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Karl Adam Kaltenbrunner

© Adalbert-Stifter-Institut / StifterHaus

Geb. 30.12.1804 in Enns; gest. 5.1.1867 in Wien.
Nahm als Dichter des Hochdeutschen sowie v. a. der oö. Mundart, Beamter und Dialektforscher im kulturellen Leben des 19. Jh. eine wichtige Funktion ein.

Der Sohn eines Sensenschmieds aus dem Kremstal besuchte nach der Volksschule in Enns das Benediktinerstift Admont und das Lyzeum in Linz. Dort trat er 1823 in den Dienst der Staatsbuchhaltung und machte mit ersten literarischen Veröffentlichungen, u. a. bereits Gedichten in obderennsischer Mundart auf sich aufmerksam. 1835 erschien mit Vaterländische Dichtungen die erste Sammlung hochdeutscher Lyrik, 1838 folgte Lyrische und epische Dichtungen.
1842 wurde Kaltenbrunner in die k.k. Hof- und Staatsdruckerei nach Wien berufen, im selben Jahr erhielt er die Ehrenbürgerschaft seiner Geburtsstadt Enns verliehen. 1859 erfolgte die Beförderung zum Vizedirektor der Druckerei. Er nahm am gesellschaftlich kulturellen Leben der Hauptstadt regen Anteil, war Mitglied zahlreicher künstlerischer und literarischer Zirkel und pflegte freundschaftlichen Umgang u. a. mit Franz Grillparzer, Adalbert Stifter, Nikolaus Lenau oder dem Maler Joseph Sellény. Nachdem seine erste Frau, Pauline Kner, früh verstarb, heiratete Kaltenbrunner 1844 Therese Schleifer, die Tochter des Salinenaufsehers und Bergrats Matthias Leopold Schleifer (1771-1842) aus Gmunden, dessen Gesammelte Gedichte er 1846 herausgab.

Kaltenbrunners literarische Bedeutung liegt im Bereich der Heimatdichtung, v. a. der Kultivierung des oö. Idioms in Form unzähliger Mundartgedichte (Oberösterreichische Lieder, 1845; Alm und Zither, 1846; Oesterreichische Feldlerchen, 1857). Seine Sammlung von Dorfgeschichten (Aus dem Traungau, 1863) enthält volkstümliche Erzählungen auf Hochdeutsch. Eine Einschätzung seiner Heimat gibt er in dem kurzen Vierzeiler "Was má nu habn": "Innviertler - Roß und Troád, / Mühlviertler - Flachs und Gjoád, / Hausrucker - Obst und Schmalz, / Traunviertler - Salz!" (zit. nach Sandner). In der Forschung hat man Kaltenbrunner meist in der Nachfolge Franz Stelzhamers (vgl. auch das lobende Gedicht "Der Franz vá Piesenham") und neben diesem als einen der wichtigsten Vertreter seiner Gattung gesehen (vgl. u. a. Wihan 1904, 52-76). "Sein eigentliches Sprachgebiet ist der alte Traunkreis Oesterreichs, zwischen den Flüssen Enns und Traun, gleichwie Stelzhamer der eigentliche Repräsentant des Innkreises ist." (Wurzbach 1863, 411) Neben Einflüssen aus der Beschäftigung mit Johann Peter Hebel (1760-1826), dem Dichter des Alemannischen (vgl. Wihan 1904, 89-99), wurde aber auch der Unterschied zur Dichtung Stelzhamers, mit dem sich Kaltenbrunner eine kleine dichterische Fehde lieferte, betont. Während Kaltenbrunner das "Volkstum eine Ferienunterhaltung" sei, bedeute es Stelzhamer "Inhalt und Sendung des Lebens" (Nagl, Castle, Zeidler 1914, S. 599).

Kaltenbrunner gab zudem 1844 und 1845 das von ihm begründete Oberösterreichische Jahrbuch für Literatur und Landeskunde heraus, 1854 dessen Fortsetzung Der Oberösterreicher als Volkskalender. Sein dramatisches Talent bezeugen die auf Hochdeutsch verfassten Stücke wie Constantin XI., der letzte griechische Kaiser (1836), Ulrike (1845 uraufgeführt im Wiener Hofburgtheater) und Die drei Tannen (1862 uraufgeführt im Carl-Theater, Wien). Zahlreiche Schriften aus dem Nachlass erschienen postum auf Initiative seiner Tochter Hedwig von Radics-Kaltenbrunner.

Bernhard Judex

 

Vaterländische Dichtungen. Linz 1835. - Constantin XI., der letzte griechische Kaiser. Mit einem Vorspiel: Der Streit um die Krone. Linz 1836. - Lyrische und epische Dichtungen. Wien 1838. - Oberösterreichische Lieder. Linz 1845. - Alm und Zither. Wien 1846. - Oesterreichische Feldlerchen. Nürnberg 1857. - Aus dem Traungau. Oberösterreichische Dorf- und Volksgeschichten. Wien 1863. - Oberösterreichische Gedichte. Aus dem Nachlasse hg. von Hedwig von Radics-Kaltenbrunner. Linz 1878. - Geschichten aus Oberösterreich. Hg. von Hedwig von Radics-Kaltenbrunner. Preßburg, Leipzig 1880. Der Stellvertreter. Erzählungen aus dem oberösterreichischen Volksleben. Wien 1898. - Ausgewählte Dichtungen. Hg. von Hedwig von Radics-Kaltenbrunner u. Karl Kaltenbrunner. Linz 1905.
Als Hg.: Das Album aus Ober-Oesterreich. Linz 1843. - Oberösterreichisches Jahrbuch für für Literatur und Landeskunde. Linz 1844 u. 1845. - Der Oberösterreicher. Linz 1854. - Gesammelte Gedichte Mathias Leopold Schleifer's. Wien 1846. - Ferdinand Margelik: Ausgewählte Gedichte in ob der Enns'scher Mundart. Linz 1895.

Deutsches Literatur-Lexikon. Biographisch-bibliographisches Handbuch. Hg. von Heinz Rupp u. Carl Ludwig Lang. 3. neu bearb. Aufl. Bern, München 1981, Bd. 8, 863. - Dieminger, Franz: Karl Adam Kaltenbrunner. Linz 1904. - Dunzinger, Hildegard: Karl Adam Kaltenbrunner. Univ. Diss. Wien 1949. - Nagl, Johann Willibald; Zeidler, Jakob; Castle, Eduard: Deutsch-Österreichische Literaturgeschichte. Bd. 2, 1. Abt. Wien 1914. 598-602. - Radics-Kaltenbrunner, Hedwig von: Der Lebenslauf des Dichters. In: Karl Adam Kaltenrunner: Ausgewählte Dichtungen. Hg. von ders. und Karl Kaltenbrunner. Linz 1905, IX-XXIII. - Wihan, Josef: Karl Adam Kaltenbrunner als mundartlicher Dichter. Linz 1904. - Wurzbach, Constant von: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. Wien 1863, Bd. 10, 409-412.