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Fritz Oberndorfer

© Adalbert-Stifter-Institut / StifterHaus

i. e. Friedrich Oberndorfer; Pseud.: Dr. Johannes Wurst; geb. 13.7.1878 in Steyr, gest. 18.12.1969 in Graz.
Steirischer Landesbeamter; Autor von Gedichten, Erzählungen, Schauspielen, Lesedramen, Kasperlstücken.

Der Sohn des Arztes Josef Oberndorfer trat 1888 in das k. k. Staatsgymnasium in Linz ein (Matura mit Auszeichnung 1896). Ebenda Einjährig-Freiwilligen-Jahr beim 4. Regiment der Tiroler Kaiserjäger. Nach dem Tod des Vaters 1897 Umzug mit der Mutter nach Graz, wo Oberndorfer erst Germanistik und Kunstgeschichte studierte, später auf Rechts- und Staatswissenschaften umstieg. Historisch-volkskundlich interessiert blieb er aber lebenslang. 1909 Mitbegründer und später langjähriges Vorstandsmitglied des Vereins für Heimatschutz in Steiermark; während seiner Obmannschaft (1925-29) gelang die Erwerbung des Geburtshauses des Schriftstellers Peter Rosegger für das Land Steiermark. Um 1911 Obmann des Kunstpflegevereins an der Universität Graz. Weitere Mitgliedschaften: Roseggerbund Waldheimat in Krieglach, Grazer Leseverein, Bund werktätiger Künstler und Kunstfreunde in Steiermark, Goethe-Gesellschaft. Oberndorfer engagierte sich als Organisator von Vorträgen und Volksliederabenden und als Bewahrer alter Volksschauspiele.

1911 Eintritt in den staatlichen Verwaltungsdienst der steiermärkischen Landesregierung. Im Ersten Weltkrieg konnte Oberndorfer infolge gesundheitlicher Probleme nur kurz in der k. u. k. Armee dienen. In der Krisenzeit leitete er als Leutnant a. D. das Referat der Kartoffelversorgung im Landeswirtschaftsamt 2 der k. k. steiermärkischen Statthalterei und publizierte so rege wie nie zuvor (u. a. Zur Ernte 1915, 1915; Kasperls Kriegsdienst, 1917). Nach Kriegsende präsentierte er sich hinsichtlich seiner politischen Gesinnung als Deutschnationaler.
1930 vorzeitiger Ruhestand aufgrund eines Rückenleidens. Nun widmete sich Oberndorfer verstärkt den Forschungen über das Volksschauspiel, das Figurentheater, die Beziehungen Goethes zur Steiermark und das Leben des Wolfgang Anselm von Edling (1741-1794, Schriftsteller, Vertreter des Josephinismus in Kärnten). Der stadtbekannte Landesregierungsrat i. R., dessen Verbundenheit zum Herkunftsland Oberösterreich wie auch zum Lebensmittelpunkt Steiermark in das literarische Werk Einzug fand, verstarb 1969 92-jährig in Graz. Ein Teilnachlass befindet sich im Oberösterreichischen Literaturarchiv im StifterHaus Linz.

Evelyn Zechner

 

Zur Ernte 1915. Ein Flugblatt. Graz 1915. - Vom Erzberg 1915. [Tagebuchblätter von einer Fahrt auf den Erzberg in Obersteiermark im Juli 1915.] Graz, Leipzig 1915. - Fünf Gedichte im Frühjahr 1916. Graz, Leipzig 1916. - Erzbergnacht. Eine Szene aus 1915. Den Kämpfern der Südwestfront als dankender Gruß. Sonderdruck aus: Roseggers Heimgarten 42 (1917), H. 4. - Kasperls Kriegsdienst. Ein Spielheft. Samt vier Stücken von Dr. Johannes Wurst und dreizehn Zeichnungen von Fritz Silberbauer. Hg. von Robert Michel. Graz, Leipzig 1917. - [F.O., signiert als "Ein deutscher Steiermärker":] Schmerz und Hoffnung. Jänner 1919. In: Tagespost vom 2.2.1919, Nr. 32, S. 6.

  

Eintrittskarte für die Aufführung des "Faust-Puppen-Spiels" in der Grazer Burg vom 21.4.1910. In: Teilnachlass Fritz Oberndorfer, StifterHaus Linz. - Clary-Aldringen, Manfred von: Dankschreiben an F. O. vom 21.12.1917. In: Teilnachlass, a. a. O. - Klug, Heidelinde: Friedrich Oberndorfer †. 1878-1969 [Nachruf und Würdigung]. In: Oberösterreichische Heimatblätter 24 (1970), H. 3/4, S. 62f.