Franz Pühringer

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Geb. 27.12.1906 in Pernegg, Steiermark; gest. 30.8.1977 in Linz.
Begann in den 1930er Jahren mit expressionistischen Gedichten, machte sich nach dem Krieg einen Namen als Dramatiker und war Gründer und Leiter der Linzer Puppenspiele.

In St. Stefan ob Leoben verbrachte Pühringer eine glückliche Jugend. Die Verbundenheit mit der Natur sollte seine Lyrik und seine Erzählungen lebenslang prägen. 1920 kam Pühringer nach Linz, besuchte eine Höhere Technische Gewerbeschule, trat aber zur Matura nicht an. Künstlerische Interessen überwogen. Er fuhr ohne Wissen seiner Eltern nach Berlin, wo Zeitungsredaktionen ihm seine Gedichte abnahmen. Nach unruhigen Jahren lebte er ab 1929 wieder in Linz. 1931 gründete er mit seinem Linzer Freundeskreis das literarische Kabarett "Thermopylen". Sein erster Gedichtband antlitz brachte ihm von Hermann Bahr eine aufmunternde Notiz ein, der Gedichtzyklus traum tropenflug wurde 1990 als Reprint in der edition thanhäuser aufgelegt. In deutschen Zeitschriften wie Simplicissimus und Weltbühne veröffentlichte er Beiträge. Nach Hitlers Machtergreifung 1933 versiegte diese Einnahmequelle. Einige Handpuppen, die Pühringer auf einem Dachboden gefunden hatte, sollten seinen Lebensweg ab 1934 mitbestimmen. Seine Linzer Puppenspiele - Franz Pühringer diente nur kurz in der deutschen Wehrmacht - nahmen aber erst 1941 den regelmäßigen Spielbetrieb auf, der, mit einer kurzen Unterbrechung zu Kriegsende, bis 1972 währte. Spielstätten waren das Rathaus und zuletzt das Kellertheater am Hauptplatz. Held der von Pühringer bearbeiteten Märchenstoffe war, wie es die Tradition wollte, immer der Kasperl.

Im Herbst 1945 gründete Pühringer die Städtischen Kammerspiele, die jedoch nur zwei Jahre existierten. Mit einer Gruppe von jungen Schauspielern und Sängern (Veit Relin, Lisl Schmidt, Hubert Mann und Fritz Bramböck), die zum Teil auch in den Puppenspielen mitwirkten, brachte er das Theaterstück  Leonce und Lena zu viert im Rathaus zur Aufführung; Veit Relin sollte 1982 das Stück in Sommerhausen noch einmal auf den Spielplan setzen. Es erschienen zwei Gedichtbände, 1947 Die Wiesenfestung und 1949 Das Paradies; in den 60er Jahren sollten noch drei Lyrikbände folgen. 1950 spielte Alfred Stögmüller, der spätere Intendant des Linzer Landestheaters, mit einer Laienspielgruppe der Volkshochschule in den Redoutensälen Pühringers Lustspiel Ein deutscher Sommernachtstraum (mit Walter Schmidinger als Teufel), eine Bearbeitung des Grabbe-Stückes Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung. 1951 hatten Der König von Torelore am Linzer Landestheater, 1954 Abel Hradscheck und sein Weib am Hamburger Schauspielhaus und Antonio Meulener (Fanal um 1912)im Akademietheater Wien Premiere. Hörspielfassungen seiner Stücke entstanden, die Hans Krendlesberger fürs Radio inszenierte (u.a. mit Klaus Maria Brandauer). Abgesehen von zwei Aufführungen von Flageolett an kleinen Bühnen wurde es nach 1955 still um den Bühnenautor, der immerhin Literaturpreise vom Land Oberösterreich und einen Staatspreis bekommen hatte.

Ab 1949 gab es in Linz neben dem Landestheater nur die schon erwähnte Laienspielgruppe. Auf ihrer "Scheinwerfer" genannten Bühne mit mutigem Spielplan kamen Nachwuchsautoren wie Franz Pühringer, Karl Wiesinger, Kurt Klinger und Oskar Zemme zu Aufführungsehren. Ihre Dramen wurden von den Theaterkritikern der vier Linzer Tageszeitungen besprochen, die sich von Nachkriegsstücken ethischen Gehalt erwarteten und Gleichnishaftigkeit sowie Anlehnung an Werke vergangener Zeit goutierten. Pühringers Dramen genügten solchem Anspruch. Warum sie nicht mehr aufgeführt wurden, ist nicht leicht auszumachen. Artistische Sprachkunst zeichnet seine nuancenreichen Stücke mit heiteren und ernsten Inhalten aus, "sie leben von Stimmungen", so Pühringers Witwe Traude Maria Seidelmann, "von einem Einfall ausgehend". Kasperliaden wie zum Beispiel Holla hei! oder Kasperl als Turner stehen in einer Traditionslinie mit Arbeiten von H.C. Artmann und Konrad Bayer. Die Natur-Lyrik von Franz Pühringer ist aber nicht minder beachtenswert: "Oktobersonne. / Des Herbstes blaue Schatten fallen in das Tal / Wie leere Schürzen. / So als sagte er: / ‚Seht selbst, / Ich hab nichts mehr.‘" (Pühringer 1947, 35)

Heide Stockinger

 

Antlitz. Gedichte. Leipzig 1930. - traum tropenflug. Gedichte. Selbstverlag 1932. - Die Wiesenfestung. Gedichte. Wien 1947. - Das Paradies. Gedichte. Wien 1949. - Das Natternhemd. Novelle. In: Neue Dichtung aus Österreich. Wien 1959. - Letzter Duft der Gartenfrühe. Gedichte. Wien 1963. - An den Quellen der Nebenflüsse. Gedichte. Wien 1964. - Kompendium für Freunde. Gedichte aus fünf Jahrzehnten. Linz 1967. - Drei Stücke (Abel Hradscheck und sein Weib; Fanal um 1912; Der König von Torelore). Wien 1974. - Lustspiele/Komödien I (Flageolett; Ein Haus wie von Bonnard; Hetschabetsch). Wien 1977. - Lustspiele/Komödien II (Der dritte punische Krieg oder Die Deutschen; Ein deutscher Sommernachtstraum; Zu heiße Tage; Das Wüstenkonzert; Holla hei! oder Kasperl als Turner). Wien 1978. - Vier Aufsätze. Textproben aus Märchenbearbeitungen. In: Die Linzer Puppenspiele. Steyr 1985. - Erzählungen. In: Die Schmetterlingswolke. Linz 1988. - Die Dinge sind erst durch das Licht. Gedichte aus dem Nachlass. Hg. von Traude Maria Seidelmann. Aspach 2000.

Bortenschlager, Wilhelm: Kreativlexikon. Wien 1976, 462-468. - Ders.: Deutsche Literaturgeschichte, Bd. 3. Wien 1988, 72. - Ebner, Helga; Ebner, Jakob; Weißengruber, Rainer: Literatur in Linz. Linz 1991, 574-581 u. 608-611. - Spiel, Hilde (Hg.): Kindlers Literaturgeschichte der Gegenwart. Die zeitgenössische Literatur Österreichs. [Vier Einträge zu Franz Pühringer.] München 1976. - Seidelmann, Traude Maria: Die Linzer Puppenspiele. Steyr 1985. - Dies.: Franz Pühringer. Eine Lebensskizze. In: Die Schmetterlingswolke. Linz 1988. - Stockinger, Heide: Das Umfeld. Stimmen zur Theaterszene in Linz 1945-1957. In: Die Rampe. Porträt Oskar Zemme. Linz 2002, 18-22. - Dies.: Laienspiel und Bühnenkunst. Nachkriegstheater in Linz am Beispiel des "Scheinwerfer". Linz 2005.