Die Rampe

Cover des ersten Hefts, 1/1975

Als Werkzeug der regionalen Literaturförderung von öffentlicher Hand geplant, entwickelte sich die Die Rampe zur eigenständigen Literaturzeitschrift zwischen Eigensinn und Repräsentation.

Bereits der Gründung der Rampe, auf Betreiben des Leiters der Kulturabteilung Karl Pömer (1924-2007) und unter Schutzherrschaft des damaligen oberösterreichischen Kulturlandesrates Josef Ratzenböck (geb. 1929), wohnte ein besonders für die ersten Jahre markanter Zwiespalt inne: Als politische Maßnahme der Literaturförderung vorgesehen, war den Handelnden doch bewusst, dass die Begegnung zwischen Kunst und Politik Konfliktpotenzial bergen konnte. Schon während den Vorbereitungen 1973 Gegenstand der Spekulationen und der Kritik der lokalen Presse, geriet die Zusammenstellung des Herausgeberteams zur Nervenprobe auf allen Seiten. Während Beamte und Landespolitiker zwischen den Polen von Landesinteressen und der Freiheit der Kunst einen gangbaren Weg suchten, forderte die konkrete Realisierung des Projekts Kompromisse vonseiten der konventionellen Literatur (Gertrud Fussenegger) sowie der Avantgarde (Heimrad Bäcker). Als pragmatischer Vermittler wurde Wolfgang Kraus (1924-1998) aus Wien an Bord geholt, der zudem die wertvolle Adressensammlung der Österreichischen Gesellschaft für Literatur beisteuerte.
Der nicht unbedingt glücklich gewählte Titel der Zeitschrift stammte von Fussenegger und sollte das Bild einer "Auffahrts-Rampe neuen Schrifttums" evozieren. Er setzte sich gegen andere Vorschläge wie u. a. den von Pömer favorisierten - "MOVA (Modelle und Variationen)" - durch (G. Fussenegger an H. Bäcker, 30.5.1974; NL HB).

Das erste Heft der neuen Zeitschrift, das 1975 erschien, ließ bereits die Charakteristik der nächsten Jahre erkennen: Mit dem Berliner Tagebuch von Franz Tumler als Eröffnungstext präsentierte Die Rampe gleich zu Beginn eine Textsorte, die sonst kaum im Zentrum des literarischen Interesses stand. Auch in den folgenden Heften fanden sich immer wieder Tagebuchauszüge, Prosaentwürfe oder Reisenotizen. Ungewöhnlich war zudem der breite Raum, der den AutorInnen zugestanden wurde - trotz eines Umfangs von fast 200 Seiten kamen pro Heft kaum zehn von ihnen zu Wort. Dass ein Berliner Tagebuch am Anfang stand, sollte dem möglichen Vorwurf der Heimattümelei begegnen - nur um dann von der lokalen Presse der Vernachlässigung originärer oberösterreichischer Literatur geziehen zu werden. Inwieweit die oberösterreichische Identität oder zumindest Herkunft der AutorInnen eine Rolle spielen sollte, war  bereits vor der Gründung Streitthema: Von Beamtenseite, v. a. Karl Pömer, als bescheiden vorgetragener Wunsch formuliert, von Fussenegger als "Anrainer im weitesten Sinn" (G. Fussenegger an W. Kraus, 29.5.1974; NL HB) verstanden, karikierte Bäcker die regionale Zentrierung mit seinen gewagten ‚Oberösterreichisierungen‘: So sei etwa Gerald Bisinger (1936-1999)"zumindest als Volksschüler in die oberösterreichischen Landesfarben gehüllt" (H. Bäcker an K. Pömer, 28.5.1975; Rampe Archiv) gewesen. Die etwas unklare Grenzziehung wirkte sich auch auf die Einsendungen aus: Während manche AutorInnen in der Annahme, Die Rampe sei nur OberösterreicherInnen vorbehalten, zögerten, Texte einzusenden, pochten andere durchaus kräftig auf ihren - in der Konstituierung der Zeitschrift nicht vorgesehenen - Heimvorteil.

Bisinger war es auch, dessen Scheiss-Gedicht schon im zweiten Heft die Spannungen im Herausgeberteam zwischen Fussenegger und Bäcker aufbrechen ließ: Nach hektischer Diplomatie vonseiten Kraus' und Fritz Lichtenauers (geb. 1946), dem langjährigen geschäftsführenden Redakteur, sowie der - erfolglosen - Anfrage Bäckers an Bisinger um Titeländerung ("das Äußerste, wozu ich mich in meinem Literatenleben jemals bereitfand", Rampe 1995, 13), konnte das Gedicht zwar abgedruckt werden, am Heftende fand sich jedoch ein "votum seperatum", in dem Fussenegger ihre Ablehnung des Textes bekundete.
Dass Heimrad Bäcker aufgrund der alphabetischen Reihenfolge als erster seinen Platz im Herausgeberteam gemäß des bei der Gründung beschlossenen Rotationsprinzips räumen musste, bedeutete für Die Rampe nicht automatisch, dass die Literatur der Avantgarde keinen Raum mehr bekam. Bäcker hatte zuvor noch mit der Einführung von "Proben junger Autoren" ein Forum für neue literarische Zugänge geschaffen. Die "Proben" waren jedoch nicht klar abgegrenzt. Junge, aber bereits bekanntere AutorInnen konnten auch im Hauptteil veröffentlichen, was zuweilen zu Kritik und Eifersüchteleien führte. Schon vor der völligen Umgestaltung der Zeitschrift wurde 1989 der Name geändert und lautete unverfänglicher Kurzbeiträge. Die Zahl der Erst- bzw. sehr frühen Veröffentlichungen heute arrivierter SchriftstellerInnen ist jedenfalls beträchtlich: u. a. Reinhold Aumaier, Elfriede Czurda, Anselm Glück, Evelyn Grill, Rudolf Habringer, Harald Kislinger (geb. 1958), Günter Giselher Krenner (geb. 1946), Hermann Obermüller, Christian Schiff (geb. 1949) und Heide Voitl.
Die ersten Jahre der Rampe waren durch eine beträchtliche Vielzahl unterschiedlicher BeiträgerInnen gekennzeichnet, kaum jemand veröffentlichte mehr als zwei Texte. Erst ab 1988 lässt sich in einigen Fällen von Rampe-AutorInnen sprechen, denen die Zeitschrift - zumindest bis zum Relaunch 1993 - eine stetige Veröffentlichungsmöglichkeit bot, z. B. für Glück, Krenner, Franz Rieger und Waltraud Seidlhofer. Immer wieder wurde kritisiert, dass auch nicht-oberösterreichische, jedoch sehr bekannte SchriftstellerInnen wie etwa Peter Handke, Bodo Hell, Ernst Jandl, Friederike Mayröcker oder Andreas Okopenko um Texte gebeten wurden. Die Überlegung der HerausgeberInnen und des Landes jedoch war, dass prominente Namen den unbekannteren AutorInnen zugute kommen sollten.

1993 wurde die Zeitschrift auf einen neuen jährlichen Erscheinungsmodus umgestellt: Nur noch ein Heft wurde jetzt von einem weiterhin wechselnden Herausgeberteam zusammengestellt und dabei meist an ein Thema gebunden. Die weiteren Hefte waren jeweils ein AutorInnenporträt, das die nun seitenstärksten - und meistverkauften - Nummern der Rampe bot, ein Heft, das ab 2005 die TrägerInnen des Landeskulturpreises, die GewinnerInnen der Talentförderungsprämien und die Adalbert-Stifter-StipendiatInnen mit Texten vorstellte, sowie ein weiteres, dessen Gestaltung einer ausgewählten oberösterreichischen literarischen Vereinigung oblag. Letztere waren nur in begrenzter Zahl vorhanden, sodass sich danach ein Heft im Jahr einem bestimmten Schwerpunktthema widmete. 2006-08 erschien zusätzlich die Rampe für junge LeserInnen - ganz im Sinne der parlamentarischen Verfassung der Zeitschrift von einer Kinderjury gestaltet.
Mit ihrem Taschenbuchformat war Die Rampezu Beginn fast mehr Anthologie als Zeitschrift, erst ab 1993 wurden die Hefte schmäler. Die dezente Titelblattgestaltung stammte von Herbert Friedl. Gottfried Hattinger beschränkte sich zuerst auf kleinere Änderungen, ab 1993 legten die Hefte im Zuge der auch inhaltlichen Neukonzeption ihr striktes Designkonzept ab. Gerti Plöchl verschaffte der Zeitschrift ab 2005 ein neues Format, einige Hefte, wie die AutorInnenporträts, Rampe EXTRA und Sondernummern waren zuvor im A4-Format erschienen. 2004 verließ Fritz Lichtenauer, der Die Rampe schon seit ihrer Planungsphase begleitet hatte und mit der Koordination und Organisation der Zeitschrift befasst war, das Team; ab 2005 fungiert das StifterHaus als Herausgeber.

Ob Die Rampe den ihr zugedachten Zweck der Literaturförderung über das Herstellen von Öffentlichkeit tatsächlich erfüllt hat, ist mehrfach diskutiert worden: Trotz der im Vergleich mit anderen Publikationen stets hohen Honorare und der mittlerweile großen Anzahl an AutorInnen, die publizieren konnten, kann Die Rampe längerfristigere und breitenwirksamere Maßnahmen nicht ersetzen. Dennoch bedeutet eine Veröffentlichung in der Zeitschrift für junge SchriftstellerInnen einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Wahrnehmung. Obwohl vom Land Oberösterreich gefördert, blieb die Zeitschrift politisch und inhaltlich stets unbeeinflusst. Regionalität spielt eine starke Rolle, ohne in Provinzialität abzudriften. Ihr Eintreten auch für Arten der Literatur, die sich der oberflächlichen und raschen Aufmerksamkeit entziehen, kann nicht genug hervorgehoben werden. Vielleicht ist es gerade der starke Hang zur Selbstkritik, der die Qualität der Zeitschrift ausmacht. Beinahe selbstanklagend stellte der Kulturdirektor der Stadt Linz, Julius Stieber, anlässlich des zwanzigjährigen Erscheinens die Frage: "Wenn es die RAMPE nicht mehr gäbe, wer, außer die [...] AutorInnen, würde den Verlust bemerken?" (Rampe 1995, 5) Die Rampe erscheint auch heute noch.

Holger Englerth

 

Die Rampe. Selbstporträt 1975-1995. Linz 1995 (= Rampe 1995). - Esterhammer, Ruth; Gaigg, Fritz; Köhle, Markus: Handbuch österreichischer und Südtiroler Literaturzeitschriften 1970-2004. Innsbruck 2008, 250-259. - Mittendorfer, Sabine: "Die Rampe". Analyse einer Literaturzeitschrift unter besonderer Berücksichtigung der Förderung junger Autoren. Hausarbeit Univ. Salzburg 1983. - Nachlass Heimrad Bäcker. Österreichische Nationalbibliothek (= NL HB).