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Lydia Haider

Foto: privat

Geb. 27.6.1985 in Steyr.
Romanautorin und Textperformerin, Vertreterin der jüngeren AutorInnengeneration.
Pseudonym: Hieronymus L. Haider.

Die oberösterreichische Autorin Lydia Haider studierte Germanistik und Philosophie an der Universität Wien. Sie diplomierte über die Poetologie der stanzen Ernst Jandls und arbeitet derzeit an der Dissertation zur Rhythmischen Subversion in Texten Thomas Bernhards und Ernst Jandls. Beinahe hätte sie, nach eigener Aussage, eine Laufbahn als Pianistin eingeschlagen (vgl. Fasthuber 2015). Die Mutter zweier Kinder lebt in Wien.

2015 debütierte sie mit dem Roman kongregation, dieser ist nach eigener Aussage ihre allererste literarische Veröffentlichung. Das Buch steht in der Tradition der "Weltuntergangsromane" (Gollner 2016, 28) jüngerer österreichischer GegenwartsautorInnen und wurde von Anton Oskar Granzner illustriert. Im Zentrum steht ein Dorf, das von einer grotesken Todesserie rund um sieben rätselhafte Unfälle von jungen Männern mit biblischen Namen erschüttert wird. Das jugendliche "Wir" als kollektive Erzähl-Kongregation wird zur das Geschehen kommentierenden, "richtenden Gerechtigkeit" (Haider 2015, 151), die im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes agiert, so die gleichnamigen Kapitelüberschriften des zweiten Buchteils. "Trash trifft auf die Bibel, Jugendslang auf den hohen Ton, Pathos auf Ironie", so der Klappentext. Das Zu-Tode-Kommen in allen Spielarten, das "vanitas vanitatum, et omnia vanitas" (Ebd., 102) wird zum literarischen Prinzip erkoren und endet als "Supergau in Form des Jüngsten Gerichtes" (Koch 2016).

Der zweite, 2016 erschienene Roman rotten schließt inhaltlich und formal an die apokalyptische Haltung des ersten Erzählbandes an. Wie schon kongregation ist rotten ein "düsterer Landroman mit grausamen Todesfällen in Serie [...] durchwoben von christlich-mythologischen Bezügen und Symbolen" (Lind 2016). Zum zentralen Angel- und Drehpunkt wird ein Steinbruch, ein KZ, wo Jugendliche eine goldene Schriftrolle mit vierzehn Personennamen, Wirten aus der Gegend mitsamt deren zukünftigen Sterbedaten finden. Der Gedächtnisort holt sich die einstigen Täter und deren Nachfahren als Opfer zurück, sie gehen als "Brand-, Sünd- und Heilsopfer" (Haider, 2016, Klappentext) auf. Als poetologischer Kniff findet im zweiten Buchteil ein Erzählperspektivenwechsel vom jugendlichen Wir hin zum diffusen Wir der Dorfbewohner statt. So scheint ein Rückblick auf die Gräueltaten während der Nazizeit möglich und ein Vergleich der heutigen Gesellschaft im Umgang mit AsylwerberInnen wird im dritten Teil gezogen. Das Buch schließt mit dem Exodus des jugendlichen Wir-Erzählerkollektivs aus dem heimatlichen Landkreis.

Haider erhielt für die Arbeit an kongregation das Start-Stipendium des Bundeskanzleramts 2015. Mit der Textperformance zu kongregation war Haider für den Soundout!Award nominiert, der Roman ist auf der Shortlist zum Alpha-Preis 2016 zu finden. 2016 ist sie Aufenthaltsstipendiatin im Literarischen Colloquium Berlin. Sie trat nach dem Debüt mit Kurzprosa und Romanauszügen in Anthologien und Literaturzeitschriften (u. a. in manuskripte, entwürfe, Die Rampe, Literatur und Kritik) in Erscheinung.

Dominik Srienc

 

kongregation. Roman. Salzburg 2015. - rotten. Roman. Salzburg 2016.

Fasthuber, Sebastian: "Wenn ich schon schreibe, dann gleich etwas Gescheites". In: Falter 46/2015. - Ders.: Zwei neue literarische Stimmen heben an. In: Salzburger Nachrichten, 19.12.2015. - Gollner, Helmut: Die österreichische Literatur ist weiblich. In: Literatur und Kritik 2016, H. 503/504, 23-46. - Klein, Simone: Haider, Lydia: Kongregation. In: bn bibliotheksnachrichten 2/2016. - Koch, Elke: Generationenschlacht. In: WeiberDiwan, Sommer 2016.