Josef Hader

Foto:© Lukas Beck

Geb. 14.2.1962 in Waldhausen im Strudengau, OÖ.
Kabarettist, Schauspieler, Autor, Regisseur sowie ehemaliger Ministrant.

Die Geburt in Waldhausen im Strudengau sichert Josef Hader - geografisch gesehen - den Eintrag in die oberösterreichische Literaturgeschichte, denn aufgewachsen ist er dann nicht im unteren Mühl-, sondern eben im nur wenige Kilometer entfernten Waldviertel am elterlichen Bauernhof in Nöchling (Niederösterreich). Nach dem Abschluss des Bischöflichen Knabenseminars in Melk absolvierte er den Zivildienst und begann in Wien, wo er 1982 mit Fort geschritten als Kabarettist debütierte, das Lehramtsstudium Deutsch und Geschichte, machte sich als Kleinkünstler rasch einen Namen und erhielt bereits für sein zweites Programm Der Witzableiter und das Feuer (1985) den renommierten Salzburger Stier. Die anfängliche Orientierung am Nummernkabarett gab Hader gegen Ende der 1980er-Jahre zugunsten einer Art "Monodrama" auf und setzte damit "zweifelsohne neue Maßstäbe im österreichischen Kabarett" (Fink 2000, 73; zum Werk Haders siehe auch Müller 2004). Seit Biagn und Brechn (1988) "verzichtete [...] [er] auf die [...] obligatorischen Politikerwitze und etablierte die Kunstfigur eines kaputten Komikers, die von Programm zu Programm zynischer und jämmerlicher" (Kralicek 2005, 68) wurde und nach Im Keller (1993), Privat (1994) und Hader spielt Hader (1997) in Hader muss weg (2004) einen vorläufigen Höhepunkt erlebte. Für seine Kabarettprogramme erhielt er zahlreiche weitere Preise, u. a. den Deutschen (1991) und den Österreichischen Kleinkunstpreis (1992, gemeinsam mit Alfred Dorfer), den Bayerischen Kabarettpreis (2011) und den Göttinger Elch (2011).

Abseits der Kleinkunst tritt Hader als Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor in Erscheinung. Er zeichnet gemeinsam mit Wolf Haas und Wolfgang Murnberger für die Skripte zu Komm, süßer Tod (2000), Silentium (2004), Der Knochenmann (2009) und Das ewige Leben (2015) verantwortlich, allesamt Filme, in denen er auch die Hauptrolle des Anti-Helden Simon Brenner spielte. Überregionale Bekanntheit erreichte er mit Indien (1993, Regie Paul Harather), der Verfilmung des 1991 uraufgeführten gleichnamigen Theaterstückes (geschrieben gemeinsam mit Alfred Dorfer). Auch für seine Leistungen als Schauspieler wurde Hader wiederholt ausgezeichnet, zuletzt mit dem Preis der deutschen Filmkritik für seine Darstellung des in der Emigration lebenden Stefan Zweig in Vor der Morgenröte (2016). Sein Film Wilde Maus (Hader führte Regie, schrieb das Drehbuch und übernahm die Hauptrolle) lief 2017 im Wettbewerb der Berlinale.

Eigene Texte veröffentlicht Hader nicht in Buchform. Bei diesen handle es sich um Arbeiten, so der heute in Wien lebende Künstler, "die nur ich selbst spielen kann. Für ein Buch müsste ich sie stark überarbeiten, aber die ans Hochdeutsche angeglichene Schreibe gefällt mir auch nicht. Der Rhythmus, den ich verwende beim Spielen ist extrem wichtig für einen wie mich, der zwei Stunden allein spielt. Er verhindert, dass die Menschen rausrennen" (zit. n. Hintermeier 2010). Die CD's mit Aufnahmen seiner Stücke bieten einen Eindruck von diesem Rhythmus, sind jedoch kein Ersatz für den Besuch eines Hader-Kabarettabends, an dem ZuhörerInnen einen ganz "eigenen Genre-Kosmos" erleben, "in dem die Grenzen zwischen Poesie, Literatur, Musik und Kleinkunst ständig neu" verhandelt werden (Gächter 2004).

Georg Hofer

 

Bärnthaler, Thomas; Herpell, Gabriela: Treffen sich ein Bayer und ein Österreicher ... Gerhard Polt und Josef Hader über den Witz - und wann er rauskommt. In: Süddeutsche Zeitung Magazin, Nr. 17, 29.4.2016, 10-18. - Fink, Iris: Von Travnicek bis Hinterholz 8. Kabarett in Österreich nach 1945 - von A bis Zugabe. Graz u. a. 2000, 70-76. - Gächter, Sven: Sieben-Goschen-Oper. In: Profil, 35. Jg., Nr. 51, 13.12.2004, 122f. - Hintermeier, Hannes: Erster Allgemeiner Verunsicherer. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.5.2010. - Müller, Karl: "Nie ist alles ganz ... So ist es. Das ist der Mensch." Beobachtungen zum kabarettistischen Werk Josef Haders. In: Stachel wider den Zeitgeist. Kabarett, Flüsterwitze und Subversives. Hg. von Oswald Panagl und Robert Kriechbaumer. Wien 2004, 157-173. - Kralicek, Wolfgang: Bring mir den Kopf von Josef Hader. In: Theater heute 2005, H. 2, 68.