Claudia Bitter

© Mara Sykora

(d. i. Claudia Sykora-Bitter)
Geb. 23.6.1965 in Antiesenhofen, OÖ.
Autorin von Prosa und Lyrik sowie Zeichnungen und Collagen, die sie in den Kontext ihrer literarischen Arbeiten stellt.

Claudia Bitter ging 1983 - nach der Matura am BORG in Ried/Innkreis - nach Wien, wo sie heute mit ihrer Familie als Autorin, Bibliothekarin der Büchereien Wien und als Russisch-Übersetzerin lebt. Ihr Studium der Slawistik und Ethnologie schloss sie 1992 mit einer Arbeit über russische Zaubermärchen ab.1991 trat sie dem Arbeitskreis "Autorinnen an der Volkshochschule Ottakring" bei, in dessen Zeitschrift Entladungen auch erste Gedichte Bitters zu finden sind. Seitdem veröffentlicht sie in Anthologien und Literaturzeitschriften, darunter Podium oder Die Rampe

Bitters erstes Buch, was man hier verloren hätte von 2001, enthält elf kurze Prosatexte in konsequenter Kleinschreibung. Die Hauptfiguren versuchen sich von Ängsten und Zwängen zu befreien, kämpfen gegen quälende Gedanken an Vergangenes oder die Zukunft, was besonders überzeugend in der Form einer beschwörenden "Infinitivprosa" gestaltet ist (z. B.: weintrinken). Dieser begegnet man im Erzählband Verloren gehen (2008) wieder (Ans Ufer gehen wollen), in dem insgesamt konventioneller erzählt wird; thematisch schließen die Texte an jene im Erstling an: Es sind Geschichten über vereinzelte Menschen, über Selbstbehauptung und -entfremdung.
Wie die beiden Erzählbände führt auch die Gedichtsammlung stimme verliert sich von 2005 das Motiv des Verlusts im Titel. Bitters sinnliche Lyrik changiert zwischen Verknappung und Verspieltheit und reflektiert die ambivalente Beziehung des Menschen zur Sprache, die "zufluchtsort" (92) sein, aber auch verletzen kann ("glasklares wort / ein schnitt durch die kehle", 12). Als Beigabe zu den Gedichten enthält das Buch "sieben farbzeichnungen der autorin". 

Als bildende Künstlerin präsentiert sich Bitter auch auf ihrer Website sowie im 2012 erschienenen Buch Wortvögel/Blattwörter, in dem Bildcollagen mit lyrischen Aussagen in ein intermediales Zwiegespräch treten. Sie schafft darin eine Gemeinschaft von papierenen Sprachkreaturen, die - abseits vom Menschen - in einer Uferlandschaft voller Zeichen und Bilder existieren.
Bitter erhielt für ihre literarischen Arbeiten mehrere nationale Preise und Stipendien.

Gerhard Hubmann

 

Zur Morphologie des russischen Zaubermärchens (Strukturelle und sprachliche Besonderheiten). Dipl.-Arb. Universität Wien 1992. - frau an frau, freundinnen. In: Entladungen 2/1992, 5f. - was man hier verloren hätte. Linz u. a. 2001. - stimme verliert sich. gedichte. mit sieben farbzeichnungen der autorin. Aspach u. a. 2005. - Verloren gehen. Erzählungen. Wien 2008. - Wortvögel/Blattwörter. Wels 2012. - Die Welt auf meiner Haut. Erzählungen. Wien 2013. - Fischfliegen. Aus dem Leben der Flügelflosser. Wien o. J. [2016].

Gelbmann, Alfred: Nachwort des Herausgebers. In: Claudia Bitter: Wortvögel/Blattwörter. Wels 2012, 156-159. - Loidl, Christian. Vorwort. In: Claudia Bitter: was man hier verloren hätte. Linz u. a. 2001, 7-9.