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Hans Dibold

Geb. 18.12.1904 in Linz, gest. 10.5.1991 ebd.
Wurde mit seinem autobiografischen Roman Arzt in Stalingrad. Passion einer Gefangenschaft (1949) bekannt, in dem er seine Tätigkeit als Lazarettarzt in russischer Kriegsgefangenschaft beschreibt.

Hans Dibold wurde als Sohn eines Dentisten in Linz geboren. Die konservativ-katholische Familie väterlicherseits kam aus dem Böhmerwald, die Familie mütterlicherseits stammte aus katholischem, sozialdemokratisch orientiertem Milieu. Dibold hatte sieben Geschwister. In seiner Jugend war er in der katholischen Neulandbewegung aktiv. Nach seiner Gymnasialzeit in Linz studierte er Medizin in Wien, wo er im März 1929 promovierte. Nachdem er vier Jahre am Physiologischen Institut der Universität Wien gearbeitet hatte, war er ab 1930 in der im selben Jahr gegründeten und von Carl von Noorden (1858-1944) geleiteten Abteilung für Stoffwechselkrankheiten, Ernährungsstörungen und diätetische Heilmethoden im Krankenhaus Lainz in Wien tätig; zunächst als Sekundararzt, ab 1935 als Assistenzarzt und ab 1937 als Primararzt (im Versorgungsheim Lainz).
Als Gemeindeangestellter war Dibold ab 1934 Mitglied der Vaterländischen Front, ab 1940 Mitglied der NSDAP und Scharführer. 1935 heiratete er die Krankenschwester Anna Geppert, mit der er vier Kinder hatte.

1940 wurde Dibold zum Militärdienst eingezogen und war von 1940-43 als Wehrmachtsarzt tätig. Am 29. Januar 1943 geriet er in Stalingrad in sowjetische Kriegsgefangenschaft, wo er in provisorischen Kriegsgefangenenlazaretten eingesetzt wurde. Bis 1947 war er Chefarzt des Speziallazaretts 2989 Kameschkowo. Dibold wurde am 17. November 1947 aus russischer Gefangenschaft entlassen und kehrte nach Österreich zurück. Im Zuge der Entnazifizierungsmaßnahmen wurde er als ehemaliges NSDAP-Mitglied im Krankenhaus Lainz gekündigt. Er arbeitete zunächst als Gehilfe in der Schutzengel-Apotheke in Linz, ab 1948 war er als Kassenfacharzt zugelassen und führte von 1. Juni 1948 bis 1. Januar 1975 eine internistische Praxis in Linz.

1949 veröffentlichte er den Roman Arzt in Stalingrad im Salzburger Otto Müller Verlag. Das Buch trägt folgende Widmung: "Den Müttern. Dieses Buch ist als Antwort auf viele Fragen geschrieben und den Müttern der Soldaten von Stalingrad gewidmet. Freilich, fast alle Auskünfte, die Heimgekehrte geben können, sind unbestimmt, bitter, hart und karg, in Worte gekleidet, die herzlos klingen, weil sie gerade aus dem Herzen kommen und keine Einleitung haben. Aber sie werden, hoffe ich, doch ein Trost sein, weil sie wahr sind. Sie sollen weder klagen noch anklagen, nicht über Staats- oder Kriegskunst urteilen. In diesen Blättern wird von Menschen erzählt, die gelitten und gehofft haben, wie so viele in dieser Zeit, und deren aller Leid doch nicht umsonst war."
Das Buch ist in französischer und englischer Übersetzung sowie 2004 im Verlag Frank Wünsche in einer kommentierten Neuauflage erschienen. Vom Herausgeber Reinhold Busch wurden Erinnerungen ehemaliger Lagerinsassen an das Lazarett Kameschkowohinzugefügt, die Dibolds dortige Rolle und Tätigkeit beschreiben.
Neben vereinzelten literarischen Beiträgen in Sammelbänden und der Verserzählung Hochzeitsreise und Herbergsuche (1968) publizierte Dibold wissenschaftliche und populärwissenschaftliche Aufsätze, u. a. in der Zeitschrift Arzt und Christ.
Dibold erhielt folgende Auszeichnungen: 1962 Verleihung des Titels Medizinalrat, 1979 Obermedizinalrat, 1970 Ehrenring der Stadt Linz, 1971 Goldenes Bundesverdienst-Kreuz des Österreichischen Kameradschaftsbundes, 1990 Ehrenmitglied der Medizinischen Gesellschaft für Oberösterreich. Hans Dibold ist in St. Georgen an der Gusen beerdigt.

Desiree Hebenstreit

 

Arzt in Stalingrad. Passion einer Gefangenschaft. Salzburg 1949. - [zus. mit Dora Schönbauer]: Unser Diätbuch. Was Arzt, Patient und Küche über Ernährung und Diät wissen müssen. Wien 1961. - Vater. In: Aldemar Schiffkorn (Hg.): Zwischen den Ufern. Eine Anthologie. Linz 1966, 74-86. -Hochzeitsreise und Herbergsuche. Eine Verserzählung. Linz 1968. - [zus. mit Dora Schönbauer]: Die Diätassistentin. Wien 1978.

Arias, Ingrid: "...und bietet Gewähr, sich jederzeit rückhaltlos einzusetzen...". Kontinuitäten und Brüche in den Karrieren des ärztlichen Personals im Altersheim Lainz 1938-1945. In: dies. (Hg.): "In der Versorgung". Vom Versorgungshaus Lainz zum Geriatriezentrum "Am Wienerwald". Wien 2005, 215-253. - Laßl, Josef: Von der harten Erfahrung der Zeit. In: Oberösterreichischer Kulturbericht 18 (1964), Folge 34 (18.12.1964). - Zerlik, Alfred: Sudetendeutsche in Oberösterreich. Linz 1981, 99.