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Karl Teutschmann

© Adalbert-Stifter-Institut / StifterHaus

Geb. 1.11.1855 in St. Florian bei Linz; gest. am 10.8.1928 in Linz.
Advokat, Dichter und Mitunterzeichner des Linzer Programms der Deutschnationalen 1882.

Der Sohn eines aus der Oberlausitz stammenden späteren k.k. Steuereinnehmers in Oberösterreich und einer aus Freistadt gebürtigen Mutter absolvierte zwischen 1866 und 1874 das Stiftsgymnasium Kremsmünster; das anschließende Studium an der juridischen Fakultät in Wien schloss er 1879 ab. Als Rechtsanwaltsanwärter übersiedelte der Großneffe Isidor Teutschmanns (1801-27 Abt des Stiftes Hohenfurt) nach Linz, wo er seine spätere Ehefrau Anna Heyss (1862 - 1895), die Tochter des Stadtphysikus, kennenlernte. 1886, ein Jahr nach der Geburt seines ersten Sohnes Friedrich Wolfgang, der 1916 im Ersten Weltkrieg fiel, eröffnete er eine Kanzlei in Braunau am Inn; 1888 zog er nach Amstetten, wo er bis 1913 als Advokat arbeitete und zwischen 1894 und 1915 Mitglied der Gemeindevertretung war (u. a. Vizebürgermeister). Ab 1915 lebte er neuerlich in Linz. Über 30 Jahre lang engagierte sich Teutschmann für den OÖ. Volksbildungsverein, für dessen Zeitschrift Volskbote er bis 1920 regelmäßig Beiträge verfasste. Er war Mitbegründer des Stelzhamerbundes und Autor von Aufsätzen, Gedichten, Aphorismen, Novellen sowie wirtschaftstheoretischer Abhandlungen. Sein Nachlass, in dem sich eine Reihe bislang unveröffentlichter Texte findet, ging 1984 an das Land Oberösterreich und wird heute im OÖ. Literaturarchiv/Adalbert-Stifter-Institut aufbewahrt. Bemühungen seines zweiten Sohnes Heinrich (1905-1992), der selbst als Autor tätig war und ab 1947 die Linzer Anthroposophische Gesellschaft leitete, eine Ausgabe der Werke Karl Teutschmanns zu initiieren, blieben ergebnislos; aus dem Nachlass seines Vaters veröffentlichte er jedoch einen Gedichtband (Gedichtenbuch eines alten Mannes, 1929) sowie das Drama Giordano Bruno (verfasst 1898, überarbeitet zwischen 1924 und 1928; vgl. H. Teutschmann 1979, 58).

Mehr Bedeutung als mit seinen literarischen Arbeiten erlangte Teutschmann, der sich selbst als "Dichter und Philosoph" fühlte und vornehmlich mit Fragen zu Nationalismus und Humanismus befasste (vgl. Ebner/Ebner/Weißengruber 1991, 392), als Mitunterzeichner des "Linzer Programms" (1882), des Grundsatzpapiers der Deutschnationalen in Österreich, das die Trennung Cisleithaniens von Transleithanien erreichen wollte und als dessen Fernziel die Angliederung Österreichs an das Deutsche Reich galt. An der Ausarbeitung der Deklaration, die "sowohl deutschnationale als auch sozialistische Tendenzen" (Otruba 1991, 136) aufwies, war neben Georg von Schönerer u. a. Victor Adler beteiligt, der später viele der sozialpolitischen Forderungen des Papiers (z. B. Verbot der Kinderarbeit, Einführung einer staatlichen Pensionsversicherung) in die Satzungen der 1888/89 gegründeten Sozialdemokratischen Partei Österreichs überführte. Eine 1885 maßgeblich von Schönerer überarbeitete Form des Programms weist klar antisemitische Züge auf und wurde von der Mehrzahl der ursprünglichen Initiatoren nicht mehr mitgetragen. Glaubt man den wenig prosaischen Ausführungen Heinrich Teutschmanns in Ein Linzer Dichter zwischen zwei Zeitaltern (1963), galt das auch für seinen Vater, der sich - so der Sohn - spätestens mit der unter dem Pseudonym "Wahrmund" veröffentlichten Broschüre Los vom Antisemitismus! Offener Brief an einen Unverfälschten! (1891) vom Verdacht einer generellen Judenfeindlichkeit befreit habe (vgl. H. Teutschmann 1963, 240).

Georg Hofer

 

Lehrzeit und Leben. Gedichte. Hamburg, Leipzig 1885. - Der deutsche Zollverein und die Zolleinigung mit Österreich. Eine geschichtliche Studie. Linz 1886. - Los vom Antisemitismus! Offener Brief an einen Unverfälschten. Linz 1891 [unter dem Pseudonym "Wahrmund"]. - Der Bauernkrieg in Oberösterreich und seine Ursachen. Selbstverlag 1893. - Gedichtenbuch eines alten Mannes. Hg. v. Heinrich Teutschmann. Linz 1929. - Giordano Bruno. In: Kunstjahrbuch der Stadt Linz 1979, 63-94.

Ebner, Helga; Ebner, Jakob; Weißengruber, Rainer: Literatur in Linz. Linz 1991, 392f. - Otruba, Gustav: "Linzer Programme" 1882 - 1923 - 1926. Meilensteine in der Parteigeschichte Österreichs. In: Oberösterreichische Heimatblätter 45 (1991), H. 2, 128-164. - Teutschmann, Heinrich: Ein Linzer Dichter zwischen zwei Zeitaltern. Karl Teutschmann (1855-1928). In: Historisches Jahrbuch der Stadt Linz 1963, 223-254. - Ders.: Karl Teutschmanns Drama Giordano Bruno. In: Kunstjahrbuch der Stadt Linz 1979, 58-63.