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Franz Blaas

© Franz Hamminger

Geb. 8.1.1955 in Passau.
Aufgewachsen im oberösterreichischen Freinberg lebt Blaas als Zeichner und Schriftsteller in Wien.

Zu Blaas' vierzigstem Geburtstag erschien 1995 als erster und bislang letzter Roman sein voluminöses Erinnerungsbuch Omas kleine Erde. Eine Art Roman, das einsetzt mit der sensiblen Beschreibung einer Kindheit in der Provinz. Nach der Antiheimatliteratur und ihrer gnadenlosen Abrechnung mit brutalen Kindheitserfahrungen in den 1970er Jahren erzählt Blaas ohne Glorifizierung davon, dass ein Aufwachsen im ländlichen Abseits auch Reichtümer mitliefern kann, die einen für das spätere Leben mit Reserven und Energien versorgen. Die Einfachheit und Lebensklugheit seiner Großmutter, die über 100 Jahre alt geworden ist, statten den Erzähler mit einem soliden Fundament für die Bewältigung der Wechselfälle des Lebens aus.
Literarisch folgte 1998 das Opernlibretto für Peter Androschs Zeichner im Schnee - Salut für Klemens Brosch (Uraufführung am 7. Jänner 2001, Landestheater Linz). Doch der Autor des heterogenen, in seinem Ungestüm singulären Erinnerungsbuches ist vor allem als Zeichner bekannt.

Aufgewachsen ist Blaas in Freinberg, wenige Kilometer entfernt von Zwickledt, wo Alfred Kubin viele Jahre seines Lebens verbrachte. Und so ist es vielleicht kein Zufall, dass Blaas mit dunkel verschatteten, oft phantasmagorischen Zeichnungen begann. Er besuchte zunächst die Pädagogische Akademie, ab 1976 die Kunsthochschule in Linz und war hier Mitbegründer der Stadtwerkstatt Linz - auch dieser Lebensabschnitt wird in Omas kleine Erde ausführlich geschildert. 1982 ging er nach Wien, besuchte dort die Hochschule für angewandte Kunst und blieb seither - mit Ausnahme eines zweijährigen Berlin-Aufenthalts -  dem anfangs ungeliebten Wien treu. Trotzdem prägen die ländlichen Wurzeln seine Arbeiten bis heute - etwa seine umfangreiche Serie von Vogel-Zeichnungen. Auch die Serie Andere Häuser, die mehreren Ausstellungsprojekten ihren Titel gab, zeigt oft isolierte, eindeutig nicht urbane Gebäude; viele der im Bild leicht dislozierten, an den Rand gedrängten oder eher gerückten Häuschen kann man sich gut in der oberösterreichischen Provinz vorstellen.
Seit den "kubinesken" Anfängen hat sich die Welt seines Zeichenstifts zunehmend gelichtet und verdichtet, im Sinn von minimalisiert. Es sind klare, sicher skizzierende Striche, provisorisch, aber zugleich bestimmt, mit denen Blaas seine kleinformatigen poetischen Bildgeschichten erzählt; es geht dabei um Sparsamkeit, nicht um Effekt, um Vereinfachung, nicht um kompositorische oder zeichnerische Perfektion. Mit wenigen Strichen entwirft er Bildwelten und "Menschenbilder", die oft genauso ratlos wie weise in die Welt blicken und dem Betrachter dabei sanft einen Spiegel vorhalten, ohne je ans Karikaturhafte zu streifen. Aus der Bewegung des Stiftes auf dem Papier entstehen spontane Kompositionen, die in dieser Ursprünglichkeit etwas Widerständiges behaupten.
2007 hat sich Blaas auch wieder der Sprache zugewendet: drei schmale Bände mit den minimalistischen Titeln a.b, b.c und c.d verbinden sein zeichnerisches Konzept mit Aphorismen und kleinen Geschichten. Dem Zeichenstift selbst hat Blaas in einer eigenen Serie ein Denkmal gesetzt, in der das Zeichengerät Teil der Komposition ist, in diesem Zusammenhang entstand auch der Zeichentrickfilm Four songs for tiger lillies, der das rhythmische Eigenleben des zeichnenden Stiftes vorführt. Blaas beharrt auf der Zeichnung mit weichem Bleistift, Farbstiften oder auch Pastellkreiden, und das ist auch ein Beharren im Off des kommerzialisierten Kunstbetriebs. Trotzdem waren und sind seine Arbeiten immer wieder in Ausstellungen zu sehen: u. a. Neue Galerie Linz (1984, 1999), Galerie Nächst St. Stephan, Wien (1984), Musée des Beaux Arts, Luxembourg (1988), Galerie Thaddäus Ropac, Salzburg (1990), Galerie Gerersdorfer, Wien (1994, 1997, 2006), OÖ. Landesmuseum (1996, 1999, 2001), Naam Hunt Gallery, St. Louis (USA) (1996). 1995 erhielt Blaas den Karl-Rössing-Preis.

Evelyne Polt-Heinzl

 

Omas kleine Erde. Eine Art Roman. Linz 1995. - a. b. Wien 2007.  - b. c. Wien 2007. - c. d. Wien 2007. - Gedichte gipt's - too it's yourseelf. Texte und Offsetlithografie. Horn 2011.

Polt-Heinzl, Evelyne: Kubineske Phantasmen und leise Poesie. Die Bilderwelten des oberösterreichischen Schriftstellers und Zeichners Franz Blaas. In: Wiener Zeitung, 5.8.2006. - Ransmayr, Christoph: Oma, Königin der Zeit. In: Der Standard, 16.6.1995. - Schmidt-Dengler, Wendelin: Die Oma schlechthin. Über den Universalkünstler Franz Blaas und seinen Roman Omas kleine Erde. In: Profil, Nr. 41., 9.10.1995, 112-113. - Tanzer, Christian: Aus dem Leben eines Taugenichts. Franz Blaas' Oma-Roman. In: Literatur und Kritik 1996, H. 303/304, 79-80. - Zuckriegl, Margit: Franz Blaas. In: Vernissage. Magazin für aktuelles Ausstellungsgeschehen 19 (1999), H. 8, 4-7.