FALKNER

© Mounir Zerouati

(d.i. Michaela Falkner)
Geb. 18.4.1970 in Kollerschlag, OÖ.
Hat sich mit einer Mischung aus konzeptueller und sprachkritischer Literatur sowie (literarischer) Performancekunst eine eigenständige Position innerhalb der österreichischen Gegenwartsliteratur erarbeitet. In ihren Prosatexten, Manifesten und Hörspielen thematisiert sie die Entstehung und das Wesen von Gewalt.

Die in Wien lebende Autorin promovierte an der Universität Wien in politischer Psychologie. In ihrer Dissertation über Verbale Konstrukte von Wählern zu Politikern und Parteien (2002)orientiert sie sich an George A. Kellys Theorie der persönlichen Konstrukte. Der theoretischen Auseinandersetzung mit Sprache folgt die literarische: FALKNERs Prosadebüt A Fucking Masterpiece (2005) ist eine Collage aus massenmedialem Sprachmaterial, das die extreme Außenorientierung einer narzisstischen Künstlerin zum Ausdruck bringt und deren monströses Wesen entlarvt. In Falkner II (2006) werden Gewaltanwendungen an Mensch und Tier mit eiskaltem Blick unter die Lupe genommen.
Die beiden folgenden Prosatexte weisen einen höheren Grad an literarischer Überformung der sprachlichen Fundstücke auf und zeigen eine radikale Verengung der Perspektive auf Opfer, die zu Tätern werden: Kaltschweißattacken (2009) beschreibt das Kippen einer asymmetrischen Liebesbeziehung in ein Horrorszenario der Gewalt. Der Roman Du blutest, du blutest (2011) zeigt die Initiation eines Zwölfjährigen in die ausweglose Gewaltlogik einer Bürgerkriegsgesellschaft: Er wird Kindersoldat.

Ihre beruflichen Erfahrungen im Theaterbereich (Regie, Dramaturgie) nützt FALKNER für die performative Verkündigung ihrer Manifeste, in denen sie ihr Selbst als "Fleisch gewordenes Wort" installiert bzw. für deren Hörspiel-Inszenierung als "Wort gewordenes Fleisch". Die in der Gewalt gebundene Energie soll in den Rhythmus und Duktus der Sprache übergeführt werden, um sich in einer Sehnsuchtsformel davon zu befreien. Wenn die Welt auch als Kriegsschauplatz empfunden wird - die Manifeste dienen dazu, zu zerstören, um alles nach eigenen Vorstellungen neu aufbauen zu können. So blitzen hinter dem dominierenden Thema der Gewalt durchaus Momente der Sehnsucht und positiven Utopie auf.
2008 erhielt FALKNER den 2. Preis des Floriana-Literaturpreises; von 2008 bis 2010 lehrte sie an der schule für dichtung/vienna poetry school in Wien. Für ihr Manifest 44 / DER SCHWARZE TRAUERZUG, AMSEL, DROSSEL, FINK UND STAR, DER RABE, DER RABE, DER UHU, DER UHU wurde sie 2014 mit dem "Ö1-Hörspielpreis der Kritik" ausgezeichnet. 2015 nahm FALKNER an den Tagen der deutschsprachigen Literatur (Ingeborg Bachmann-Preis) teil.

Alexandra Millner

 

Vom Reden über ... Verbale Konstrukte von Wählern zu Politikern und Parteien. Ein alternativer Ansatz zur Wählerforschung. Bd. 1. Wien 2002. - A Fucking Masterpiece. Wien 2005. - Falkner II - eine Moritat in siebzehn Bildern. Wien 2006. - Kaltschweißattacken. Requiem für/for Euphorie aufgeschlagene Knie. St. Pölten, Salzburg 2009. - Du blutest, du blutest. St. Pölten, Salzburg 2011. - Sprache Töne Bilder (Transmediale). Bedingungen und Chancen der Arbeit mit transmedialen Formen für Studierende. Orhan Kipcak, Michael Lentz, Christian Ide Hintze, Michaela Falkner. In: kolik spezial (2012): Die Praxis des Schreibens, 87-107. - Manifest 38 / NUR DIE SEKUNDE ODER ZWEI, die einer braucht um nicht aufzugeben, um "Lügner, Lügner, Lügner" zu brüllen sobald sie wieder auftauchen. Hörspiel für den WDR3 (Text, Regie, Sprecherin; US 1.9.2012). - Manifest 42 / HERZEN RAUBEN, WO DIE LIEBE AUSREICHEN WÜRDE. Hörspiel für den WDR3 (Text und Regie; US 22.3.2014). - Manifest 44 / DER SCHWARZE TRAUERZUG, AMSEL, DROSSEL, FINK UND STAR, DER RABE, DER RABE, DER UHU, DER UHU. Hörspiel für Ö1 (Text und Regie, US 13.5.2014). - Manifest 49 / DRAUSSEN UNTER FREIEM HIMMEL. Hörspiel für den WDR3 (Text 2015). - Manifest 50 / DU DARFST MICH TÖTEN WENN DU MICH LIEBST. Hörspiel für den hr2 (Text und Regie 2016).

Millner, Alexandra: Politische Psychologie künstlerisch angewandt - zum Werk von Michaela Falkner. In: Joanna Drynda, Marta Wimmer (Hg.): Neue Stimmen aus Österreich. 11 Einblicke in die Literatur der Jahrtausendwende. Frankfurt/Main 2013, 36-50. -Zembylas, Tasos; Dürr, Claudia: Fallstudien. Der literarische Schreibprozess in actu. Michaela Falkner. In: Dies.: Wissen, Können und literarisches Schreiben. Eine Epistemologie der künstlerischen Praxis. Wien 2009, 27­-38.