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Hans Helmut Stoiber

© Hans Helmut Stoiber

Geb. 11.10.1918 in Zell am See; gest. 10.1.2015 in Salzburg.
Umweltschützer, Hobbybiologe, Gelegenheitsjournalist und -dichter, Rezitator sprachlicher Kunstwerke, insbesondere von Mundartdichtung und Verfasser einer Lautschrift für Franz Stelzhamers Mundartdichtungen in "obderenns'scher Volksmundart".

Neben seinem Beruf als Staatsanwalt und Richter, den er in Ried im Innkreis, Linz und am Landesgericht Salzburg ausübte, engagierte sich Stoiber für den Umweltschutz, besonders für die Errichtung des Nationalparks Hohe Tauern; als begeisterter Hobby-Biologe verfasste er Pflanzen- und Wanderführer, gründete 1964 das "Naturschutzbüro Linz", erhielt 1982 den ersten Umweltschutzpreis des Landes OÖ. und 1995 die Alfred-Toepfer-Medaille für seine jahrzehntelange Förderung der Zusammenarbeit europäischer Schutzgebiete. 1991 wurde ihm der Professorentitel h. c. verliehen. 

Stoibers Beitrag zur Literaturgeschichte Oberösterreichs besteht vor allem in der Verbreitung und Bewahrung des originären Innviertler Dialekts bzw. der "obderenn'schen Volksmundart". Sein außerordentliches Gespür für Poesie verlieh dem lyrisch-liedhaften, dem dramatisch-dialogischen und dem epischen Gestus in den Werken Franz Stelzhamers einen einzigartigen Ausdruck. Stoiber wuchs in der Innviertler Marktgemeinde Raab auf und lernte früh die Kunst der Rezitation am Vorbild von Vater und Großvater. Neben Hans Schatzdorfer, Gottfried Glechner und Martin Moser zählt er zu den herausragenden Rezitatoren dieses bedeutenden Mundartdichters. Er war Mitglied der Innviertler Künstlergilde und mit dem Mundartdichter Hans Schatzdorfer eng verbunden. Um sein dialektales Sprachgedächtnis, sein feines Sensorium für phonetische Nuancen an künftige Generationen weiterzugeben, arbeitete er jahrzehntelang an einer Notierung des dialektalen Wortklangs mittels allgemein lesbarer Lettern und diakritischer Zeichen. Zu seinem großen Bedauern fand seine Lautschrift bisher weder bei Dialektologen noch Dialektdichtern nachhaltig Anklang.
1936, bei den von den Nationalsozialisten inszenierten Olympischen Spielen in Berlin, wurde dem damals Siebzehnjährigen die Bronzemedaille für Lyrik, für das Sonett Der Diskus, verliehen. Diese Auszeichnung galt ihm bis zuletzt als Höhepunkt seines dichterischen Schaffens. Unveröffentlicht geblieben sind die Kantate Das Gastmahl des Platon, das im Linzer Stadion aufgeführte Puppen- und Laienspiel Wir in dieser Zeit und seine "Umweltgedichte".

Silvia Bengesser

 

Der Diskus. Berlin 1936. - Der Denkmalschutzgedanke und Adalbert Stifter. Hamburg 1980. - 25 Jahre Naturschutzbüro Dr. Stoiber. Linz 1989. - (Gem. mit Günther Achleitner:) Salzburger Mundartgedichte von Franz Stelzhamer. Vortrag gehalten am 26. März 1997 vor der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. Salzburg 1999. - O, so schen is dö Welt! Hans Helmut Stoiber spricht Franz Stelzhamer. CD mit Begleitbuch. Bearb. von Silvia Bengesser und Stephan Gaisbauer. Linz 2006.

Wacha, Georg: Hans Helmut Stoiber - ein oberösterreichischer "Olympionike der Dichtkunst". In: Oberösterreichische Heimatblätter 58 (2004), 194-199.