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Hans Flesch-Brunningen

Foto: © ÖNB Wien

(d.i. Johannes Evangelista Luitpold Flesch Edler von Brunningen; Pseudonyme: Johannes von Bruning, Vincent Brun, Flesch-Brun)
Geb. 5.2.1895 in Brünn, gest. 1.8.1981 in Bad Ischl.
Autor historischer und fantastischer Romane.

Hans Flesch-Brunningen wächst in geordneten Verhältnissen in Abbazia (heute: Opatija; Kroatien) und in Wien auf. Sein Vater, Joseph Flesch Edler von Brunningen, leitet ein Industrieunternehmen. Flesch-Brunningen beginnt ein Jusstudium, das er, unterbrochen durch den Ersten Weltkrieg, 1919 abschließt. Er heiratet und arbeitet als Bankangestellter und Rechtsanwaltsanwärter. Aber immer zwingender drängt die Literatur darauf, wichtig genommen zu werden. Das verwundert nicht, wird ihm doch schon früh der Status eines Junggenies zuteil. Im Alter von 17 Jahren veröffentlicht er seinen ersten Text Lust in der Zeitschrift PAN, es folgen Publikationen in Aktion und Saturn. Mit seinem Manifest Revolution und Erotik gelingt ihm ein Skandalerfolg. Mit dem Novellenband Das zerstörte Idyll (1917) setzt er sich mit einem Schlag als Avantgardist durch. 1925 verlässt er seine Frau und zieht nach Capri. Entscheidend ist die Begegnung mit James Joyce (1882-1941) in Paris, die Flesch-Brunningen in seiner ästhetischen Haltung bestätigt. Der Exilroman Perlen und schwarze Tränen ist nach dem Vorbild des Ulysses der Bewusstseinsstrom-Technik verpflichtet. Wie Arnold Schönberg (1874-1951) und Oskar Kokoschka (1886-1980) verspürt auch Flesch-Brunningen die Notwendigkeit, ins Zentrum der Moderne zu ziehen, nach Berlin. 1933 flieht er vor den Nationalsozialisten über die Niederlande nach Großbritannien. Mühsam fasst er in London Fuß, von 1940-55 arbeitet er als Sprecher der österreichischen Abteilung der BBC. 1939 heiratet er zum zweiten Mal. 1953-58 übt er das Amt des Präsidenten des PEN-Zenrums deutscher Autoren im Ausland aus. 1963 kehrt er zurück nach Wien, wo er 1972 die Schriftstellerin Hilde Spiel heiratet, mit der er die Sommer in St. Wolfgang zu verbringen pflegt.

Die literarischen Anfänge Hans Flesch-Brunningens sind von einer vehement antibürgerlichen Zeitkritik getragen, zu der das expressionistische Sprachgetöse ausgezeichnet passt. Nach Romanen, die ihren Angriff auf die Gegenwart in Utopien kleiden, nützt er den historischen Roman als Medium der Kritik aktueller Verhältnisse. Die Erfahrung des Exils bringt ihn dazu, sich verstärkt mit seinen jüdischen Wurzeln zu beschäftigen. Flesch-Brunningen gehört zu jenen Literaten, die das Exil derart aus der Bahn geworfen hat, dass sie nach dem Krieg an die Erfolge ihrer Anfänge nie mehr anknüpfen konnten. Heute gilt der Autor, von dem manche Arbeiten ungedruckt oder - auf Englisch verfasst - unübersetzt geblieben sind, als ein nahezu Unbekannter.

Anton Thuswaldner

 

Das zerstörte Idyll. Novellen. Leipzig 1917. - Baltasar Tipho. Eine Geschichte vom Stern Karina. Wien, Leipzig 1920. - Gegenspiel. Novellen. Wien 1920. - Die beiden Wege. Ein Buch der Jugend. Baden-Baden 1929. - Herz-Weg zur Mitte. Baden-Baden 1929. - Auszug und Wiederkehr. Roman. Berlin 1929. - Die Amazone. Revolutionsroman. Berlin 1930. - Vertriebene. Von Ovid bis Gorguloff. Essays. Wien, Leipzig 1933. - Die Herzogin von Ragusa. Roman aus dem Baden-Baden der Befreiungskriege. Salzburg 1935. - Alcibiades Beloved of Gods and Men. Roman. New York, London 1935. - Perlen und schwarze Tränen. Roman. Hamburg 1948. - Die Teile und das Ganze. Roman. Wien, Hamburg 1969. - Zwischen Central und Museum. Wien 1970. - Die letzten Habsburger in Augenzeugenberichten. Berlin 1970. - Die Frumm. Roman. München 1979. - Das Forum Romanum. Frankfurt/Main 1981. - Die verführte Zeit. Lebenserinnerungen. Wien 1988.

Broch, Hermann: Hans Flesch: Balthasar Tipho. In: Moderne Welt 1920, H. 4, S. 23. - Ders.: Hans Flesch: Gegenspiele. In: Moderne Welt 1921/22, H. 2, S. 35. - Doderer, Heimito von: Geheimnisse der Euphorie. In: Merkur 10 (1956), S. 94f. - Fetz, Bernhard: Die Konstruktion von Verbrechen und Zukunft: Science Fiction und Kriminalroman. In: Friedrich Aspetsberger und Daniela Strigl (Hg.): Ich kannte den Mörder, wußte nur nicht wer er war. Zum Kriminalroman der Gegenwart. Innsbruck u. a. 1994, S. 83-97. - Garger, Sonja: Hans Flesch-Brunningen. Eine Einführung zu Leben und Werk. Diplomarbeit Universität Wien 1995. - Lukasser, Michaela: Die Exilerfahrung im Werk von H. Flesch-Brunningen. Diplomarbeit Universität Wien 1989.