Hauptinhalt

Walter Wippersberg

© Adalbert-Stifter-Institut / StifterHaus

Geb. 4.7.1945 in Steyr, als Walter J. M. Wippersberger; gest. 31.1.2016, ebd.
Wippersberg zählt mit seinem außerordentlich umfang- und facettenreichen Schaffen (Theaterstücke, Hörspiele, Romane, Kinder- und Jugendbücher, Essays, Fotoserien, TV-Dokumentationen, Spielfilmdrehbücher, Rundfunkfeatures und Filme) zu einem der renommiertesten oberösterreichischen Künstlern der Gegenwart.

Nach dem Schulbesuch in Steyr studierte Wippersberg ab 1964 Theaterwissenschaft, Kunstgeschichte und Psychologie an der Universität Wien, brachte das Studium allerdings zu keinem Abschluss. Parallel arbeitete er bereits als Bühnenbildner und Regisseur an verschiedenen Kleinbühnen. 1990 wurde er - nachdem er über zwanzig Jahre als freischaffender Künstler tätig war - Ordinarius an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien, wo er die Klasse "Drehbuch und Dramaturgie" leitete. Er lebte als Schriftsteller, Regisseur, Filmemacher und Hochschullehrer in Losenstein im Traunviertel und in Wien. 

Bereits im Alter von 24 Jahren reüssierte Wippersberg als Hörspielautor und Dramatiker. Epitaph für Marius Koszinski wurde 1969 im ORF-Landesstudio Salzburg ausgestrahlt und der Einakter In den Regen 1970 in Wien im Kleinen Theater der Josefstadt im Konzerthauskeller uraufgeführt. Ebenfalls 1970 erschien mit dem Protokoll Maghreb oder: Die Erinnerung an das Leben nach dem Tod (Linzer Bücherei) seine erste Buchveröffentlichung. Neben Hörspielen, Experimental- und Kurzfilmen (etwa Der Abschied, ORF 1972) sowie TV-Features (z. B. Mir san mir, ORF 1978) widmete sich Wippersberg in den Folgejahren auch intensiv der Kinderliteratur. Selbst vorübergehend als Lektor bei Kinderbuchverlagen tätig, veröffentlichte er 1971 im Obelisk-Verlag Schlafen auf dem Wind, das ihm in der Kinderliteraturszene schlagartig höchste Anerkennung entgegenbrachte. Zu seinen bekanntesten Kinderbüchern zählen Kater Konstantin (3 Bände, 1973-75) und Schlechte Zeiten für Gespenster (1984) - letzteres in mehrere Sprachen übersetzt und als TV-Film 1987 in der ARD ausgestrahlt.

1979 erschien im Paul Zsolnay-Verlag der Roman Gegenlicht. Er erzählt die Geschichte einer Entführung und die Konfrontation zwischen einem alten Mann und einem Kind, die beide zahlreiche Konflikte mit der feindseligen Umwelt auszutragen haben und zu einer sehr ungewöhnlichen Gemeinschaft zusammenwachsen. 1983 wurde der Roman als TV-Produktion für ARD und ORF verfilmt. Das Drehbuch schrieb Wippersberg selbst, Regie führte Michael Kehlmann. Obgleich auch sein zweiter Roman, Ein Anfang von etwas, der 1982 ebenfalls bei Zsolnay erschien, positiv wahrgenommen wurde, erlangte Wippersberg erst mit der sogenannten "Österreichischen Trilogie" ein Renommee als Romanautor. In Die Irren und die Mörder (1998) zeigt Wippersberg am Beispiel einer "wohlanständigen" Kleinstadt die Abgründe des österreichischen Bürgertums auf. Der Folgeroman Ein nützlicher Idiot (1999) beschreibt die Machenschaften einer rechtspopulistischen Partei und Die Geschichte eines lächerlichen Mannes (2000), die den Aufstieg und Fall eines jungen sozialdemokratischen Kommunalpolitikers zum Thema hat, liefert eine präzise Analyse heutiger politischer Zustände.
Gesellschaftspolitischen Spürsinn sowie die kritische Auseinandersetzung mit Ausgrenzung, Vorurteilen und Intoleranz kennzeichnen auch Wippersbergs Essays, die er u. a. für Der Standard und Die Presse schrieb, und seine satirischen Dokumentationen Das Fest des Huhnes (ORF und 3sat 1992), Dunkles, rätselhaftes Österreich (ORF 1994) sowie Die Wahrheit über Österreich oder: Wie man uns betrogen hat (ORF 2001).

Wippersberg ist ein Autor, der sich einmischt und für die Kultur - vor allem seiner oberösterreichischen Heimat - einsetzt. 1980 war er maßgeblich an der Erhaltung des Steyrer Wehrgrabens, eines einzigartigen Systems von Wasserläufen und historischen Wehren, beteiligt. Als jahrelanger Sprecher der IG Autoren in Oberösterreich und Mitglied des oberösterreichischen Landeskulturbeirats trat er erfolgreich für die Aufstockung des Literaturbudgets ein. Für sein künstlerisches Schaffen wurde Wippersberg eine Vielzahl von Preisen zuerkannt - so 1972, 1975 und 1986 der Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Wien, 1988 der oberösterreichische Landeskulturpreis für Literatur und 2005 das Verdienstzeichen des Landes Oberösterreich.

Michael Hansel

 

Maghreb oder: Die Erinnerung an das Leben nach dem Tod. Ein Protokoll. Linz 1970. - Schlafen auf dem Wind. Wien, Innsbruck 1971. - Fluchtversuch. Wien, Innsbruck 1973 (verfilmt 1976). - Der Kater Konstantin. 3 Bände. Wien, Innsbruck 1973-75. - Augenzeugen. Wien, Innsbruck 1975. - Gegenlicht. Roman. Wien, Hamburg 1979 (verfilmt 1983). - Ein Anfang von etwas. Roman. Wien, Hamburg 1982. - Name des Landes: Azania. Ein Südafrika-Buch. Wien, München 1982. - Der Wehrgraben in Steyr. Ein Essay und 138 Fotografien. Steyr 1982. - Schlechte Zeiten für Gespenster. Wien, Innsbruck 1984 (verfilmt 1987). - Julias Hexe. Wien, Innsbruck 1987. - Max, der Unglücksrabe. Wien, Innsbruck 1990. - Die Stadt Steyr. Linz 1990. - Ein Winter mit Piraten. Wien, Innsbruck 1992. - Die Irren und die Mörder. Roman. Salzburg 1998. - Ein nützlicher Idiot. Roman. Salzburg 1999. - Die Geschichte eines lächerlichen Mannes. Roman. Salzburg 2000. - Der Ritter von der traurigen Gestalt. Leben und Taten des scharfsinnigen Edlen Don Quixote von La Manche von Miguel de Cervantes Saavedra. Wien, Innsbruck 2001. - Einiges über den lieben Gott. Wie er erfunden wurde und wohin das geführt hat. Salzburg, Wien 2006. - Eine Rückkehr wider Willen. Zwei Berichte über mich. Salzburg Wien 2008. - Der Krieg gegen die Raucher. Zur Kulturgeschichte der Rauchverbote. Wien 2010. - Vierzehn Monate. Vierzehn Jahre. Aufschreibungen. Salzburg 2010.

Als Herausgeber: Oberösterreich. Ansichten und Einblicke. Linz 1994. - LandSchrift. Auf der Suche nach kultureller Identität. Literatur aus und über Oberösterreich. Linz 1995. - 50 Jahre "Wiener Filmakademie". Wien 2003.

Schacherreiter, Christian (Hg.): Walter Wippersberg. Linz 2003 (= Die Rampe 2003, Porträt) [darin ausführliche Bibliografie der Theaterstücke, Hörspiele, Rundfunkfeatures, Spielfilm-Drehbücher, TV-Features und Filme].