mathematisch komplexe Fragen sowie deren historische Entwicklung allgemeinverständlich behandelt, überaus erfolgreich.

Bemerkenswert ist, dass Colerus im Frühjahr 1938 - jedoch ohne Erfolg - einen ausführlichen Antrag auf Aufnahme in die NSDAP stellte und imBekenntnisbuch österreichischer Dichter vertreten war. Im Dezember 1938 erfolgte schließlich die Aufnahme in die Reichsschrifttumskammer. Ernst Fischer beschreibt seine Haltung insgesamt als "Neigung zum philosophisch-zivilisationskrit[ischen] Diskurs aus entschieden rechtskonservativer Perspektive" (Fischer 1989, 440). Colerus' Plan, sich nach seiner Pensionierung im fünfzigsten Lebensjahr ausschließlich seinem literarischen Werk zu widmen, blieb unerfüllt. Er erlag am 8. April 1939 einem Herzinfarkt.

Bernhard Judex

 

Antarktis. Roman. Leipzig u.a. 1920. - Sodom. Roman. Wien 1920. - Der dritte Weg. Roman. Leipzig u.a. 1921. - Weiße Magier. Roman. Wien 1922. - Wieder wandert Behemoth. Roman einer Spätzeit. Berlin u.a. 1924. - Pythagoras. Roman. Berlin u.a. 1924. - Zwei Welten. Ein Marco Polo Roman. Berlin u.a. 1926. (auch: Marco Polo. Der Roman zweier Welten. Wien o.J.)- Tiberius auf Capri. Wien, Leipzig 1927. - Politik. Drama in sechs Bildern. Berlin u.a. 1927. - Die neue Rasse. Roman. Berlin u.a. 1928. - Kaufherr und Krämer. Roman. Berlin u.a. 1929. - Tiberius und Sejan. Schauspiel. Berlin u.a. 1930. - Matthias Werner oder Die Zeitkrankheit. Roman. Berlin u.a. 1932. - Leibniz. Der Lebensroman eines weltumspannenden Geistes. Berlin u.a. 1934. - Vom Einmaleins zum Integral. Mathematik für Jedermann. Berlin u.a. 1934. - Vom Punkt zur vierten Dimension. Geometrie für Jedermann. Berlin u.a. 1935. - Zweikampf. Schauspiel in drei Aufzügen und sechs Bildern. Wien 1935. - Von Pythagoras bis Hilbert. Geschichte der Mathematik. Berlin u.a. 1936. - Geheimnis um Casanova. Berlin u.a. 1936. - Archimedes in Alexandrien. Erzählung. Berlin u.a. 1939.

Colerus, Blanca: Egmont Colerus. Schriftsteller, Humanist, Mathematiker. Bearb. u. erg. Von Monica Skidelsyk-Colerus. Linz 2006. - Fischer, Ernst: Colerus (von Geldern), Egmont. In: Literaturlexikon. Autoren und Werke in deutscher Sprache. Hg. von Walther Killy. Gütersloh, München 1989, Bd. 2, 439-440. - Hainz, Martin A.: Maß, nicht Mittelmaß. Zum 120. Geburtstag von Egmont Colerus von Geldern. In: praesent. das österreichische literaturjahrbuch 2009, 27-36. - Höfer, Walter: Visionen vom anderen Planeten. Vor 50 Jahren starb der erfolgsautor Egmont Colerus. In: Oberösterreichische Nachrichten, Beil. Magazin, S. IV, 8.4.1989. - Des.: Ein vielseitiges Vermächtnis. In: Oberösterreichische Nachrichten, Beil. "Was ist los?", 3.-9.6.2006. - Pichler, Franz: Mathematik als Kulturbeitrag: zum Andenken an Egmont Colerus. In: Kepler-Symposium Philosophie und Geschichte der Mathematik, 1995-2005. Hg. von Jürgen Maaß. Linz 2005, 179-186. - Schmidt, Adalbert: Egmont Colerus. Zur Erinnerung an seinen 100. Geburtstag. In: Vierteljahresschrift des Adalbert-Stifter-Instituts des Landes Oberösterreich 37 (1988), Folge 1/2, 89-95.