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Kurt Klinger

Foto: Fred Scheucher; © Land OÖ

Geb. 11.7.1928 in Linz, gest. 23.4.2003 in Wien.
Der Schriftsteller, Essayist, Lyriker, Dramatiker und Übersetzer wirkte an verschiedenen deutschsprachigen Theatern als Dramaturg.

Nach der Matura arbeitete Klinger als Handelsangestellter und studierte ab 1953 Philosophie, Germanistik und Theaterwissenschaft in Wien. Schon in den 1950er Jahren zog es ihn zum Theater. Er trat in Linz als Schauspieler in der von Alfred Stögmüller (1925-2004) geleiteten Schauspielgruppe "Scheinwerfer" auf, von der auch sein erstes Stück Der goldene Käfig uraufgeführt wurde. Bekannt wurde Klinger im Jahr 1954 durch die Uraufführung seines Schauspiels Odysseus muß wieder reisen. 1955 bis 1958 war Klinger Dramaturg am Landestheater Linz, später freier Produktionsdramaturg am Düsseldorfer Schauspielhaus, an den Städtischen Bühnen in Frankfurt/Main, am Staatstheater Hannover, an den Vereinigten Bühnen Graz und am Zürcher Schauspielhaus. 1978 zog Klinger nach Wien, wo er als freischaffender Publizist und Schriftsteller wirkte und bis 1993 Vizedirektor der Österreichischen Gesellschaft für Literatur war. Von 1979 bis 1991 war er Mitherausgeber und Redakteur der Literaturzeitschrift Literatur und Kritik. In den 1980er Jahren arbeitete K. auch als redaktioneller Mitarbeiter der oberösterreichischen Zeitschrift Die Rampe - Hefte für Literatur.

Klinger verarbeitet in seinen Texten und vor allem Dramen geschichts- und kriegsbedingte Erfahrungen von Entwurzelung. In seinen literarischen Verfahren nimmt er Bezug auf mythologische Stoffe, die er heranzieht, um Aussagen über die Gegenwart zu treffen. In seinem Drama Odysseus muß wieder reisen etwa thematisiert Klinger das Integrationsproblem der Kriegsheimkehrer und stellt die Frage nach Schuld und Verantwortung. Homers Held ist bei ihm haltloser Kriegsverlierer, dem selbst die Aussicht auf Heimkehr genommen wird. Formal-ästhetisch sind seine Dramen konventionell aufgebaut. Klingers Lyrik hingegen stellt seine "sprachgläubige Bilderfülle" (Martin Loew-Cadonna) unter Beweis. Ab den 1980er Jahren arbeitete er auch als Drehbuchautor für das Fernsehen.

Klinger erhielt zahlreiche Preise, darunter 1954 den Preis des Kulturringes der oberösterreichischen Wirtschaft für sein Drama Odysseus muß wieder reisen, 1955 den Förderungspreis des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst, 1971 den Förderungspreis des Landes Oberösterreich, 1973 den Förderungspreis des Theodor-Körner-Stiftungsfonds zur Förderung von Wissenschaft und Kunst. 1978 wurde ihm der Professoren-Titel verliehen, 1979 erhielt er den Preis des Wiener Kunstfonds der Zentralsparkasse Wien für Literatur, 1983 den Kulturpreis des Landes Oberösterreich für Literatur, 1984 den Georg-Trakl-Preis, 1986 den Anton-Wildgans-Preis, 1988 die Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold, 1988 den Franz-Theodor-Csokor-Preis des österreichischen P.E.N.-Clubs und 1996 das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst. Seit 2006 befindet sich sein literarischer Nachlass in 18 Schachteln im Österreichischen Literaturarchiv in der Österreichischen Nationalbibliothek.

Julia Danielczyk

 

Harmonie aus Blut. Gedichte. Wien 1951. - Odysseus muß wieder reisen. Schauspiel. München 1954. - Auf der Erde zu Gast. Gedichte. Linz 1956. - Das Garn des Schicksals. Gedichte, Prosa, Szenen. Eingeleitet und ausgewählt von Dora Dunkl. Graz, Wien 1959. - Ein Papst lacht. Die gesammelten Anekdoten um Johannes XXIII. Frankfurt/Main 1967. - Studien im Süden. Essays. Linz 1965. - Die vierte Wand. Erzählungen. Wien 1967. - Entwurf einer Festung. Gedichte. Wien 1970. - Schauplätze. Fünf Dramen. Wien 1971. - Konfrontationen. Theateressays. Wien 1973. - Löwenköpfe. Gedichte. Baden bei Wien 1977. - Napoleon. Ich, der Kaiser. Aus der Chronik seines Lebens. Hg. und kommentiert von Kurt Klinger. München 1978. - Auf dem Limes. Gedichte. Salzburg 1980. -  Das Kirschenfest. Gedichte. Baden bei Wien 1984. - Theater und Tabus. Essays, Berichte, Reden. Eisenstadt 1984. - Zeitsprung. Gedichte. Salzburg 1987. - Erinnerung an Gärten. Stationen und Reisen. Prosa. Salzburg 1989. - Auf den zweiten Blick. Wiederbegegnung mit Meisterwerken der Literatur. Aufsätze. Wien 1994 - Die Ungnade der Geburt. Literatur als Schicksal. Essay. München 1999. - Das Pontifikalamt der Scheiterhaufen. Das gesammelte lyrische Werk von Kurt Klinger. Hg. und mit einem Post skriptum versehen von Helmut A. Niederle. Wien 2015.

Deutsches Literatur Lexikon. Hg. von Wilhelm Kosch. Bern, München 1981,  Bd. 8, 1338f. - Dunkl, Dora: Kurt Klinger, ein junger Autor unserer Zeit. In: Kurt Klinger: Das Garn des Schicksals, a. a. O. - Killy, Walther: Literaturlexikon. Gütersloh, München 1990, Bd. 6, 389. - Perz, Helga (Hg.): Kurt Klinger. Linz 1999 (= Die Rampe 1999, Porträt). - Sawatzki, G.: Kurt Klinger. Die neue Wohnung. In: Theater heute 1 (1960).