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Susanne Wantoch

© Zentrales Parteiarchiv der KPÖ

Geb. 28.7.1912 in Trentschin (heute: Trenčin, Slowakei), gest. 6.7.1959 Raxalpe.
Als Autorin sozialkritischer Erzählungen und politisch engagierter "Nachkriegsliteratur" ist die kommunistische Schriftstellerin Susanne Wantoch bald in Vergessenheit geraten.

Ihre Kindheit und Jugend verbrachte die im heute slowakischen Trenčin (damals Österreich-Ungarn) geborene Susanne Wantoch (geb. Eisenberger) in Hamburg, Köln und von 1921 bis 1927 in Linz. Die Matura absolvierte sie im Juni 1930 in Wien, wo sie 1932 ein Hochschulstudium (mit anschließender Lehrbefähigungsprüfung für Englisch und Französisch) begann und von Februar 1936 bis Ende Juli 1938 als Fremdsprachenkorrespondentin bei einer britischen Schifffahrtslinie arbeitete. 1931 trat sie dem "Kommunistischen Jugendverband" (KJV) bei, 1934 war sie nach den Februarkämpfen ca. zehn Tage in Linz inhaftiert. 1935 - in den Jahren der Illegalität - wurde sie in die KPÖ überstellt. In diese Zeit fallen auch ihre ersten literarischen Versuche, publizieren konnte sie jedoch erst nach 1945.

Bereits 1948 machte Wantoch mit einer Buchveröffentlichung auf sich aufmerksam. Nan Lu - Die Stadt der verschlungenen Wege erschien im Globus-Verlag der KPÖ (1949 folgten eine tschechische und polnische Übersetzung sowie eine Lizenzausgabe für die DDR). Wantoch hatte den ersten Entwurf der Erzählung bereits 1944/45 in China geschrieben, wohin sie im November 1938 gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Arzt Theodor Arno Wantoch, auf der Flucht vor den Nazis emigriert war. Zunächst arbeitete sie dort als Krankenpflegerin des Roten Kreuzes, ab 1941 als Sprachlehrerin an mehreren Universitäten im Inneren Chinas, 1943-45 als englische Korrespondentin einer Hilfsorganisation in Chungking. Nach dem Tod ihres Mannes - er verstarb im Dezember 1945 an Tuberkulose - kehrte Wantoch im März 1947 nach Wien zurück. In Nan Lu gestaltet sie ihre eigenen Erlebnisse im Kriegsgebiet zur Zeit des Kuomintang-Regimes in einer kleinen Stadt in den Bergen Nordchinas, Zufluchtsort für eine in das Landesinnere evakuierte Universität, die von den Japanern bedroht wird. Die Erzählung war eine der ersten Schilderungen der Umbrüche in China, die in Österreich erschien.
Nach ihrer Rückkehr begann Wantoch für die Parteipresse der KPÖ zu arbeiten: Für das Zentralorgan Österreichische Volksstimme und die Tageszeitung Der Abend, die parteieigenen Zeitschriften Stimme der Frau und Die Woche sowie für die Kulturzeitschrift (Österreichisches) Tagebuch verfasste sie als ständige Mitarbeiterin hunderte Reportagen und Kurzgeschichten sowie Gedichte, Glossen und Kritiken. Einen bedeutenden Anteil an ihren Veröffentlichungen hatten neben Nachdichtungen aus dem Chinesischen Erzählungen und Gedichte über China. Als freie Journalistin war Wantoch zunächst auch auf Brotberufe angewiesen, z.B. als Sekretärin in einer Rechtsanwaltskanzleioder als Korrespondentin bei der polnischen Gesandtschaft in Wien. Ab Jänner 1952 arbeitete sie ausschließlich als Journalistin und Schriftstellerin, nachdem sie in der Redaktion der Volksstimme eine halbtägige Anstellung als Filmkritikerin gefunden hatte.

1953 publizierte der tschechische Verlag Romanové novinky Wantochs Roman Das Haus in der Brigittastraße, den im Jahr zuvor die Volksstimme als Fortsetzungsroman gebracht hatte, in einer beachtlichen Auflage von 50.000 Stück. 1955 erschien der Roman auch in Österreich. Der Text handelt vom Leben einfacher Menschen im Wiener Arbeiterbezirk Brigittenau in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Was im Kulturkampf des Kalten Krieges der gegnerischen Presse als Parteipropaganda erschien - der Stoff sei "in die Gestalt eines tagespolitischen Leitartikels gezwängt" (Joseph Strelka) -, lasse umgekehrt "Menschen in ihren Möglichkeiten" erkennen (Hackl 1996, 309). Sie sind allesamt keine Helden, sondern der Wirklichkeit nachempfundene "kleine Leute".
1954 erschien in der vom Globus-Verlag herausgegeben Anthologie Der Kreis hat einen Anfang Wantochs Kindernovelle über verwahrloste Kinder in den Straßen Wiens. Im Mai 1955 erhielt sie für die Erzählung Mirl und der Frieden im Literaturwettbewerb des "Charlie-Chaplin-Friedensfonds" in der Sparte "Erzählungen" den dritten Preis. Unveröffentlicht blieb eine Anthologie mit Erzählungen über den antifaschistischen Widerstandskampf österreichischer KommunistInnen in den Jahren 1934 bis 1945. Das Manuskript mit dem Titel Die heilige Flamme wurde sowohl 1950 als auch 1955 vom Verlag an die Autorin zurückgestellt, Auszüge daraus erschienen jedoch in der Volksstimme.

Anfang Juli 1959 verunglückte Wantoch bei einer Bergwanderung auf der Raxalpe tödlich, ihre sterblichen Überreste wurden erst im Mai 1964 nach der Schneeschmelze geborgen. Vieles spricht für einen Selbstmord, war sie doch unmittelbar vor dem Unglück als redaktionelle Mitarbeiterin der Volksstimme gekündigt worden.

Manfred Mugrauer

 

Nan Lu. Die Stadt der verschlungenen Wege. Eine Erzählung aus dem China von heute. Wien 1948. - Kindernovelle. In: Der Kreis hat einen Anfang. Neue österreichische Erzählungen. Wien 1954, 199-250. - 16 Tage im neuen Rumänien. Bericht über die Studienreise einer Gruppe österreichischer Intellektueller durch die Rumänische Volksrepublik. Hg. von der Österreichischen Intellektuellendelegation in die RVR (1954). Wien 1955. - Das Haus in der Brigittastraße. Roman. Wien 1955. - Von Nichts zu Nichts ein eiserner Balkon. Gedichte. Wien 1970 (= Neue Dichtung aus Österreich, Bd. 161).

Hackl, Erich: Abgängig seit Juli 1959. Erster Bericht über die Schriftstellerin Susanne Wantoch. In: Postscriptum. Linz 1996 (Die Rampe. Hefte für Literatur, Extra), 11-26 (auch in: Ders.: In fester Umarmung. Geschichten und Berichte. Zürich 1996, 290-317). - Mugrauer, Manfred: "Die heilige Flamme". Über die kommunistische Schriftstellerin Susanne Wantoch und eine unveröffentlichte Sammlung von Erzählungen über den österreichischen Widerstandskampf. In: Zwischenwelt. Zeitschrift für Kultur des Exils und des Widerstands 24 (2007), H. 3, 24-34.