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Oskar Zemme

© Franz Linschinger

Geb. 22.3.1931 in Zeiden bei Kronstadt/Siebenbürgen (Rumänien).
Schreibt Lyrik und vor allem Theaterstücke.

Zemme lebte als Kind österreichischer Eltern seit 1939 in Linz, 1946 erlernte er den Beruf Tapezierer, Anfang der 1950er Jahre stieß er auf die Schauspieltruppe "Scheinwerfer", ab 1954 arbeitete er als Bühnenarbeiter, Tontechniker und zuletzt als Beleuchter am Landestheater Linz und war Mitglied bei verschiedenen Studiobühnen und Amateurtheatergruppen.
1952 trat Zemme erstmals mit Lyrik und Hörspiel bei der Jugendkulturwoche in Innsbruck hervor. Er veröffentlichte in Anthologien und Literaturzeitschriften. 1954 erhielt er den Förderungspreis zum Staatspreis für Literatur (Hörspiel), 1955/56 ein Stipendium der OÖ Landesregierung, er ging nach Wien und hospitierte am Theater in der Josefstadt und an der Tribüne und besuchte Seminare für Dramaturgie am Institut für Theaterwissenschaft. Zemme war auch Neugründungsmitglied des Linzer Kellertheaters. 1969 erhielt er ein Romstipendium am Österreichischen Kulturinstitut. Fritz Hochwälder (1911-1986) wurde sein Vorbild. Ende 1969 ging Zemme nach Berlin, wo er als Bühnenarbeiter an der Deutschen Oper arbeitete. Ab 1971 lebte und arbeitete er wieder in Linz, dann einige Monate in Bayreuth. Die Realität des Theaters hat er zum Gegenstand mehrerer Stücke gemacht, in denen er die Probleme des Subventionstheaters (Der Bumerang, Uraufführung Linz 1956), der Schauspielerexistenz (Die Vorsprache, Uraufführung Wildberg bei Linz 1985) und des Bühnenalltags aufgreift.

Zemme schreibt bevorzugt realistisches Theater, er erzählt von kleinen Leuten und enttäuschten Hoffnungen, gestörten Idyllen und Lebenslügen, aber auch von Ausbruchs- und Protestversuchen (Maskierungen-Demaskierungen, Wien 1971). Zu seinen erfolgreichsten Stücken zählt die Komödie Die Störung (Uraufführung Linz 1976): Zwischen zwei recht skurrilen alten Damen ist plötzlich das Zusammenleben gestört, als der Fernsehapparat defekt ist - auch die Konfliktverdrängung funktioniert nicht mehr.
1993 führt das O-Theater erfolgreich das Stück Ausgesetzt im Linzer Kulturzentrum Hof auf, in der Folge wird es an vielen weiteren deutschsprachigen Bühnen ins Programm genommen. Dabei geht es um den Versuch eines Paares, seinen kleinbürgerlichen Verhältnissen zu entkommen - allerdings um den Preis der Beziehung: Hans und Vicky sind aus dem vertrauten Dorf in die Großstadt gekommen. In der neuen Umgebung finden sie sich nur schwer zurecht und müssen die Erfahrung machen, dass man auch im eigenen Land fremd sein kann. In einer schäbigen Untermiete hausend kommen sie auf die Idee, sich durch eine Leihmutterschaft das Geld für die ersehnten eigenen Wände zu beschaffen. Das fremde Wesen in Vickys Bauch wird zum Prüfstein für die Beziehung der beiden, zumal der Auftraggeber wegen eines plötzlich befürchteten Erbschadens des Babys den Auftrag kurzerhand stornieren will. Die neue Situation lässt einen tiefen Konflikt zwischen Hans und Vicky entstehen, der sich in divergierenden Reaktionen und Handlungen manifestiert. In die Enge getrieben muss sich Vicky für oder gegen das Kind entscheiden. Für eine Abtreibung ist es zu spät, und auf Hans kann sie nicht mehr zählen. Sie entscheidet sich schließlich für das Baby.
Auch Maria (Uraufführung am Linzer Landestheater 1993 mit Maria Ott) wird ein großer Erfolg und an verschiedenen Bühnen nachgespielt. Zuletzt reüssierte Zemme im Jahr 2004 mit dem Stück Salva Guardia oder Gewalt (Uraufführung im Schlossgraben in Steyr).

Zemme erhielt zahlreiche Preise, u. a. 1968 den Förderungspreis zum Landeskulturpreis Oberösterreich für Dramatik, 1969 den Theodor-Körner-Preis, 1971 den Gerhart-Hauptmann-Preis (gemeinsam mit Heinrich Henkel) und 1995 den Landeskulturpreis für Literatur des Landes Oberösterreich.

Julia Danielczyk

 

Die Hochzeit des Toren [Theaterstück, UA Linz 1954]. - Die Bessere Ernte [Theaterstück, UA Linz 1957]. - Das große Fischessen [Theaterstück, UA Saarbrücken 1959]. - Die Klingel. Eine Bagatelle. Wien 1967 [UA Saarbrücken 1968]. - Die Abreise [Theaterstück, UA Trier 1969]. - Die Nachtwächter. Szenen bei Nacht. Wien 1971 [UA Osnabrück 1969]. - Die Glückskonserve. Stück in 7 Bildern. Wien 1969 [UA Saarbrücken 1969]. - Maskierungen-Demaskierungen. Dramen. Wien 1971. - Die Gartenzwerge. Wien 1971 [UA Rottweil 1973]. - Heimatland. [Theaterstück, UA Linz 1979]. - Ausgesetzt. Der Türmer. [Theaterstücke.] Linz 1993. - Maria. Abschied von den Träumen. [Theaterstücke, UA 1993]. Steyr 1995. - Gegen den Strom schwimmen. Theatertexte. Linz 1998. - Blick aus der Kulisse. Linzer und andere Theateranekdoten. Mit Fotoserie Masken von Christa Zauner. Steyr 1998. - Wien liegt an der Moldau. Linz, Wien 2000. - Mein Koffer in Berlin. Kuriose Skizzen und Tagebuchblätter. Linz, Wien 2003.

Heger, Roland: Das österreichische Hörspiel. Wien 1997, 118-122. - Killy, Walther: Literaturlexikon, Bd. 12. Gütersloh, München 1992, 477. - Stockinger Heide (Hg.): Oskar Zemme. Linz 2002 (= Die Rampe 2002, Porträt).