Till Mairhofer

© Till Mairhofer

Geb. 29.5.1958 in Steyr.
Autor von Lyrik und Prosa, Kulturberichterstatter, Verleger und Herausgeber.

Aus sozialdemokratisch geprägtem Elternhaus stammend, war Till Mairhofer schon als Schüler künstlerisch aktiv: Er verfasste zeitkritische Couplés und inszenierte bzw. aktualisierte Ferdinand Raimunds Der Verschwender. Als Absolvent der Pädagogischen Akademie und des Bruckner-Konservatoriums in Linz unterrichtet er Deutsch und Musikerziehung. In seiner Doppelfunktion als Lehrer und Schriftsteller definiert sich Mairhofer als Literaturpädagoge. Er vermittelt Dichtung als Sprachkünstler, Kulturberichterstatter, Rezensent und Vortragender, führt Wanderungen zu literarischen Originalschauplätzen, wie z. B. zu Marlen Haushofers Heimat um Frauenstein. Er ist Mitglied der Grazer Autorenversammlung, Mitbegründer des Verlages "edition wehrgraben" und Obmann des Marlen Haushofer-Literaturforums.

Als Lyriker beherrscht Mairhofer das Vokabular des 20. Jh.: expressionistische Wortwahl, Sprachmontage, Verknappung und Rhythmisierung. Alltagssituationen, spontane Beobachtungen, Stimmungen sind Impulse für seine lyrischen Protokolle, die a priori den individuellen Standpunkt zum Allgemeinen erheben. Seine Prosa ist oft mit lyrischen Passagen durchsetzt, um Erwartetes zu durchbrechen. In Kopfgehen (1991) stehen Gedichte und Prosa im Wechsel nebeneinander. Mairhofer verzichtet auf Satzzeichen und erzielt dadurch einen assoziativen Sprachfluss. Die formale Unruhe ist Spiegel der inneren Unruhe.
In influß (1995) ordnen sich autobiografische Bewusstseinsströme vor einem zeitkritischen Hintergrund. Mairhofer wettert empathisch gegen äußere und innere Missstände, vor allem gegen Gleichgültigkeit und kulturelles Desinteresse politischer Entscheidungsträger. Er sieht sich selbstkritisch, mitunter selbstironisch als Querdenker, der keinen anderen Standpunkt akzeptieren kann als den eigenen. prae:positionen (2004) nennt Mairhofer eine Gedichtauswahl aus den Jahren 1997 bis 2003. Er misst jenen kleinen Wörtern, die Satzglieder auf vielfältige Weise einleiten, eine wichtigere Bedeutung zu als den großen. Durch Einfügen von Satzzeichen an ungewohnter Stelle oder wahlweise gesetzte Buchstaben stellt er Eindeutiges in Frage. Die drei Gedichtbände im Schuber wurden vom Verband österreichischer Buchhändler als schönstes Buch des Jahres gewürdigt.
Mairhofer hat sich auch mit dem Jugendbuch literarisch auseinandergesetzt. In Der Bomber (1998) dient ihm das provinzielle Fußballmilieu als Schilderung der späteren oberösterreichischen Nachkriegszeit. Caro und Karoline (2005) thematisiert die Probleme zwischen Tochter und alleinerziehender Mutter.
Zu nennen sind auch Mairhofers umfangreiches essayistisches Werk und zahlreiche unveröffentlichte Prosa, z. B. Linzeröd  (1994) oder Die Veranstalter (2002). Als Herausgeber betreute er u. a. das Gesammelte Werk Dora Dunkls und gab gemeinsam mit Erich Hackl das Steyrer Lesebuch Das Y im Namen dieser Stadt heraus. Er erhielt den zweiten Lichtensteinpreis für Lyrik (1979), den Förderungspreis für Pädagogik der Gegenwart (1979) und den Schreibwerkstattpreis des Landes OÖ (1985).

Marlene Krisper

 

Kopfgehen. Gedichte&Texte. Steyr 1991. - [Als Hg.:] Dora Dunkl. Ein Haus aus Stein. Steyr 1992. - influß. Zehn BewußtseinsStröme. Steyr 1995. - moses oder ein echo für vögel. Liebesgedichte. Weitra 1997. - Der Bomber. Roman. Linz 1998. - prae:positionen. ausgewählte gedichte 1997-2003. Aspach 2004. - [Als Hg. gem. mit Erich Hackl:] Das Y im Namen dieser Stadt. Ein Steyr Lesebuch. Steyr 2005. - Caro & Karoline. Wien 2005. - Steyrs kleine Fußballwelt, in der die große ihre Probe hält. In: Michael John, Franz Steinmaßl (Hg.): ...wenn der Rasen brennt... 100 Jahre Fußball in Oberösterreich. Grünbach 2008, 41-46 u. 146-156.