Linus Kefer

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Geb. 21.7.1909 in Garsten, gest. 10.1.2001 in Linz.
Bereits in der NS-Zeit als Schriftsteller, Journalist und Kulturfunktionär tätig, konnte er seine Arbeit nach 1945 ungehindert und erfolgreich fortsetzen.

Der Sohn eines Postbediensteten schlug Anfang der 1930er Jahre eine berufliche Laufbahn als Lehrer ein. Er unterrichtete zunächst am Knabenkonvikt Voglsang in Steyr und bis 1933 in mehreren Orten des Unteren Traunviertels. Schon damals trat er als Lyriker, Erzähler sowie durch Liedvertonungen in Erscheinung. Die Innviertler Künstlergilde förderte seine schriftstellerischen Ambitionen und veröffentlichte erste Gedichte, andere publizierte er in der Zeitschrift Der getreue Eckart, z. B. die vitalistisch-weltanschaulichen Verse Wie dieser Baum und Heimat. 

Bereits 1933 suchte Kefer um Mitgliedschaft bei der NSDAP an. Weil er sich trotz Verbots weiterhin parteipolitisch engagierte, wurde er im Herbst desselben Jahres vom Schuldienst suspendiert. Danach lebte er als freier Autor in Linz, war publizistisch tätig und qualifizierte sich bei der Oberösterreichischen Morgenzeitung als Schriftleiter. Im Jänner 1934 musste er wegen NS-Betätigung für eine Woche ins Gefängnis nach Wels. 1936 stieß er zum "Bund deutscher Schriftsteller Österreichs". Der Eugen Diederichs-Verlag in Jena brachte seine ersten Bücher heraus, im März 1938 den Prosaband Der Sturz des Blinden, 1943 die Lyriksammlung Die Nacht des Hirten.
Auf den "Anschluß" Österreichs an das Dritte Reich reagierte Kefer mit Beiträgen in mehreren Anthologien, darunter dem Bekenntnisbuch österreichischer Dichter sowie dem Artikel Die Heimat des Führers. Die geänderten Machtverhältnisse boten Kefer neue berufliche Möglichkeiten. Die Gauleitung beschäftigte ihn als Presse- bzw. Filmreferent, im November 1938 kam er zur Kulturredaktion der Linzer Tages-Post, deren Schriftleitung ihm zufiel. Vom Journalisten stieg er zum kulturpolitischen Funktionär auf. Am 8. März 1939 wurde er Landesleiter der Reichsschrifttumskammer für den "Reichsgau Oberdonau". Kefer zählte zu den begünstigten Autoren des NS-Regimes und erhielt Auszeichnungen wie den Gaukulturpreis für Dichtung 1942.

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er zunächst als freier Schriftsteller. 1949 kehrte er in den Schuldienst zurück und wirkte als Lehrer in Mattighofen. 1951 bekam er den Anerkennungspreis des Adalbert-Stifter-Preises. Während der 1950er und 1960er Jahre entfaltete Kefer eine rege Publikationstätigkeit. Seine Schilderungen, Gedichte und Erzählungen fanden Aufnahme in Literatur- bzw. Kulturzeitschriften (u. a. Wort in der Zeit, Oberösterreich), Anthologien (Zwischen den Ufern, 1966), den Jahrbüchern der Innviertler Künstlergilde und der Stadt Linz (Stillere Heimat) sowie heimischen Zeitungen.
Zwischen 1960 und 1975 wirkte er als Beamter in der Kulturabteilung der Oberösterreichischen Landesregierung und hatte die Schriftleitung des Oberösterreichischen Kulturberichts inne. 1965 wurde Kefer zum Professor h. c. ernannt. Zu seinem 60. Geburtstag 1969 gab der Salzburger Residenz-Verlag die Gedichtsammlung Weissagungen der Regenmacher heraus. 1997 wurde Kefer die Kulturmedaille des Landes Oberösterreich verliehen.

Arnold Klaffenböck

 

Der Sturz des Blinden. Erzählung. Jena 1938 (überarb. Neuaufl. Wien 1952). - Bekenntnisbuch österreichischer Dichter. Hg. vom Bund deutscher Schriftsteller Österreichs. Wien 1938. - Gesänge der Ostmark. Ein Dichtergruß. Hg. vom Bund der deutschen Schriftsteller Österreichs. Leipzig 1938. - Heimkehr ins Reich. Großdeutsche Dichtung aus Ostmark und Sudetenland 1866-1938. Hg. von Heinz Kindermann. Leipzig 1939. - Ostmark-Lyrik. Hg. von Adalbert Schmidt. Wien, Leipzig 1939. - Die Nacht des Hirten. Gedichte. Jena 1943. - Die Sommergöttin. Gedichte. Wien 1951. - Oliver Goldsmith: Der Vikar von Wakefield. Neubearb. von Linus Kefer. Wien, Stuttgart 1953 (2. Aufl. 1963, Sonderausgabe Wiesbaden 1977). - Deutsche Gedichte der Gegenwart. Hg. von Georg Abt. Gütersloh 1954. - Die Kinder des Richters. Wien 1958. - Das verschlossene Zimmer. Mödling o. J. [1959]. - Lyrik aus dieser Zeit. Erste und zweite Folge. Hg. von Kurt Leonhard und Karl Schwedhelm. München, Eßlingen 1961 u. 1963. - Panorama moderner Lyrik deutschsprechender Länder. Von der Jahrhundertwende bis zur jüngsten Gegenwart. Hg. von Wolfgang Hädecke und Ulf Miehe. [Gütersloh 1965]. - Zwischen den Ufern. Eine Anthologie. Hg. von Aldemar Schiffkorn. Linz 1966. - Weissagungen der Regenmacher. Gedichte. Salzburg 1969.

Baur, Uwe; Gradwohl-Schlacher Karin: Literatur in Österreich 1938-1945. Handbuch eines literarischen Systems. Bd. 3, Oberösterreich. Wien u. a. 2014, 256-263. - Denkler, Horst: Werkruinen, Lebenstrümmer. Literarische Spuren der ‚verlorenen Generation' des Dritten Reiches. Tübingen 2006. - Fischer-Colbrie, Arthur: Zwei Dichter Oberösterreichs feierten ihren 50. Geburtstag. Hanns Gottschalk und Linus Kefer. Oberösterreichischer Kulturbericht XIII, Folge 13, 24. Juli 1959. - Ebner, Helga; Ebner, Jakob; Weißengruber, Rainer: Literatur in Linz. Eine Literaturgeschichte. Hg. vom Archiv der Stadt Linz. Linz 1991. - Gustenau, Michaela: Mit brauner Tinte. Nationalsozialistische Presse und ihre Journalisten in Oberösterreich (1933-1945). Linz 1992. - Klaffenböck, Arnold: Literatur im Reichsgau Oberdonau 1938-1945. In: "Kulturhauptstadt des Führers". Kunst und Nationalsozialismus in Linz und Oberösterreich. Hg. von Birgit Kirchmayr. Weitra 2008, 161-184. - Kleinschmidt, Karl: Begegnung mit Linus Kefer. In: Wort in der Zeit 7 (1961), H. 11, 9-15. - Scheichl, Sigurd Paul: Literatur in österreichischen Zeitschriften der dreißiger Jahre. Mit einem bibliographischen Anhang. In: Österreichische Literatur der dreißiger Jahre. Ideologische Verhältnisse, institutionelle Voraussetzungen, Fallstudien. 2. Aufl. Hg. von Klaus Amann und Albert Berger. Wien, Köln 1990, 178-211. - Schiffkorn, Aldemar: Der Adalbert-Stifter-Literaturpreis 1950/1951. In: Oberösterreichische Heimatblätter 6 (1952), 124-125. - Thun-Hohenstein, Paul: Lyrik im Lande. Eine Vorbemerkung. In: Jahrbuch der Innviertler Künstlergilde 1933, 51-60. - Watzinger, Carl Hans: Linus Kefer. Ein neuer oberösterreichischer Erzähler. Linzer Volksblatt, 21. Mai 1938. - Watzinger-Steyr, Carl: Die oberösterreichische Dichtung der Gegenwart. In: Österreichische Rundschau 1 (1934/35), 203-209. - Zankl, Verena: Die "Pürgger Dichterwochen" 1953 bis 1955: Dokumentation und Analyse. Dipl.-Arb. Univ. Innsbruck 2003.