Johannes Würtz

Geb. 2.10.1900 in Linz; gest. 25.7.1967 in Salzburg.
Der im Hauptberuf als Lehrer tätige Autor publizierte v. a. im Nationalsozialismus erfolgreich.

Aufgewachsen in Linz als Kind einer Beamtenfamilie, studierte Würtz nach der Matura in Wien und Graz Philosophie. Nach seiner Promotion trat er 1928 ins Berufsleben ein und wirkte als Hauptschullehrer in Oberösterreich. Daneben widmete er sich der Schriftstellerei. Im Laufe seines Lebens sollte er sich auf den Gebieten der Lyrik und Prosa, als Dramatiker, Essayist sowie Publizist versuchen.

Sein erstes Buch, 1932 erschienen, widmete er seiner Heimatstadt Linz. Am Landestheater reüssierte er 1937 mit dem Schauspiel Der Meier Helmbrecht und sein Sohn Helmbrecht als Bühnenautor, wobei Würtz den mittelalterlichen Stoff zeitgemäß adaptierte. Welche kulturpolitische Sozialisation und Netzwerkbildung der Autor durchlief, macht seine Mitgliedschaft in wichtigen Organisationen und einflussreichen Verbindungen deutlich. 1933 trat Würtz der Innviertler Künstlergilde bzw. dem Oberösterreichischen Schriftstellerverband bei, 1934 dem Reichsverband Deutscher Schriftsteller und zwei Jahre später dem Bund deutscher Schriftsteller Österreichs. Seit 1933 gehörte er der NSDAP sowie dem Nationalsozialistischen Lehrerbund an, für Letzteren betätigte er sich als Kreisschulungsleiter.
1938 zählte Würtz zu jenen Kulturschaffenden im Lande, die von der nationalsozialistischen Machtübernahme profitierten. Beruflich brachte sie ihm zunächst die Beförderung zum Hauptschuldirektor, kurz darauf die Bestellung als Studienrat an der Linzer Lehrerbildungsanstalt ein. Die Ereignisse rund um den "Anschluss", den Würtz im Bekenntnisbuch österreichischer Dichter begrüßte, fasste er in zwei Propagandaschriften zusammen (Die großen Tage, 1938; Österreichs Kampf und Heimkehr ins Reich, 1939). Im heimischen Literaturbetrieb der NS-Zeit nahm Würtz einen festen Platz ein. Zeitschriften (Das Innere Reich, Die Pause) und Anthologien (Kampf und Glaube, 1938; Heimkehr ins Reich. Großdeutsche Dichtung aus Ostmark und Sudentenland 1866-1938, 1939; Die Landschaft Oberdonau in der Schau zeitgenössischer Dichter, 1944) druckten Beiträge von ihm ab, genauso wie das Linzer Literaturjahrbuch Stillere Heimat sowie die NS-Kulturzeitschrift Oberdonau.
Im Jahr 1943 tauschte Würtz den Lehrberuf gegen eine Funktionärstätigkeit ein, indem er als Theaterreferent in die Kulturabteilung des Gaupropagandaamtes Oberdonau wechselte. Darüber hinaus saß er im Beirat für Schrifttumskunde der Stadt Linz. Folglich bestimmte er das Profil der Stilleren Heimat und entschied als Juror bei der Vergabe des im Rahmen dieses Jahrbuches verliehenen Literaturpreises mit.

Die Nachkriegszeit verlebte Würtz in Gmunden, wo er wieder als Hauptschullehrer wirkte. Auch schriftstellerisch setzte er seine Arbeit fort. In den 1950er-Jahren erschienen Gedichte, Prosaskizzen und Bühnenszenen in der Stilleren Heimat sowie der Lyrikband Tageweise (1952). Weiters verfasste Würtz Beiträge zu Persönlichkeiten des hiesigen Kunstschaffens und der Literatur, darunter Bruno Ammering, Richard Billinger, Herbert Eisenreich oder Julius Zerzer. Anerkennung fand sein Drama So endet ein König, das 1954 bei einem Landeswettbewerb prämiert wurde. Aufgrund gesundheitlicher Probleme wurde Würtz 1956 pensioniert. Die letzten Lebensjahre verbrachte er in Salzburg. Dort war er seit 1959 im Umfeld des Instituts für Vergleichende Erziehungswissenschaft bzw. der Theologischen Fakultät tätig und befasste sich mit pädagogisch-philosophischen Fragen. Würtz war verheiratet und Vater zweier Töchter. Sein Grab befindet sich auf dem Salzburger Kommunalfriedhof.

Arnold Klaffenböck

 

Linz. Die Donaustadt. Linz 1932. - Die dichterische Landschaft Oberösterreichs. In: Kunst in Oberösterreich. Hg. von Josef Rutter. Wien 1934, 157-162. - Die großen Tage. Der 11. März, der 12. März, der 13. März. Eine Volksfeier. Linz 1938. - Kampf und Glaube. Gedichte österreichischer Dichter 1933-1938. Hg. von Hein Stünke. Potsdam 1938. - Österreichs Kampf und Heimkehr ins Reich. Linz 1939. - Land ob der Enns. (Aus einer kleinen Mythologie eines deutschen Gaues. In den Bergen. Himmel und Erde. Einschicht. St. Florian. Bauern 1925. Maiverfassung 1934). In: Stillere Heimat 1 (1940), 159-168. - Wieland. Spiel zur Wintersonnenwende. In: Stillere Heimat 2 (1941), 255-264. - Die Dingelstocks. Der Weg einer Sippe. Belgrad 1943. - Die Landschaft Oberdonau in der Schau zeitgenössischer Dichter. Hg. vom Gaupropagandaamt Oberdonau. Linz o. J. [1944]. - Tageweise. Gedichte. Linz 1952. - Wege zu einer Metaphysik der Erziehung, in: Salzburger Jahrbuch für Philosophie IX (1965), 189-204.

Baur, Uwe; Gradwohl-Schlacher, Karin: Literatur in Österreich 1938-1945. Handbuch eines literarischen Systems. Bd. 3: Oberösterreich. Wien u. a. 2014, 430-435. - Dr. Johannes Würtz gestorben. In: Salzkammergut-Zeitung, 3.8.1967. - Gustenau, Michaela: Mit brauner Tinte. Nationalsozialistische Presse und ihre Journalisten in Oberösterreich (1933-1945). Linz 1992. - Hall, Murray G.; Renner, Gerhard: Handbuch der Nachlässe und Sammlungen österreichischer Autoren. 2. Aufl. Wien u. a. 1995. - Klaffenböck, Arnold: Literatur im Reichsgau Oberdonau 1938-1945. In: "Kulturhauptstadt des Führers". Kunst und Nationalsozialismus in Linz und Oberösterreich. Hg. von Birgit Kirchmayr. Weitra 2008, 161-184. - Macoun, Liselotte: Zur Literatur im Bezirk Gmunden bzw. Schrifttum im Salzkammergut. In: Franz Hufnagl, Heinrich Marchetti (Red.): Der Bezirk Gmunden und seine Gemeinden. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Eine Darstellung des Naturraumes, der Geschichte, Wirtschaft und Kultur in Beiträgen und Abbildungen, verfaßt von einer Mitarbeitergemeinschaft. Linz o. J. [1991], 669-677. - Thumser, Regina: "Der Krieg hat die Künste nicht zum Schweigen gebracht." Kulturpolitik im Gau Oberdonau. In: Reichsgau Oberdonau - Aspekte 1. Hg. vom Oberösterreichischen Landesarchiv. Linz 2004, 127-173.