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Franz Friedrich Altmann

© Rainer Kocher

Geb. 25.3.1958 in Hagenberg im Mühlkreis, OÖ.
Wurde mit seinen seit 2009 erschienenen, im Mühlviertel angesiedelten Kriminalromanen einem größeren Publikum bekannt.

Altmann, in Hagenberg aufgewachsen und anschließend Schüler im Stiftsgymnasium Wilhering, arbeitete nach dem Studium in Wien als Lehrer in Wilhering, später als Journalist für die Mühlviertler Rundschau und ist mittlerweile seit fast 20 Jahren als Behindertenbetreuer in der Diakonie Gallneukirchen tätig. Er lebt in der Nähe von St. Leonhard bei Freistadt.

Seine künstlerische Karriere begann er in den 1980er-Jahren als Autor und Darsteller der Kabarettgruppe Wahn & Witz, die "in einer Mischung aus Volkstheater und Kabarett gesellschaftliche Strukturen und Verhaltensweisen bloßstellte" (Rösler 1991, 391). Im 1991 erschienenen Band Gehn ma halt a bisserl unter werden sozialkritische Texte Altmanns aus dem Umkreis von Wahn & Witz als rezente Beispiele einer ehrenwerten österreichischen Kabarett-Tradition verzeichnet, die von Joseph Anton Stranitzky über Helmut Qualtinger und Georg Kreisler bis zu Josef Hader reicht (vgl. Altmann 1991, Rösler 1991). Gemeinsam mit Leopold Lummerstorfer schrieb er das Drehbuch für den Film Gelbe Kirschen, der 2000 mit Hader in der Hauptrolle bei der Viennale uraufgeführt wurde.

Neben zahlreichen Theaterstücken (u.a. Das Drecknest, 1988; Ein Kinderspiel, 1998; Was der Bauer nicht kennt, wird trotzdem gepudert, 2004) ist er vor allem als Prosaautor hervorgetreten. Nach dem Band Das heilige Gelächter (2000) war es die Krimireihe um die Lokaljournalistin Gudrun "Gucki" Wurm und ihren Hund Turrini, die ihm zu größerer Bekanntheit verhalf. Die kurz vor Beginn des ersten Romans, TurrinisNase (2009), 28-jährig zurück ins Mühlviertel gezogene Gucki deckt darin als Redakteurin der Mühlviertler Nachrichten im Zuge ihrer Recherchen Mordfälle auf und gerät dabei - genretypisch - nicht selten mit der Polizei in Konflikt bzw. selbst unter Verdacht: "Hat aber eigentlich immer nur Pech gehabt, die Gucki, weil sie immer mehr oder weniger zufällig über die ganzen Leichen drübergestolpert ist." (Altmann 2013, 121) Sie wird von ihrem biertrinkenden Hund Turrini unterstützt, benannt nach dem Autor, über den die Protagonistin ihre Diplomarbeit Sentimentale Motive im dramatischen Werk von Peter Turrini verfasst hat.
Präsentiert werden die Kriminalfälle von einer immer wieder abschweifenden Erzählerstimme, deren sprachliches Register bis in einzelne Formulierungen an die "Brenner"-Romane von Wolf Haas erinnert (vgl. Demmer 2009, Atteneder 2015); stilistisch bedient sich Altmann einer regional geprägten Umgangssprache: "Dativ- anstatt Genetivkonstruktionen, parataktische Satzverkürzungen, einfache Hauptsatzkonstruktionen, abgetrennte Nebensätze, die mit ‚weil‘ oder ‚dass‘ beginnen." (Stöckler 2010) Programmatisch formuliert findet sich dieses Verfahren in Turrinis Jagd: "Wenn ich ein Experte bin, dann bin ich [...] höchstens ein Sprachexperte. Wobei mich aber sowieso nur die gesprochene Sprache interessiert. [...] Weil du damit viel mehr von der Welt einfangen kannst als wie mit der geschriebenen Sprache." (Altmann 2013, 222) Den Kapiteln vorangestellt sind oft Reflexionen über regionale Sprich- und Schimpfwörter, wobei der Duktus im Laufe der Buchreihe zusehends deftiger und direkter wird (vgl. Atteneder 2015) und das Leben im Mühlviertel als primär von exzessivem Alkoholkonsum und entsprechendem Sozialverhalten geprägt erscheint. In einem Interview hat Altmann jedoch betont, Satire müsse "überspitzen und karikieren, um Wahrheiten zu transportieren" (Eidenberger 2012), was durchaus auf seine frühe Kabarettpraxis zu beziehen ist.

Wiederholt hat sich Altmann als streitbarer politischer Kommentator zu Wort gemeldet und dabei die "Obrigkeitshörigkeit" der Mühlviertler und das "Ortskaisertum" lokaler Politiker (Luger 2013) sowie eine verbreitete "Ausländerfeindlichkeit ohne Ausländer" (Eidenberger 2012) beklagt. Er versteht sich als unbequemer und provokanter Querdenker, der sich mit Handschrift und Schreibmaschine nicht zuletzt ostentativ den Zumutungen der digitalen Gegenwart zu entziehen sucht (vgl. Atteneder 2014).

Harald Gschwandtner

 

(gem. mit Gerhard Haderer:) Vorsicht, Aloisia! Wien 1989. - Arbeitslosigkeit/Lied von der Vergangenheit. In: Gehn ma halt a bisserl unter. Kabarett in Wien von den Anfängen bis heute. Hg. u. mit einleitenden Texten von Walter Rösler. Berlin 1991, 462-464. - Das heilige Gelächter. Ein Kreuzweg in vierzehn Stationen. Hg. v. Richard Pils. Weitra o. J. [2000]. - Turrinis Nase. Kriminalroman. Graz 2009. - Turrinis Herz. Kriminalroman. Graz 2010. - Turrinis Bauch. Kriminalroman. Innsbruck, Wien 2012. - Turrinis Jagd. Kriminalroman. Innsbruck, Wien 2013. - Turrinis Leber. Kriminalroman. Innsbruck, Wien 2015.

Atteneder, Helmut: Der traurige Clown. In: Oberösterreichische Nachrichten, 6.12.2014. - Ders.: Turrini versäuft sich und steigt aus. In: Oberösterreichische Nachrichten, 14.3.2015. - Demmer, Erich: Haasoides im Mühlviertel. In: Die Presse [Spectrum], 30.5.2009. - Eidenberger, Barbara: Die Lokalpolitik, ihr Image und ihre Grenzen. In: Oberösterreichische Nachrichten, 14.8.2012. - Luger, Lukas: Franz Friedrich Altmann: Schreiben statt Sudern. In: Oberösterreichische Nachrichten, 12.4.2013. - Rösler, Walter: Das Kabarett der letzten Jahre. In: Gehn ma halt a bisserl unter. Kabarett in Wien von den Anfängen bis heute. Hg. u. mit einleitenden Texten von Walter Rösler. Berlin 1991, 378-392. - Stöckler, Eva Maria: Franz Friedrich Altmann: Turrinis Herz. In: Literaturhaus Wien. Buchmagazin online, 10.11.2010. - Thuswaldner, Anton: Mord im tiefen Mühlviertel. In: Salzburger Nachrichten, 25.7.2009.