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Maria von Peteani

© Adalbert-Stifter-Institut / StifterHaus

Geb. 2.2.1888 in Prag, gest. 28.7.1960 in Linz.
Die Bestsellerautorin der 1920er Jahre thematisiert formal konventionell Fragen zur sozialen Rolle der Frau. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte sie an ihre früheren Erfolge nicht mehr anschließen.

Peteanis Mutter, Gisela Sauer (geb. Simon), stammte aus einer Prager Fabrikantenfamilie, der Vater, Edmund Sauer (Dr. jur.), war Post-Konzipient. Berufliche Probleme führten zur Strafversetzung nach Linz und damit 1890 zur Übersiedlung der Familie in die Provinz. 

Mit Auflagen von bis zu 200.000 Exemplaren und Werkverfilmungen würde Maria Peteani im heutigen Literaturbetrieb ihren festen Platz in den Bestsellerlisten haben. Wie viele andere Autorinnen und Autoren auch, konnte sie jedoch nach dem Zweiten Weltkrieg an den Publikumserfolg der 1920er Jahre nicht mehr anschließen. In ihren 14 publizierten Romanen, die in viele Sprachen übersetzt worden sind, bewegt sich die Autorin formal großteils auf vertrauten Pfaden. Das Publikum konnte sich problemlos an traditionellen Erzählformen orientieren, klare Textstrukturen trugen zusätzlich zur Akzeptanz bei. Ungewöhnlich waren für die Leserinnen und Leser die weiblichen Hauptpersonen, die durchaus Identifikationsmöglichkeiten boten. Die Lebenssituationen der "Heldinnen" spiegeln das reale Leben von Frauen während der Zwischenkriegszeit wider.

In einem offiziellen Brief stellt die Autorin ihr Leben in Linz als bescheidenes, pedantisch geordnetes Leben in gesicherten Beamtenverhältnissen dar. Peteani absolvierte Pädagogium und Lyzeum und heiratete 1908 im Alter von 20 Jahren den italienischen Opernsänger Eugen von Peteani-Steinberg (1873-1913). "Künstlerisch vorbelastet" - der Großvater väterlicherseits war Hofschauspieler in Prag und Berlin - akzeptierte die Familie diese Entscheidung. Drei Jahre lang begleitete Maria Peteani ihren Mann auf zahlreichen Tourneen unter anderem nach Wien, Berlin, Budapest und Mailand - Städte, denen man als literarische Schauplätze im Werk der Autorin häufig wieder begegnet.
1913, nach dem frühen und völlig unerwarteten Tod ihres Mannes, kehrte Peteani nach Linz zur Mutter zurück. Bedingt durch den Ersten Weltkrieg und die damit verbundene Inflation stand sie vor ökonomischen Problemen. Da auch der Vater früh verstorben war, bildete die schriftstellerische Tätigkeit für sie und ihre Mutter eine neue Existenzgrundlage.

1920 erschien der erste Roman Das Glück der Hanne Seebach, in dem die Autorin Themen und Motive entwirft, die in der Folge ihr gesamtes Werk kontinuierlich begleiten. Treue respektive Untreue in der Ehe, voreheliche bzw. außereheliche Beziehungen stehen häufig thematisch im Zentrum der Texte. Wird die Ehe in Das Glück der Hanne Seebach noch als erstrebenswert gezeichnet - die Heldin, die ihr Glück außerhalb der bürgerlichen Institution sucht und scheitert, wählt den Freitod - so wird die Ehe in den kurzen Texten, die die Autorin hauptsächlich für Zeitungen schreibt, kritisch hinterfragt und als Einrichtung dargestellt, die die Persönlichkeitsentwicklung der Frau empfindlich beeinträchtigt. Von 1926 bis 1932 war Peteani ständige Feuilleton-Mitarbeiterin beim Neuen Wiener Tagblatt, Getreuen Eckart und bei der Deutschen Allgemeinen Zeitung. Die Autorin entwirft für diese Medien neue, ungewöhnliche Frauenbilder und rückt von einem Frauenentwurf ab, der sich in ihren Romanen, in dem Frauen einzig als entweder ihren Körper oder ihr Leben gebende Wesen erscheinen, noch widerspiegelt.
Peteani nimmt das Treuegebot und die höchst unterschiedlichen Interpretationen für Mann und Frau zum Anlass, um das generelle Ungleichgewicht im Verhältnis der Geschlechter vor allem auch innerhalb der Ehe zu diskutieren. Dabei verlässt sie häufig den Bereich der intimen Zweierbeziehung und beschreibt wie etwa in Frauen im Sturm (1929) die Arbeitslosigkeit von Frauen und einen damit vorgezeichneten Weg in die Prostitution. Freilich geschieht das oft in oberflächlich lieblich anmutenden Formulierungen, die die harte realitätsnahe Themenwahl abschwächen.

Parallel zur schriftstellerischen Arbeit pflegte Peteani über 12 Jahre lang die kranke Mutter, erst nach deren Tod 1932 kann sie sich ganz auf das Schreiben konzentrieren. Das Bühnenstück Spiel um Angelika (1935) wurde in Dresden uraufgeführt, die erste Werkverfilmung Der Page vom Dalmasse-Hotel (1933) bei Terra-Berlin entstand und das Rundfunk-Lustspiel Doppelt verlobt wurde mit dem Lustspielpreis der RAVAG ausgezeichnet. Die Karriere wurde aber unvermittelt unterbrochen, als die Reichsschrifttumskammer im Zuge des verpflichtenden Aufnahmeverfahrens den Ariernachweis der Schriftstellerin einforderte. Die Großmutter mütterlicherseits war Jüdin, der Nachweis daher unmöglich. Trotz Einsatz aller Beziehungen und persönlicher Bezeugungen, dass sich in den Werken "nicht das Geringste findet, was der nationalsozialistischen Weltanschauung zuwiderläuft", kann das generelle Schreibverbot, das 1940 erlassen wird, nicht abgewendet werden. Abgesehen von einer Biografie des Komponisten Franz Lehár, einigen Wiederauflagen und zwei Werken, die posthum erscheinen, werden nach dem Zweiten Weltkrieg nur mehr zwei neue Romane verlegt. 1955 nimmt Maria Peteani ihre langjährige Sekretärin, Elsa Barabas (geb. 1908) "an Kindes statt" an. Diese übergab nach dem Tod der Schriftstellerin am 28. Juli 1960 den Nachlass an das Archiv der Stadt Linz.

Auf sprachlicher und stilistischer Ebene bewegt sich die Autorin im konventionellen Bereich, thematisch hat sie jedoch schon vieles der aktuellen Gender-Diskussion vorweggenommen.

Renate Plöchl

 

Das Glück der Hanne Seebach. Eine Liebesgeschichte aus den Biedermeiertagen. Linz 1920. - Die Liebesleiter. Wien 1921. - Susanne. Wien 1926. - Frauen im Sturm. Leipzig 1929. - Der Page vom Dalmasse-Hotel . Leipzig 1933 [Film: Berlin 1933 (Terra); wiederverfilmt als: Der Page vom Palast-Hotel. Wien 1958 (Donau-Film)]. - Spiel um Angelika. Bühnenstück. Berlin 1935. - D-Zug 517. In: Das kleine Frauenblatt 12 (1935), H. 29-47 [Film: München 1951 (Klagemann)]. - Das Herz aus Lapislazuli. Salzburg u. a. 1938.  - Franz Lehár. Seine Musik - Sein Leben. Wien 1950. - Es war einmal...in Linz...in Ischl. Linz 1963.

Plöchl, Renate: Geschlechterbeziehungen im Werk der Schriftstellerin Maria Peteani. Dipl. Arb. Universität Salzburg 1991. - dies.: Das bloße Schauen ist, als täte man Verbotenes. Zu zwei Texten von Maria Peteani. In: Theresia Klugsberger u. a. (Hg.): Schwierige Verhältnisse. Liebe und Sexualität in der Frauenliteratur um 1900. Stuttgart 1992, 31-41. - dies.: Maria Peteani. Erfolgsschriftstellerin mit Publikationsverbot. In: Birgit Kirchmayr (Hg.): "Kulturhauptstadt des Führers". Kunst und Nationalsozialismus in Linz und Oberösterreich. Linz 2008. 197-202. - Rath, Peter: Maria Peteani. Spurensuche im Walzertakt. Eine Entdeckung mit überraschenden Ergebnissen. In: Biblos. Beiträge zu Buch, Bibliothek und Schrift 47 (1998), H. 1, 71-82.