Ruth Aspöck

© Ruth Aspöck

Geb. 7.2.1947 in Salzburg.
Als Schriftstellerin ebenso wie als Herausgeberin, Verlegerin und Kulturvermittlerin sehr vielseitig tätig.

Ruth Aspöck wuchs in Linz auf, wo sie die Mozartschule und die Theodor-Körner-Schule besuchte. Die Sommermonate verbrachte sie bei den Großeltern im baden-württembergischen Schnaitheim (vgl. Aspöck 2000). Schon früh interessierte sie sich für Literatur, erste Schreibversuche folgten. "Seit ich denken kann, kritzle ich, seit ich schreiben kann, dichte ich", sagt sie über sich selbst (Interview). 1965 ging sie nach Wien, um  Theaterwissenschaften und Germanistik zu studieren (Promotion 1972). Linz, wo sie Anfang der 1970er Jahre am Landestheater als Regieassistentin arbeitete, empfand sie damals als "kulturell eine Wüste. [...] Das ist heute nicht mehr der Fall." (ebd.)

Schon während des Studiums verbrachte sie ein Auslandssemester in Madrid, wohin sie auch später gerne zurückkehrte. Auslandsreisen und -aufenthalte, u. a. in Mexiko und Kuba, wo sie das kulturelle und politische Geschehen aufmerksam verfolgte und literarisch verarbeitete (vgl. den Roman tremendo swing, 1997), prägen das Leben und Schreiben der Autorin. Ihre Arbeiten, die zunächst noch wissenschaftlich theoretisch ausgerichtet waren (vgl. Aspöck 1982, 1984, 1988) - Aspöck arbeitete lange Zeit in der Erwachsenenbildung -, zeichnen sich durch ein kritisches Bewusstsein und gesellschaftliches Engagement aus. Als Redakteurin und Mitherausgeberin der Frauenzeitschrift AUF (Aktion Unabhängiger Frauen) beschäftigte sie sich intensiv mit Fragen der Emanzipation und Gender-Thematik. Die späteren Texte ab den 1990er Jahren sind stärker literarisch geprägt und widmen sich Beziehungsfragen sowie der sprachlichen Wirklichkeit und Identitätsbildung (z. B. Ausnahmezustand für Anna, 1992; Muttersöhnchenmärchen, 1996). Im Zentrum des  Romans Kannitverstan (2005) steht der aus gut-bürgerlichen Verhältnissen stammende Jeremy John, der die Welt verändern möchte, ohne zu wissen wie.

Hauptwohnsitz blieb für Ruth Aspöck Wien, wenngleich mit der 1995 gegründeten und zugleich in Auberg/St. Peter am Wimberg im Mühlviertel ansässigen "Edition die Donau hinunter" (bis 2007) auch Oberösterreich einen Bezugspunkt bildete. Neben eigenen Büchern erschienen Neuauflagen vergessener AutorInnen sowie zahlreiche Anthologien u. a. von vorwiegend zeitgenössischen Texten über das Wasser, speziell die Donau. Kultur- und literaturgeschichtliche Projekte wie die "Rad Karawane" - eine von Autorenlesungen begleitete Reise mit wechselnden Stationen - sowie zuletzt eine Reisedokumentation auf den Spuren Franz Grillparzers (1791-1872) runden das vielseitige Schaffen der Schriftstellerin und Kulturvermittlerin ab. In ihrer zuletzt erschienenen Publikation, einer umfangreichen Montage von Tagebuch-Texten über 45 Jahre hinweg, formulierte sie einen Satz, der ihr Schaffen treffend umschreibt: "Ich brauche Widerstände, um mich zu formen." (Aspöck 2011, 361)

Ruth Aspöck war viele Jahre lang Vizepräsidentin der Grazer Autorenversammlung; sie erhielt 1984 den Adolf-Schärf-Förderungsbeitrag und das Staatsstipendium für Literatur des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst sowie 2011 die Buchprämie der Sektion Kunst und Literatur des Bundesministeriums.

Bernhard Judex

 

Angst ist Leben. Wer nicht Angst hat, ist tot. Wien 1981. - Der ganze Zauber nennt sich Wissenschaft. Zur sprachlichen Diskriminierung der Frau. Wien 1982. - Emma oder die Mühen der Architektur. Die Geschichte einer Frau aus Wien oder: Wer fürchtet sich vor dem schwarzen Mann. Wien 1988. - Ausnahmezustand für Anna. Wien, St. Peter am Wimberg 1992. - Wo die Armut wohnt. Essay. Wien, St. Peter am Wimberg 1992. - Gedichtet. Prosaische Lyrik. Wien, St. Peter am Wimberg 1995. - Muttersöhnchenmärchen. Entwicklungsroman. Wien, St. Peter am Wimberg 1996. - tremendo swing. Die achtziger Jahre in Kuba. Wien, St. Peter am Wimberg 1997. - Schnaitheim, Sommerheimat. Wien, St. Peter am Wimberg 2000. - (S)Trickspiel. Wien, Auberg 2003. - Kannitverstan. Roman. Wien, Auberg 2005. - Nichts als eine langweilige Blindschleiche. Eine Textmontage. Wien 2011. - Reisen mit Franz Grillparzer. Auf den Spuren des Dichters quer durch Europa. Wien 2012. - Der Krieg nach dem Frieden. Roman. Wien 2014. - Jadran heißt die Adria. Roman. Wien 2015.

Als Herausgeberin: Biografisches Lexikon der österreichischen Frauen seit 1918 (gemeins. mit Erika Weinzierl). Wien 1984. - Ein Buch von Flüssen. Anthologie. Wien, St. Peter am Wimberg 1994. - Donaugeschichten. Anthologie. Wien, St. Peter am Wimberg 1992 (2002). - Ganz schön fremd. Literaten aus Österreich und anderswo. Wien, St. Peter am Wimberg 1994. - Flüsse, Brücken, Ufer. Wien, Auberg 2003. - Am Quell der Donau. Wien, Auberg 2006.