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Erna Blaas

© Adalbert-Stifter-Institut / StifterHaus

Geb. 19.2.1895 in Kirchdorf an der Krems (OÖ), gest. 8.9.1990 in Salzburg.
Die Lyrikerin äußerte sich bereits in den 1930er-Jahren positiv zum Nationalsozialismus, fand im Dritten Reich Anerkennung und publizierte auch nach 1945 erfolgreich weiter.

Als Tochter des Baumeisters Ignaz Schrems und seiner Frau Cäcilia (geb. Diensthuber) begann Blaas ihre schriftstellerische Laufbahn nach dem Ersten Weltkrieg, als sie mit heimatlichen Versen, Prosaskizzen und Aufsätzen in Erscheinung trat. Zeitlebens sah sie sich in erster Linie als Lyrikerin. Als Entdecker und Förderer ihrer poetischen Ader nannte sie Franz Karl Ginzkey, dem sie sich ähnlich wie Arthur Fischer-Colbrie oder Hans von Hammerstein-Equord (1881-1947) verbunden fühlte.
Nach ihrer Ausbildung, zuletzt an der Staatlichen Lehrerinnenbildungsanstalt in Linz, unterrichtete sie 1914 einige Monate als Volksschullehrerin in Burgkirchen, ehe sie 1915 den in Mauerkirchen tätigen Gemeindearzt und Privatgelehrten Erich Blaas heiratete. Nach dessen frühen Tod übersiedelte Blaas 1928 mit ihren drei Kindern nach Salzburg. 1930 erschien der erste Lyrikband Das Leben und der Tod, wo sie ihr familiäres Schicksal reflektiert.

Während der 1930er und 40er Jahre veröffentlichte Blaas eine Vielzahl an Gedichten, in denen sie sich als Anhängerin der Nationalsozialisten zu erkennen gab und deren Ideologie propagierte. Blaas gehörte dem "Bund deutscher Schriftsteller Österreichs" an, trat 1938 der NSDAP bei und wurde Mitglied der Reichsschrifttumskammer. Ihre Lyrik erschien in maßgeblichen Anthologien der NS-Zeit: 1938 im Bekenntnisbuch österreichischer Dichter und Ginzkeys Gesängen der Ostmark, 1939 in Ostmark-Lyrik und Heinz Kindermanns Heimkehr ins Reich. Großdeutsche Dichtung aus Ostmark und Sudetenland 1866-1938. Noch lange vor dem "Anschluss" druckte die Zeitschrift Das Innere Reich Verse von Blaas ab, ab 1940 auch das literarische Jahrbuch der Gauhauptstadt Linz Stillere Heimat. Die Kulturzeitschrift Oberdonau des Gauleiters August Eigruber rückte 1941 in ihrer ersten Ausgabe Blaas‘ Gedicht Der Führer ein, das Hitlers Hegemonialanspruch und politische Mission herausstreicht.

Nach kurzer Unterbrechung und dem Verbot ihrer Werke nach dem Zweiten Weltkrieg konnte Blaas ihre dichterische Tätigkeit fortsetzen, indem sie sich weltanschaulich, thematisch und ästhetisch der vorherrschenden konservativen Leitkultur unterordnete. Dass die von ihr selbst beförderte Rehabilitierung und Reintegration in den heimischen Literaturbetrieb erfolgreich war, zeigen die öffentliche Anerkennung und mehrere Auszeichnungen, darunter der Georg-Trakl-Preis für Lyrik (1957) sowie der Adalbert-Stifter-Preis für Literatur (1969).

Arnold Klaffenböck

 

Das Leben und der Tod. Gedichte. München 1930. - Die Liebenden. Gedichte. Hamburg 1942. - Rühmung und Klage. Neue Gedichte. Berlin 1944. - Die Balladen der Rauhnacht. Märchen, Sagen, Legenden und Begebenheiten. Berlin 1944. - Abendliche Flöte. Gedichte. Linz 1955. - Der Garten Mirabell. Salzburg 1960. - Durch Bild und Zeichen. Gedichte. Wien 1961. - Schattenlicht. Neue Gedichte. Wien 1969.

Fischer-Colbrie, Arthur: Lied überm Land. Zum 70. Geburtstag der Dichterin Erna Blaas. In: Oberösterreichischer Kulturbericht 19 (1965), Folge 16, H. 2. - Kerschbaumer, Gert: Faszination Drittes Reich. Kunst und Alltag der Kulturmetropole Salzburg. Salzburg o. J. [1988]. - Kerschbaumer, Gert; Müller, Karl: Zur gefälschten Biographie der Erna Blaas. In: Salzburger Fenster, 14.3.1990. - Klaffenböck, Arnold: Literatur im Reichsgau Oberdonau 1938-1945. In: Birgit Kirchmayr (Hg.): "Kulturhauptstadt des Führers". Kunst und Nationalsozialismus in Linz und Oberösterreich. Weitra 2008, 161-184. - Müller, Karl: Die Bannung der Unordnung. Zur Kontinuität der österreichischen Literatur seit den dreißiger Jahren. In: Friedrich Stadler (Hg.): Kontinuität und Bruch 1938-1945-1955. Beiträge zur österreichischen Kultur. Wien 1988, 181-216.