Hauptinhalt

Stelzhamerbund

Geburtshaus Franz Stelzhamers; © Adalbert-Stifter-Institut / StifterHaus

Der Stelzhamerbund hat sich der Pflege aller Varianten und Klangfarben oberösterreichischer Mundart verschrieben. Er ist Gründungsmitglied im OÖ. Forum Volkskultur und eine der Säulen dieses Dachverbands der Volkskulturträger im Land.

Benannt nach dem Innviertler Mundartdichter Franz Stelzhamer, hat sich der Stelzhamerbund zu einer Vereinigung sprachinteressierter Menschen mit zeitgemäßen Anliegen entwickelt. Seine Ziele sind die Weitergabe der Muttersprache an heranwachsende Generationen, Ermunterung zur Verwendung der Mundart als Alltagssprache sowie die Förderung neuer Sprachkunst in der Mundart des 21. Jh. bei fortwährender Würdigung der historischen Vorbilder.
Der Stelzhamerbund wurde 1882 - bereits acht Jahre nach dem Tod Franz Stelzhamers - von Hans Zötl, Anton Matosch und Hans Commenda gegründet. Ihr wichtigstes Anliegen war zunächst die Erhaltung von Stelzhamers Geburtshaus in Großpiesenham, Gemeinde Pramet nahe Ried im Innkreis. Denn das "Vadernhaus" mit dem "Muadastübl" war damals vom Verfall bedroht. Danach stellten sich die Vereinsgründer neue Aufgaben wie die Schaffung des Sammelwerkes Aus dá Hoamát, der Verbesserung der Mundartschreibung, einer Gesamtausgabe der Mundartdichtung von Franz Stelzhamer, der Errichtung eines Stelzhamer-Denkmals in Linz und die Abhaltung von Heimatabenden.
Erster Obmann des Stelzhamerbundes war Hans Zötl (1846-1938), Landesgerichtsrat und Brauchtumspfleger. Er führte den Verein 56 Jahre lang. Seinem Nachfolger Hans Commenda (1889-1971) gelang es, das ehrgeizigste Ziel zu erreichen, nämlich die Erhebung von Stelzhamers Gedicht "'s Hoamátgsang" zur oberösterreichischen Landeshymne. Am 28. November 1952 erklärte der oberösterreichische Landtag die erste, zweite und achte Strophe des vom Mühlviertler Lehrer und Komponisten Hans Schnopfhagen (1845-1908) vertonten Gedichts einstimmig zur Landeshymne.
1939 wurde der Stelzhamerbund aufgelöst. Die Neugründung erfolgte 1946 durch Vereinigung mit dem "Bund oberösterreichischer Mundartdichter" unter dem Namen "Stelzhamerbund der Freunde oberösterreichischer Mundartdichtung". 2012 beschloss die Generalversammlung schließlich die Rückkehr zum Vereinsnamen "Stelzhamerbund".

Die Obleute des Stelzhamerbundes 

1882-1938: Dr. Hans Zötl,
1946-1954: Dr. Hans Commenda,
1955-1961: Karl Gattermeyer,
1962-1964: Wilhelm Schaumberger,
1964-1985: Wolfgang Dobesberger,
1985-1991: Dr. Katharina Dobler,
1991-2000: Dr. Karl Pömer,
2000-2006: Gertraud Stöckler-Schatzdorfer,
2006-2009: Karlheinz Sandner,
seit 2009: Mag. Klaus Huber.

"neue mundart"

Auf Anregung von Stelzhamerbund-Obmann Karl Pömer riefen Irmtraud Greifeneder und Henriette Sadler 1997 die Gruppe "neue mundart" ins Leben. Sie soll mithelfen, jüngere Autoren für Mundartdichtung zu gewinnen, versteht sich jedoch nicht als Gegenströmung zur Tradition.
Unter der Führung von Engelbert Lasinger (seit 2000) widmet sich die Gruppe weiterhin neuen Tendenzen und Stilrichtungen in der Mundartdichtung. Hauptanliegen sind ungereimte Texte zu aktuellen Themen, experimentelle Lyrik, Wortspiele, Aphorismen.
Zur Umsetzung dieser Anliegen veranstaltet die Gruppe "neue mundart" Schulungen und Seminare. In Schreibwerkstätten wird gedichtet, vorgetragen und über die eben entstandenen Texte diskutiert.
Walter Osterkorn leitet die Schreibwerkstätten des Stelzhamerbundes. Er gründete 2009 auch die Schreibwerkstatt "Zentrum" für zeitgenössische gereimte Mundartdichtung.

Mundart-Wettbewerbe

Seit 2011 schreibt der Stelzhamerbund im Zwei-Jahres-Rhythmus Literaturwettbewerbe für Mundartautoren aus: Der Franz-Stelzhamer-Preis wird für die besten Kurzgeschichten vergeben, der Franz-Hönig-Preis für gereimte Gedichte.

Der Stelzhamerbund hat derzeit rund 1.000 Mitglieder in allen österreichischen Bundesländern, Südtirol und Bayern. Aktuelle Berichte und Hintergrundinformationen, aber auch Josef Kettls Kolumne "ars poetica" - Zitate berühmter Dichter über ihren Zugang zu Literatur - bringen die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift wortgarten sowie die Homepage des Stelzhamerbundes.

Im Herbst 2014 legt der Stelzhamerbund das grundlegende Wörterbuch zur oberösterreichischen Volksmundart von Otto Jungmair und Albrecht Etz (1978) neu auf.

Klaus Huber