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Rudolf Habringer

© Rudolf Habringer

Geb. 13.9.1960 in Desselbrunn (OÖ).
Der Autor von Romanen, Erzählungen und Theaterstücken ist außerdem als Musiker, Kabarettist, Literaturdidaktiker und Wissenschaftler tätig. Gleichzeitig zeigt er sich im oberösterreichischen Kulturleben und in der Auseinandersetzung mit dem kulturellen Erbe der Region als außerordentlich aktiv.

Nach der Matura in Linz begann Habringer ein Studium der Germanistik und Kombinierten Religionspädagogik an der Universität Salzburg, das er mit einer Diplomarbeit über Thomas Bernhard als Journalist abschloss (vgl. auch Habringer 2001);später war er als Regieassistent am Salzburger Landestheater tätig.Im Jahr 1992 erschienen seine ersten beiden eigenständigen Publikationen, der Erzählband Aus. Endlich und der viel beachtete Roman Der Fragensteller. Der Protagonist, ein junger Philosoph, der aus der Stadt Salzburg in ein Bergdorf an der Grenze zu Deutschland fährt, wirkt dort als Katalysator für das Erzählen der Bewohner; die Beschreibung der subtilen Einkapselungen und Kommunikationen im Roman erinnert mitunter an den Duktus Thomas Bernhards. Zwei Jahre später folgte Kopfständig. Roman in Zusammenhängen, in dem einzelne Geschichten und Schicksale zu einem Gesellschaftspanorama verflochten werden. 1998 erschien der dritte Roman LiebesKind. Eine Erfindung. Ab 1999 veröffentlichte Habringer insgesamt vier kurze Satirenbände (z. B. Hansi Hinterseer lernt singen, 2000), die eine Mischung von literarischen Parodien, humoristischen Alltagsbetrachtungen und fingierten Tagebucheinträgen enthalten. Diese und weitere Texte trägt Habringer bis heute auch an Kabarettabenden vor.

2000 gründete er gemeinsam mit Walter Kohl und Andreas Weber das Netzwerk Memoria, das versucht, Geschichte und Geschichten aus Oberösterreich und dem nahen Tschechien zu sammeln und zu einer "Gedächtnisbibliothek des 20. Jahrhunderts" zusammenzuführen. Der Band Mein Leben ist ein Roman. Alltagsgeschichten aus Oberösterreich (2003) oder das Projekt Tritt Ein Bring Glück Herein für das Festival der Regionen 2001 zeugen davon. In Stifter reloaded. Ein Dutzend bunter Steine (2005) beziehen sich jeweils sechs österreichische und tschechische AutorInnen in verschiedener Weise auf die titelgebende Erzählsammlung Adalbert Stifters. Der gemeinsam mit Josef P. Mautner (geb. 1955) herausgegebene Sammelband Der Kobold der Träume. Spuren des Unbewussten (2006) beinhaltet (Traum)Tagebucheintragungen und andere Texte von SchriftstellerInnen (u. a. Vladimir Vertlib, geb. 1966, und Anna Mitgutsch) und anderen KünstlerInnen. Vieles, was hier verhandelt wird, weist zurück und nach vor auf die eminente Bedeutung der Traumwirklichkeit in Habringers Texten. Vom Philosophiestudenten im Fragensteller, der immer wieder aus wüsten Träumen erwacht, bis zu Richard Behrends Traumskizzen in der Island-Passion spielt die Ebene des nächtlichen Phantasierens immer wieder eine zentrale Rolle: "Träume sind die flüchtigen Begleiter unserer Nächte. In ihnen kehrt die Tageswirklichkeit wieder, und gleichzeitig entsteht eine andere Realität." (Der Kobold der Träume, 9)Gerade diese Sichtweise rückt den Traum bei Habringer in enge Nähe zu den Verfahrensweisen literarischer Verfremdung.
Nach dem Erzählband Alles wird gut (2007), in dem Variationen stiller, vergeblicher Liebe durchgespielt werden, erschien 2008 der Roman Island-Passion. Hier wird - wie schon im Fragensteller oder im gemeinsam mit Menschen mit Behinderung erarbeiteten Theaterstück Hart. Heim. Suchung (2000) - die Zeit des Nationalsozialismus und ihre (fehlende) Aufarbeitung kritisch beleuchtet. Ein junger Musikwissenschaftler erforscht in den frühen 1970er-Jahren die Exilgeschichte des Karl Wallek (nach dem österreichischen Komponisten Viktor Urbantschitsch), erlebt den universitären Alltag jener Zeit und landet schließlich selbst in Island, im Exil.

Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit arbeitet Habringer intensiv in literatur- und kulturdidaktischen Bereichen, hält Schreibworkshops und Lesungen an Schulen ab und engagiert sich stark in der Literaturvermittlung für Kinder. Als Beispiel sei das Stück Endlich was los auf dem Mond für das Schäxpir Theaterfestival Linz 2008 genannt.
Für seine Arbeit wurde Habringer mit zahlreichen Preisen (u. a. Max-von-der-Grün-Preis 1989 und 1992, Österreichischer Förderungspreis für Literatur 2008) und Stipendien (u. a. Adalbert-Stifter-Stipendium 2012) ausgezeichnet. Er lebt als freier Schriftsteller in Walding bei Linz.

Harald Gschwandtner

 

Der Fragensteller. Roman. Graz u. a. 1992. - Kopfständig. Roman in Zusammenhängen. Graz u. a. 1994. - LiebesKind. Eine Erfindung. Roman. Graz u. a. 1998 (Neuauflage: Grünbach 2010). - Bernhard Minetti geht turnen. Satiren I. Linz u. a. 1999. - Hansi Hinterseer lernt singen. Satiren II. Linz u. a. 2001. - Der Auswegsucher. Über Thomas Bernhards Anfänge als Journalist. In: Manfred Mittermayer und Sabine Veits-Falk (Hg.): Thomas Bernhard und Salzburg. 22 Annäherungen. Salzburg 2001, 31-40. - Thomas Bernhard seilt sich ab. Satiren III. Linz u. a. 2003. - Mein Leben ist ein Roman. Alltagsgeschichten aus Oberösterreich. Hg. von Rudolf Habringer u. Walter Kohl. Weitra 2003. - Der Kobold der Träume. Spuren des Unbewussten. Hg. von Rudolf Habringer und Josef P. Mautner. Wien 2006. - Dieter Bohlen kommt zur Krippe. Satiren IV. Grünbach 2007. - Alles wird gut. Liebesgeschichten. Wien 2007. - Island-Passion. Roman. Wien 2008. - Engel zweiter Ordnung. Roman. Wien 2011. - Was plumpst da auf den Mond  (Illustrationen von Sibylle Vogel). Wien 2011. - Felix Baumgartner reißt einen Stern. Weihnachtssatiren. Linz 2013. - Was wir ahnen. Roman. Wien 2014. - Die Töpfe von Brüssel und andere Fettnäpfchen. Satiren. Linz 2016.

Hackl, Wolfgang: [Rez. zu:] Der Fragensteller. Roman. In: INN 10 (1993), H. 31, 112. - Janacs, Christoph: Der Fragensteller. Das Romandebut Der Fragensteller von Rudolf Habringer. In: Literatur und Kritik 28 (1993), H. 271/272, 87-88. - Ders.: [Rez. zu:] Kopfständig. Roman in Zusammenhängen. In: INN 12 (1995), H. 34, 71. - Holzner, Johann: Ein Haus aus Fakten, Wünschen und Lügen. In: Die Furche, 22.04.2008. - Kramlovsky, Beatrix M.: Ein Bogen fiktiver Lieben. Rudolf Habringers literarischer Blick auf Liebende. In: Die Furche, 2.8.2007. - Schreiber, Ewald: Nachrichten aus der REM-Phase. Der Kobold der Träume erzählt, was österreichische Autoren im Schlaf beschäftigt. In: Der Standard, 15./16.7.2006.